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Fußball-Bundesliga: Desolate Hamburger, treffsichere Bremer

Foto: MICHAEL DALDER/ REUTERS

Bundesliga FC Bayern führt den HSV vor

Der Hamburger SV erlebte am dritten Bundesliga-Spieltag ein Debakel beim FC Bayern. Stuttgart kassierte eine Heimniederlage gegen Bayer Leverkusen. Dortmund gewann gegen Nürnberg, Hoffenheim siegte in Augsburg. Beim Spiel Bremen gegen Freiburg sahen die Zuschauer acht Tore.
Von Birger Hamann und Nils Lehnebach

Hamburg - Langsam, aber sicher müssen sich die Anhänger des Hamburger SV ernsthaft Sorgen um ihr Team machen. 0:5 (0:3) verlor die Mannschaft von Trainer Michael Oenning am dritten Bundesliga-Spieltag beim FC Bayern. Dabei war es gar nicht das reine Ergebnis, das Angst unter den HSV-Fans erzeugen dürfte. Es war die Art und Weise, wie die Hamburger in München auftraten: ohne Mut, ohne Spielwitz und daher ohne Chance. Die Folge ist der Absturz auf Tabellenplatz 17, der den Abstieg bedeuten würde.

"Wir haben großartig gespielt", sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes nach dem klaren Erfolg: "Wenn man fünf Tore erzielt, ist das sehr positiv. Ich denke, heute gibt es nicht viel zu kritisieren." Hamburgs Mittelfeldspieler David Jarolim fand deutliche Worte: "Das Spiel hat kaum begonnen, da liegen wir schon 0:2 hinten. Wir waren überhaupt nicht da, haben viel zu ängstlich gespielt. Ich habe keine Ahnung, warum."

Dabei war Bayern gegen den HSV in der achtziger-Jahren mal ein Top-Spiel, häufig ein Duell der beiden Meisterschaftsfavoriten. Doch in meisterlicher Form präsentierten sich vor 69.000 Zuschauern in der ausverkauften Münchner Arena nur die Gastgeber. Daniel van Buyten, den Heynckes anstelle von Jérôme Boateng in der Innenverteidigung aufgeboten hatte, brachte München in der 13. Minute gegen seinen Ex-Club in Führung. Franck Ribéry (17.) erhöhte wenig später auf 2:0.

Hamburg ähnlich desolat wie bei der Blamage im März

Die Hamburger, saisonübergreifend bereits seit neun Spielen sieglos, traten ähnlich desolat auf wie beim 0:6-Debakel im März dieses Jahres, dem die Entlassung des damaligen HSV-Trainers Armin Veh gefolgt war. Und die Gäste standen auch nach dem zweiten Gegentreffer weiter mächtig unter Druck, kamen kaum einmal zu Entlastungsangriffen.

Arjen Robben, der in der achten Minute noch mit einem Kopfball an Hamburgs Torwart Jaroslav Drobny gescheitert war, erzielte mit einem sehenswerten Heber das dritte Tor der Münchner (34.). Und Thomas Müller (43.) hätte vor der Halbzeitpause sogar das 4:0 machen können, traf aber nur den Pfosten. Die junge HSV-Truppe verzeichnete dagegen nur einen gefährlichen Torschuss durch Dennis Diekmeier (28.), bei dem Bayern-Keeper Manuel Neuer auf dem Posten war.

Leverkusen siegt beim VfB Stuttgart

Nach der Halbzeit das gleiche Bild: die Bayern hochüberlegen, die Hamburger ohne Chance. Folgerichtig erzielte Mario Gomez nach Vorlage von Müller das 4:0 (56.). Der zweiter Ex-HSVer in den Reihen der Münchner, Ivica Olic, stellte schließlich den 5:0-Endstand her (80.). "Wir haben die einfachsten Dinge nicht hinbekommen, das war erschreckend und darf nicht vorkommen. Das war eine derbe Niederlage, die richtig wehtut", sagte HSV-Coach Oenning.

