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12 des Tages: Dauersieger Langerak, Dauergrinser Okazaki

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Erster Spieltag Herrlich, diese Bundesliga!

Was für ein furioser Start! Selten war der erste Bundesliga-Spieltag so spektakulär wie in dieser Saison. Fußball-Deutschland diskutiert über jede Menge Tore, kuriose Elfmeter und Entscheidungen der Schiedsrichter. Alle Aufreger der neun Spiele.

Hamburg - 109 Tage. Niemals zuvor war eine Sommerpause so lang. 109 Tage ohne Bundesliga-Fußball. Es hatte sich einiges aufgestaut - und das musste am Wochenende raus. Selten zuvor ist eine Bundesliga-Spielzeit so explosiv gestartet wie diesmal. Von null auf hundert.

Die Offensivreihen trafen wie lange nicht, die Neuen feierten einen Traumeinstand. Weniger traumhaft waren einige Schiedsrichterentscheidungen, vor allem in Hoffenheim klagen sie laut. Wir sortieren einmal der Reihe nach.

Bonbontüte Bundesliga

Die neun Spiele des Wochenendes boten Unterhaltung pur. Wer hätte gedacht, dass eine Partie Hoffenheim gegen Nürnberg so spannend werden würde? Wer hätte vorher darauf gewettet, dass ein neuer Spieler gleich die Spitze der Torjägerliste erklimmt? Oder dass ein Aufsteiger erster Tabellenfürher sein wird? Wohl niemand. Die Liga ist dann am besten, wenn sie überrascht.

Nur als Beispiel seien die beiden Partien vom Sonntag genannt. Mainz gegen den VfB Stuttgart - das war in der Vorsaison das Duell, in der der Stern von Nicolai Müller so richtig aufging. Der Jung-Nationalspieler erzielte damals zwei Treffer. Jetzt ging es wieder gegen den VfB, und erneut legte Müller beim 3:2-Erfolg einen Doppelpack hin.

In Gelsenkirchen wurde anschließend so richtig die Achterbahn angeworfen: Schalker Führung nach zwei Minuten, danach lag der HSV zweimal vorne, bevor Zugang Adam Szalai für Schalke den Ausgleich zum 3:3-Endstand erzielte. Zwei Spiele, elf Tore - ein würdiges Ende eines bemerkenswerten Spieltags, der mit Bayerns 3:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach eingeläutet wurde.

Die Neuen rocken die Liga

Ach ja, die Bayern: Wochenlang wurde nicht nur jede Bewegung und jede Aussage des neuen Münchner Trainers Pep Guardiola thematisiert, auch die Wortspiele mit seinem Vornamen erreichten die Grenze des Zumutbaren. Doch nach dem ersten Spieltag bestimmt ein ganz anderer Bundesliga-Neuling die Schlagzeilen: Pierre-Emerick Aubameyang, der in seinem ersten Punktspiel für Borussia Dortmund dreimal beim 4:0 gegen den FC Augsburg traf. Der 24-Jährige sorgte im BVB-Angriff für mächtig Schwung - man könnte auch Pep sagen.

Zu den Neuen der Liga zählen auch die beiden Aufsteiger, von denen Hertha BSC gegen Eintracht Frankfurt Historisches gelang. Sechs Tore am ersten Spieltag - das ist noch keinem neuen Club in 50 Jahren Bundesliga gelungen. Es wird spannend sein zu beobachten, wie sie in Berlin mit diesem 6:1 umgehen. Früher hat man bei Hertha derlei Siege zum Anlass genommen, die Champions League als neues Saisonziel auszurufen.

Doppel-Hand und Torklau

Aber noch mal zurück zum Bayern-Spiel: Die Saison war gerade 65 Minuten jung, da hatte die Liga schon ihre erste Kuriosität zum Thema Schiedsrichterentscheidungen. Referee Tobias Welz zeigte innerhalb von zwei Minuten zweimal auf den Elfmeterpunkt - zweimal wegen Handspiels, zweimal vom selben Spieler. Dem Gladbacher Verteidiger Álvaro Domínguez unterlief das doppelte Missgeschick beim 1:3 in München. Und wenn der Spanier anschließend die Entscheidungen auch als "lächerlich" bezeichnete - so wie die Handspielregel aktuell ist, konnte der arme Unparteiische kaum etwas anderes tun, als so zu entscheiden. Für die Borussia umso bitterer, da Torwart Marc-André ter Stegen den ersten Strafstoß von Thomas Müller auch noch parierte.

Dagegen lag Welz' Kollege Thorsten Kinhöfer am Tag drauf in Hoffenheim heftig mehr daneben. Er und seine Assistenten übersahen ein klares Tor von Hoffenheims Kevin Volland gegen Nürnberg. Der Ball landete deutlich hinter der Linie und drehte sich dank der Eigenrotation anschließend wieder aus dem Tor heraus. Kinhöfer ließ weiterspielen. Anschließend blieb dem erfahrenen Schiedsrichter nichts übrig, als sich kleinlaut zu entschuldigen. Was den Hoffenheimern, die sich mit einem 2:2 zufrieden geben mussten, relativ wenig nutzt.

Tore, Tore, Tore

Die vier Tore im Spiel Hoffenheim gegen Nürnberg lagen sogar noch unter dem Spieltags-Schnitt von 4,11 Treffern. 6:1, 0:4, 3:3: Die Zuschauer sahen ein wahres Tor-Festival, dabei wurden nicht einmal alle regulären Treffer gegeben, wie man ja bei Hoffenheim bestätigen kann. Jonathan Schmid hätte mit einem weiteren Tor seinem Club in Leverkusen womöglich geholfen, verschoss bei Freiburgs 1:3-Niederlage aber einen Elfmeter. Bayerns Abwehrspieler Dante traf hingegen, wird aber wohl nicht besonders stolz sein auf das Tor: Der Brasilianer traf beim 3:1 gegen seinen Ex-Club Mönchengladbach ins eigene Netz.

Insgesamt gab es in neun Spielen 37 Tore: Nur zweimal in der Bundesliga-Geschichte fielen am ersten Spieltag mehr Treffer. Zum Auftakt der Saison 1993/1994 waren es 39 Tore, die meisten gab es beim 5:2 des HSV gegen Nürnberg zu sehen. Und in der Spielzeit 1986/1987 fielen gar 42 Treffer, allein acht bei Werder Bremens 5:3, ebenfalls gegen Nürnberg. Meister wurde jeweils der FC Bayern München.