Drei Thesen zur Bundesliga Bremen ist ein Kandidat für Europa

Fünf Spiele, elf Punkte, vorerst Tabellenplatz zwei - Werder ist exzellent in die Saison gestartet. Die Gründe: Das gute Mittelfeld, der starke Kader und einer der besten Trainer der Bundesliga.

Max Kruse
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Max Kruse

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1. Werders Prunkstück ist das Mittelfeld

Wer an Werder Bremen denkt, dem kommt vermutlich zuerst die Offensive in den Sinn. In der vergangenen Saison war Max Kruse nach der Verletzung von Fin Bartels meist auf sich allein gestellt. Inzwischen hat er Martin Harnik an der Seite. Kruse und Harnik erzielten beim 3:1-Erfolg gegen Hertha je einen Treffer. Entscheidend für den Heimsieg waren aber nicht die Angreifer, sondern das zentrale Mittelfeld mit Nuri Sahin, Davy Klaassen und Maximilian Eggestein. Und das vor allem dank der Zweikampfstärke.

30 direkte Duelle um den Ball haben Sahin, Klaassen und Eggestein zusammen geführt, 23 davon haben sie gewonnen - eine überragende Quote. Zudem schaltete sich das Dreiergespann immer wieder in den Angriff ein und kam auf sieben Torschussbeteiligungen. Sahin war bis zu seiner Auswechslung in der 61. Minute der aktivste Mann auf dem Platz, hatte die meisten Ballaktionen, leitete mit einem Freistoß das 1:0 ein und bereitete mit einer Ecke das 2:0 vor.

2. Der Bremer Erfolg ist geplant

In den vergangenen Jahren spielte Werder meist gegen den Abstieg. Jetzt haben sie sich nach fünf Spieltagen an der Tabellenspitze etabliert. Das muss noch nichts heißen, ist aber auch kein Zufall. Ihren Erfolg verdanken die Bremer vor allem Trainer Florian Kohfeldt (siehe unten) und der sehr guten Kaderplanung. Den Abgang von Thomas Delaney hat Werder nicht nur kompensiert, sondern sich danach sogar verbessert. Für die Delaney-Millionen kamen mit Klaassen, Yuya Osako, Harnik und Last-minute-Schnäppchen Sahin gleich vier Spieler, die gegen Hertha gezeigt haben, dass sie dem Bremer Spiel helfen.

In der Breite hat Werder den stärksten Kader seit Jahren. Gegen Hertha rotierten Millionentransfer Milot Rashica und Kevin Möhwald sogar aus dem Kader. Und falls es spielerisch mal nicht laufen sollte, steht mit dem erneut zurückgeholten Claudio Pizarro ein Strafraumstürmer zur Verfügung, der vorne Bälle festmachen und Spiele allein entscheiden kann. Der Peruaner bringt ein zusätzliches Element ins Bremer Spiel, wie Trainer Kohfeldt betont. Auch durch ihn ist Werder unberechenbarer geworden, dazu flexibler und vor allem: stabiler.

3. Kohfeldt ist einer der besten Trainer der Liga

Wie gut Kohfeldt mit diesem Luxus umgehen kann, bewies er gegen Hertha. Der Bremer Trainer ließ Sahin, Klaassen, Eggestein und Osako zunächst in einer Raute spielen. Dadurch hatte Werder in der ersten Hälfte im Mittelfeld oft Überzahl und kontrollierte das Spiel. Herthas Trainer Pál Dárdai erkannte das, stellte im Laufe der ersten Hälfte ebenfalls um - und brachte sein Team damit besser ins Spiel.

Florian Kohfeldt (l.) gibt Nuri Sahin Anweisungen
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Florian Kohfeldt (l.) gibt Nuri Sahin Anweisungen

Als die Partie in der zweiten Hälfte zu kippen drohte, reagierte Kohfeldt, nahm den müde werdenden Sahin vom Feld und brachte mit Bargfrede einen noch defensiveren Spielertypen zur Absicherung - und genau den brauchte seine Mannschaft. Allerdings nicht als Sechser: Bargfrede ließ sich tief fallen, machte aus der Viererkette gegen den Ball eine Fünferkette und gab dem Bremer Spiel die nötige Stabilität.

Es gelang den Berlinern nicht, auf diese Umstellung zu reagieren. Nachdem sie zu Beginn der zweiten Hälfte deutlich stärker geworden waren, kamen sie nach Bargfredes Einwechslung kaum noch gefährlich vors gegnerische Tor. Spätestens nach Kruses verwandeltem Elfmeter zum 3:1 war Hertha gebrochen. Und Kohfeldt hat wieder einmal gezeigt, dass er seine Mannschaft nicht nur vor dem Spiel perfekt einstellen kann, sondern auch große Qualitäten im In-game-Coaching hat. Genau das zeichnet richtig gute Trainer aus und macht den 35-Jährigen zu einem der besten seiner Zunft. Deswegen ist mit Werder im Kampf um Europa zu rechnen.

insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
kloppskalli 26.09.2018
1. "nach fünf Spieltagen an der Tabellenspitze etabliert"
nach 5 Tagen :-)) ...schoen waers - ich freue mich, dass Werder endlich mal wieder ein paar gute Transfers hinbekommen hat. Die Duerreperiode mit nix als Ueberlebenskampf scheint erstmal vorbei. Hoffen wir, dass sich Werder wieder stabilisiert und dauerhaft in der oberen Tabellenhaelfte festsetzt. Im Winter gucken wir dann mal wo die Reise hingeht. Wenn Europa, dann hoffentlich mit gesteigerter Leistung, denn wirklich stabil und unverwundbar sahen die Bremer gestern nicht aus. Allein das Gegentor - aus spitzem Winkel (!) in die Torwartecke (!) war schon wieder zum Haare raufen.
tijalu 26.09.2018
2. Wartet doch erstmal ab ...
... ja es sieht bei Bremen ganz gut aus und bei Schalke läufts noch nicht. Und Bayern ist noch auch noch nicht Meister. Wir haben erst den 5. Spieltag ...
hc2015.91 26.09.2018
3.
Jedes Jahr die selben Artikel :) bin gespannt wer im Nächsten Jahr nach dem 5. Spieltag gefühlt vizemeister wird. Peinlich und traurig diese Berichte...
widower+2 26.09.2018
4. Gestern
Gestern war noch Hertha das spannendste Projekt der Bundesliga und heute soll es dann wohl gleich Werder sein. Dabei war das Spiel gestern gegen die Hartha das erste der Saison, in dem Werder wirklich klar die bessere Mannschaft war und verdient gewonnen hat. Für die große Euphorie ist es noch etwas zu früh, aber mit dem Kader, dem Trainer und der Spielweise ist träumen endlich mal wieder erlaubt in Bremen. Da kann wirklich etwas entstehen, das Werder wieder dauerhaft in die obere Tabellenhälfte bringt.
geirröd 26.09.2018
5. Tip Top!
Dann können wir die Saison ja ausklingen lassen... ist ja wohl alles geklärt und entschieden.
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