Frankfurts 0:0 gegen den HSV Flopspiel am Samstagabend

Ein einziger Torschuss und miserable Passquoten: Eintracht Frankfurt und der HSV haben ein schwaches "Top-Spiel" gezeigt. Auch der Schiedsrichter erwischte einen schlechten Tag. Alles Wichtige zur Partie.

HSV-Profi Michael Gregortisch (M.)
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HSV-Profi Michael Gregortisch (M.)


Ausgangslage: Eintracht Frankfurt hatte in der Bundesliga zuletzt am 19. Spieltag gegen Darmstadt 98 gewonnen, danach folgten fünf Niederlagen in Folge. Vor der Partie stand der Klub zwar auf dem siebten Tabellenplatz, der eventuell zur Teilnahme an der Europa League berechtigt. Doch durch einen HSV-Sieg hätten Frankfurt und Hamburg auf dem Relegationsplatz nur noch sechs Punkte getrennt. Das Team von Trainer Markus Gisdol präsentierte sich nach der desolaten 0:8-Niederlage bei Bayern München zuletzt deutlich stärker und gewann gegen Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach.

Ergebnis: Ein 0:0 der schlechteren Sorte. Hier geht es zum Spielbericht.

Startaufstellungen:
Frankfurt: Hrádecky - Abraham, Russ, Hector - Chandler, Oczipka - Mascarell, Gacinovic - Fabián, Rebic - Hrgota
Hamburg: Adler - Diekmeier, Papadopoulos, Jung, Ostrzolek - Sakai , Ekdal - Hunt, Holtby, Kostic - Wood

Rückkehrer I: Erstmals nach seiner Krebserkrankung stand Marco Russ wieder in der Startformation der Eintracht, war zudem Kapitän. Wie bei seinem Comeback im DFB-Pokalviertelfinale gegen Arminia Bielefeld wurde er auch diesmal bereits vor dem Spiel frenetisch von den Frankfurt-Fans bejubelt. Nach einer soliden Leistung wurde er in der 81. Minute für Taleb Tawatha ausgewechselt.

Marco Russ (M.)
Bongarts/Getty Images

Marco Russ (M.)

Rückkehrer II: Zwölfeinhalb Jahre war Heribert Bruchhagen Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt. Nun kehrte der 68-Jährige erstmals als Klubboss des HSV zurück an alte Wirkungsstätte, wo ihm "vom Ordner bis zum Aufsichtsratsvorsitzenden" noch alle Personen vertraut sind. "Natürlich werde ich jubeln, wenn wir dort mit dem HSV erfolgreich sein werden", sagte er vor dem Spiel. Der Jubel blieb aus.

Erste Hälfte: Eine gute Chance für Hamburgs Lewis Holtby (11. Minute), eine vergebene Großchance von Frankfurts Branimir Hrgota (29.) - ansonsten fand nicht viel Fußball statt. Dinge, die während der ersten Halbzeit noch passierten: Sky-Kommentator Kai Dittmann hatte Probleme mit seinem Mikrofon, Hamburgs Bobby Wood legte mit 34,06 km/h den schnellsten Sprint seiner Bundesliga-Karriere hin, und Dauerregen setzte ein. Das Wetter war wie das Spiel: nicht schön.

Zweite Hälfte: Frankfurt hatte zwei gute Kopfballchancen durch Ante Rebic (51.) und David Abraham (54.), Michael Hector scheiterte aus kurzer Distanz per Abstauber an HSV-Keeper René Adler (72.). Auf der anderen Seite verzog Michael Gregoritsch einen Freistoß aus weiter Distanz nur knapp (84.). Ansonsten blieb das Niveau der Partie schwach. Was passierte sonst? Es regnete weiter in Strömen und die Ersatzspieler des HSV wurden von Schiedsrichter Benjamin Cortus verwarnt, weil sie sich bei einer Ecke der Eintracht zu nah am Spielfeldrand aufwärmten.

Pfeife des Spiels: In der 61. Minute setzte Abraham im eigenen Strafraum gegen HSV-Profi Filip Kostic zur Jens-Nowotny-Gedächtnisgrätsche an und riss den Angreifer zu Boden. Den Ball traf Abraham nicht. Referee Cortus signalisierte jedoch, dass er kein Foulspiel gesehen hatte und ließ die Partie weiterlaufen. Eine Fehlentscheidung, die irgendwie zum Spiel passte.

Tristesse des Spiels: Hectors Versuch war der einzige Torschuss während der gesamten Partie, der schlechteste Wert in dieser Bundesligasaison. Frankfurt hatte eine Passquote von 57,8 Prozent, der HSV wies lediglich 50,8 Prozent auf. Zum Vergleich: Auch das Spiel zwischen dem VfL Wolfsburg und Darmstadt 98 war kein Leckerbissen, doch beide Klubs spielten immerhin ihre Pässe zumeist zum eigenen Mitspieler - Wolfsburg in 82,5 Prozent und Darmstadt in 71,5 Prozent der Fälle.

Erkenntnis des Spiels: Normalerweise soll die Partie am Samstagabend beim Bezahlsender Sky das Top-Spiel darstellen, doch das war auch bei der Begegnung zwischen Frankfurt und Hamburg einmal mehr purer Euphemismus. Dass letzte richtige Top-Spiel an einem Samstagabend fand am 19. Spieltag statt, damals traf Borussia Dortmund auf RB Leipzig. Ein Top-Spiel mit Beteiligung von Bayern München gab es zuletzt im November vergangenen Jahres, der Rekordmeister empfing Bayer Leverkusen. Danach hießen die vermeintlichen Top-Spiele unter anderem Hertha BSC gegen Eintracht Frankfurt oder FC Ingolstadt gegen den 1. FC Köln. Vielleicht sollten derartige Partien fortan "Spätspiel der Woche" heißen.

insgesamt 15 Beiträge
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HamburgerJung2110 18.03.2017
1. 22 schlechte Fussballer
doch der mit Abstand Schlechteste auf dem Platz war der mit der Pfeife!
alaba27 19.03.2017
2. Sehr schön geschrieben
Spätspiel der Woche - Weltklasse. Und auch der Rest passt zu 100 %
frank_w._abagnale 19.03.2017
3. Beängstigendes Niveau.
An diesem Spiel konnte man gut erkennen, wie frappierend das Niveau in der Bundesliga nach den beiden mit Abstand spielerisch stärksten Teams (FC Bayern München und Red Bull Leipzig) abfällt. Beängstigend.
Dumme Fragen 19.03.2017
4. Zu wenig!
Das Spiel hätte der HSV gewinnen müssen!
jan07 19.03.2017
5. Immer schlechteres Preis-Leistungsverhältnis
Abgesehen von den ersten 3 Clubs in der Tabelle sinkt das Niveau der Bundesliga permanent. Die Schere zwischen Spielergehältern und gebotener Leistung geht immer weiter auseinander.
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