Schwache Bundesliga Bayern, Dortmund - und dann lange nichts
BVB-Profi Großkreutz, Bayern-Star Robben: Spanische Verhältnisse in der Bundesliga
Foto: CHRISTOF STACHE/ AFPDrei Teams im Champions-League-Achtelfinale! In der Fünf-Jahres-Wertung an Italien vorbei! Es ist nicht lange her, da strotzte die Bundesliga vor Selbstvertrauen. Von der stärksten Liga der Welt war noch zum Jahreswechsel die Rede.
Es war ein Hochgefühl mit begrenzter Dauer.
Spätestens nach dem Verschwinden des letzten deutschen Clubs aus der Europa League haben sich die Aussichten getrübt und den Blick für die Realitäten geschärft: Die Bundesliga hat in dieser Saison an Niveau verloren. Hinter den zwei Großen aus München und Dortmund klafft eine Lücke, die so groß ist wie lange nicht. Die Bundesliga läuft Gefahr, spanische Verhältnisse zu bekommen.
An der Spitze thronen die beiden Marktführer: der FC Bayern als das Maß aller Dinge in der Liga mit seinen unglaublichen 20 Punkten Vorsprung und der theoretischen Chance, schon am kommenden Spieltag vorzeitig zum Meister gekürt zu werden. Und Borussia Dortmund mit teilweise überragenden internationalen Auftritten in dieser Spielzeit und mittlerweile mit einem stabilen zweiten Liga-Rang. Der BVB hat es durch seine beiden Meisterjahre 2011 und 2012 geschafft, den Status zu erreichen, den die Bayern für sich ohnehin als den einzig normalen ansehen: Sie sind ganz oben angekommen.
Bayern und Dortmund auf dem Weg zum deutschen Clásico-Paar
Beide sind zudem noch in der Champions League dabei und dadurch mit einem sicheren Geldfluss für die nächste Saison ausgestattet. Der BVB erwartet allein für dieses Geschäftsjahr einen Umsatz von beeindruckenden 250 Millionen Euro. Schon 2012 wies der Club 215 Millionen Euro aus. Zum Vergleich: Der Tabellenfünfte Mainz 05 schloss das Geschäftsjahr mit 68 Millionen Euro ab, der Neunte SC Freiburg mit 49 Millionen. Die Bayern lächeln angesichts solcher Summen. Ihr Abschluss 2012: 332 Millionen Euro Umsatz für die FC Bayern München AG, 373 Millionen für den Gesamtkonzern Bayern München. Tendenz steigend.
Als die Bayern und der BVB im Februar im DFB-Pokal aufeinandertrafen, war das öffentliche Ballyhoo im Vorfeld riesig. Es wurde sehr viel vom deutschen Clásico gesprochen - als Parallele zu den Duellen zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona, die sich seit Jahren in Spanien mit gehörigem Abstand zur Konkurrenz den Meistertitel teilen. Für Bayern und Dortmund ist das ein Ritterschlag. Für die Bundesliga nicht.
Denn was kommt dahinter?
Der Vierte der Tabelle ist Frankfurt - der Rückstand der Eintracht auf Tabellenführer Bayern München beträgt 30 Punkte. Das Team von Noch-Trainer Armin Veh ist seit sechs Partien ohne Sieg, in der Rückrundentabelle nimmt man Rang 13 ein, die Mannschaft hängt seit Wochen unterhalb der 40-Punkte-Marke fest - dennoch hat es kein anderes Team bisher vermocht, den Aufsteiger von dem wichtigen Platz zu verdrängen, der immerhin zur Qualifikation für die Champions League berechtigt.
Die Eintracht weist nach 26 Spieltagen 39 Zähler auf. Mit einer solchen Punktzahl wäre die Mannschaft zum selben Saisonzeitpunkt in England Siebter, in Italien und Frankreich Neunter, in Spanien Achter der Liga. 39 Punkte nach 26 absolvierten Partien - seit 1996 war kein Tabellenvierter in der Liga so schlecht.
So viele Punkte hatten sie auf Platz vier: Stand ist jeweils der 26. Bundesliga-Spieltag
Foto: SPIEGEL ONLINEFrankfurt weist eine Tordifferenz von plus zwei auf, für einen Tabellenvierten eine eher kümmerliche Zahl. Zum Vergleich: Der Vierte in England, Tottenham Hotspur, verzeichnete nach 26 Partien eine Differenz von plus 14, Malaga in Spanien plus 13, Inter Mailand im Land der Defensivkünstler Italien immerhin noch plus sieben.
Trotzdem ist die Eintracht damit unter den Teams, die auf Rang vier spekulieren dürfen, noch gut dabei. Besser steht von den Verfolgern nur Mainz mit plus vier da.
Dass in den europäischen Viertelfinals nur Bayern und Dortmund aus Bundesliga-Sicht übrig geblieben sind, ist nach alldem nur folgerichtig. Wie Borussia Mönchengladbach und der VfB Stuttgart in der Europa League gegen Lazio Rom, zugegeben ein Spitzenteam der Serie A, die Grenzen aufgezeigt bekamen, tat schon beim Zuschauen weh.
Bayer Leverkusen, immerhin Dritter der Liga, war in der Zwischenrunde gegen Benfica Lissabon chancenlos. Hannover musste die Überlegenheit des Russen-Krösus Anschi Machatschkala anerkennen. Unter den verbliebenen Acht der Europa League fehlt die Bundesliga, die zuletzt geschmähte Premier League hat dagegen noch drei Vereine im Wettbewerb.
Am vergangenen Wochenende gewannen von den ersten zehn Teams in der Bundesliga nur drei. Bayern München und Borussia Dortmund, na klar, waren zwei davon. Zudem mühte sich Borussia Mönchengladbach zu einem spielerisch eher dürren 1:0 über Hannover 96. Danach hieß es: In Gladbach träumen sie jetzt wieder von der Champions League.
Und sie könnten damit sogar noch recht behalten.