Gladbacher Niederlage im Rheinderby Hunderte hasserfüllte Gesichter

Die Verhältnisse am Rhein haben sich geändert. Die jahrelang dominanten Gladbacher haben das Derby gegen Köln verloren und sind nur die Nummer drei in der Region. Die Fans gehen auf die Barrikaden.

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Aus Mönchengladbach berichtet


Langsam, fast ängstlich schlichen die Mönchengladbacher in Richtung der sich schnell leerenden Nordtribüne, dort, wo die Borussia-Fans stehen. Als würde sich die Gruppe einem Raubtier in freier Wildbahn nähern, wollte keiner so richtig vorangehen. Kurz hinter der Linie des 16-Meter-Raums machten alle Spieler Halt und blickten ratlos in Hunderte hasserfüllte Gesichter.

Unter der Woche hatte es ein Gespräch zwischen Spielern und Fanszene gegeben. Die Anhänger forderten nach zuletzt fünf Bundesligaspielen ohne Sieg und Tor mehr Leidenschaft und wiesen nachdrücklich auf die Wichtigkeit des Derbys gegen den 1. FC Köln hin. Doch nach dem 1:2 scheint der Schulterschluss Geschichte zu sein.

Knapp 100 Meter weiter war eine komplett gegensätzliche Gemütslage zu beobachten. Noch Minuten nach dem Abpfiff des 85. Rheinischen Derbys feierten die Anhänger in Rot und Weiß den ersten Sieg seit acht Jahren im Borussia-Park. "Die Nummer eins am Rhein sind wir", riefen die mehr als 6000 Kölner, weil ihr FC auch nach elf Spieltagen auf einem Europa-Pokalplatz steht.

Vor zwei Jahren das genaue Gegenteil

Nicht mal zwei Jahre ist es her, da lief es genau andersrum. Auch damals war das Siegtor in der Nachspielzeit gefallen, allerdings für die Borussia. Gladbach jubelte, Köln war am Boden. Erst recht, nachdem FC-Anhänger den Platz gestürmt hatten, was drei Zuschauer-Teilausschlüsse und 200.000 Euro Geldstrafe zur Folge hatte. Was die Kölner Offiziellen zu öffentlicher Kritik an ihren Fans nötigte. Dieses Mal verlor niemand ein negatives Wort über den FC-Anhang. Der hatte zwar durchgängig bengalische Feuer gezündet, außer dem Stadionsprecher störte das aber niemanden. Zu gut war die Laune der Gäste, die in der Kabine mit Karnevalsmusik feierten.

Dabei war es "sicherlich nicht unser bestes Spiel, aber manchmal gibt es solche Tage, an denen zwei glückliche Dinger reichen", sagte ein lachender Marcel Risse, der in der Nachspielzeit aus 34 Metern zum Sieg getroffen hatte. Bereits beim 1:1 durch Anthony Modeste meinte es das Schicksal gut mit den Kölnern. Hatte der Torjäger das Luftduell gegen Jannik Vestergaard doch verloren, war aber so hart angeköpft worden, dass der Ball von ihm aus ins Tor flog.

Es waren zwei Tore wie Sinnbilder für die Situationen der beiden Rivalen. Den Kölnern gelingt fast alles, den Gladbachern fast nichts. Obwohl sie vor der Pause "klar besser" waren, wie Tony Jantschke festhielt. Lars Stindl hatte folgerichtig das 1:0 erzielt - das erste Bundesligator nach 496 Minuten. "Das einzige Manko war, dass wir nicht das zweite oder dritte Tor machen", sagte Trainer André Schubert. Nur deswegen konnten die Kölner das Spiel nach der Pause mit allerlei günstiger Fügung drehen.

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Bundesliga: Risse entscheidet das Rheinderby

Ausschließlich vom Glück hing der Erfolg aber nicht ab. FC-Trainer Peter Stöger hatte in Artjoms Rudnevs einen dritten Stürmer gebracht, worauf die Gladbacher keine richtigen Antworten fanden. Nur noch zwei gute Chancen erspielten sie sich nach dem Wechsel. Nicht viel für ein Team, das individuell deutlich stärker besetzt ist und zuvor alles im Griff hatte. Spätestens mit dem 1:1 war es dann vorbei. Was einmal mehr bewies, wie brüchig das Gladbacher Gebilde derzeit ist.

Das Geraune um Trainer Schubert dürfte nun noch lauter werden. Seit Langem werfen ihm Fans und Beobachter vor, fachlich nicht an seinen immer noch vergötterten Vorgänger Lucien Favre heranzukommen und nur dessen Früchte zu ernten. Daran änderte auch der Umstand nichts, dass Schubert die Borussia vergangene Saison auf Platz vier geführt hatte. Bereits unter der Woche sah sich Manager Max Eberl genötigt, das Gerede um seinen Trainer als "pervers" zu bezeichnen. Nun legte er nach. Zwar sei "Platz 13 mit zwölf Punkten nach elf Spielen nicht das, was wir uns vorgestellt haben", er wolle aber "Kontinuität im Verein haben. Das hat uns geholfen, als es besser lief. Ich will die auch haben, wenn es beschissen läuft".

Gladbachs Problem ist, dass sich die Krise noch verschärfen könnte. Am Mittwoch kommt Manchester City in der Champions League, danach in der Liga Hoffenheim. Es folgen Spiele in Dortmund und Barcelona. "Wir müssen jetzt punkten", sagte Eberl, "sonst geht es nach unten."



insgesamt 20 Beiträge
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mum_23 20.11.2016
1. Der FC-Anhang hatte zwar
durchgängig Bengalische Feuer gezündet, ausser dem Stadionsprecher störte das aber niemanden. Lustig, lustig, trallerallala... Gehts noch!?
alaba27 20.11.2016
2. Was soll der Schubert denn machen
wenn von gefühlt 50 Chancen nur eine Bude gemacht wird ? Die Fohlen waren klar besser und verlieren durch einen Torwartfehler in der Nachspielzeit. Pech gehabt, Mund abputzen - weiter. Auswärts in Dortmund ist geschenkt, danach geht's los.
GSYBE 20.11.2016
3. Hunderte hasserfüllte Gesichter
Geht´s auch eine Nummer kleiner? Nicht jeder der heutzutage nicht, vornehmlich freundlich, grinsend durch die Welt läuft ist gleich hasserfüllt.
Mähtnix 20.11.2016
4.
Zitat von alaba27wenn von gefühlt 50 Chancen nur eine Bude gemacht wird ? Die Fohlen waren klar besser und verlieren durch einen Torwartfehler in der Nachspielzeit. Pech gehabt, Mund abputzen - weiter. Auswärts in Dortmund ist geschenkt, danach geht's los.
Torwartfehler? Sie haben ja Ahnung von dem Sport ! Stellvertretend für viele, die was vom Torwartspiel verstehen: http://www.express.de/sport/fussball/1--fc-koeln/last-minute-sieg-in-gladbach-risse-knallt-den-fc-ins-derby-glueck-25122748 Am Ende das Zitat von Kessler besagt alles.
bigmitt 20.11.2016
5. Fragen Sie mal.
....beim Vorstand in Köln nach der für die Finanzen zuständig ist. Jedes Abbrennen oder Zünden von Feuerwerkskörper zieht eine finanzielle Strafe nach sich. Zum Trainer in Gladbach. Ich denke Schubert bekommt die Hinrunde noch und dann werden Eberl , Bonhof und Meyer sich zusammensetzen und entscheiden.
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