Den Bayern gelang mit diesem Sieg vorübergehend der Sprung auf Platz zwei hinter Überraschungsspitzenreiter Borussia Mönchengladbach, der am Freitagabend den VfL Wolfsburg 4:1 besiegt hatte. Der VfB Stuttgart verpasste dagegen die Tabellenführung. Nach vier Punkten aus zwei Spielen verlor die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia daheim gegen Bayer Leverkusen 0:1 (0:1). Den Treffer des Spiels erzielte Stürmer Stefan Kießling (28.). Stuttgarts Khalid Boulahrouz (90.+1) sah die Gelb-Rote Karte wegen unsportlichen Verhaltens.

Vor 53.000 Zuschauern bestimmten die Leverkusener in der Anfangsphase das Geschehen, waren das aktivere Team. Besonders agil zeigte sich Kapitän Simon Rolfes, der für Michael Ballack spielte. Die Stuttgarter wirkten zu Beginn unkonzentriert und leisteten sich zahlreiche Fehler im Spielaufbau. Allerdings konnten sich auch die Leverkusener trotz ihrer Überlegenheit zunächst keine Chancen erarbeiten.

Nach knapp 20 Minuten entwickelte sich ein ausgeglichenes, aber schwaches Spiel. Den Akteuren auf beiden Seiten schien die Hitze große Probleme zu bereiten, temporeiche Szenen waren Mangelware. Auch der Treffer Kießlings resultierte nicht aus einem gelungenen Angriff, sondern aus einem Patzer von Sven Ulreich. Der VfB-Torwart ließ einen Schuss von Michal Kadlec nach vorne abprallen, Kießling staubte ab.

Auch nach dem Seitenwechsel leisteten sich die Stuttgarter zunächst viele Fehlpässe und entwickelten kaum einen vernünftigen Spielaufbau. Aber die Gastgeber gingen mit mehr Einsatzwillen und Engagement als in Hälfte eins zu Werke. Bei der bis dahin besten Möglichkeit schoss Martin Harnik nach Flanke von Cristian Molinaro knapp vorbei (68.). Leverkusen konnte nur noch selten Entlastungsangriffe starten, rettete den Sieg aber über die Zeit.

Torfestival in Bremen, Siege für Dortmund und Hoffenheim

Die abwechslungs- und torreichste Partie des Spieltags lieferten sich Werder Bremen und der SC Freiburg. Vor 42.000 Zuschauern im Weserstadion halfen den Gästen am Ende auch zwei Tore von Torjäger Papiss Demba Cissé nicht, um den 5:3 (2:1)-Erfolg der Bremer zu verhindern.

Nach der Führung von Cissé (7.) drehte Werder die Partie noch in der ersten Hälfte durch Clemens Fritz (30.) und Claudio Pizarro (34.). Doch das eigentliche Spektakel begann erst nach dem Seitenwechsel: In der 48. Minute war erneut Cissé zur Stelle und verwertete eine Hereingabe des zur Pause eingewechselten Daniel Caligiuri zum 2:2.

Für den nächsten Treffer zeigte sich der nächste Einwechselspieler verantwortlich: Bremens Marko Arnautovic brachte seine Mannschaft in der 65. Minute erneut in Führung. In den packenden Schlussminuten sorgte zunächst erst Michael Reisinger (84.) für den erneuten Ausgleich zum 3:3, dann schlug Bremen noch doppelt zu. Aaron Hunt (87.) verwandelte einen von Pavel Krmas an Mehmet Ekici verursachten Elfmeter, in der Nachspielzeit sorgte Wesley mit einem Konter für den 5:3-Endstand.

Dortmund zurück in der Erfolgsspur

Mit den zuletzt verletzten Verteidigerin Marcel Schmelzer und Neven Subotic in der Startelf hat Meister Borussia Dortmund auch sein zweites Heimspiel der Saison gewonnen. Beim 2:0 (0:0) gegen den 1. FC Nürnberg erzielten Robert Lewandowski (50.) und Kevin Großkreutz (80.) die beiden Treffer.

Dabei war Dortmund in der ersten Hälfte optisch überlegen, ließ aber im schnellen Kombinationsspiel die letzte Genauigkeit vermissen. Insbesondere Shinji Kagawa und Mario Götze fehlte die Leichtigkeit. Im zweiten Durchgang zeigte sich die Dortmunder Kreativzentrale dann verbessert, und Götze bereitete nach einem Konter das Tor von Lewandowski vor.

Zweiter Sieg in Folge für Hoffenheim

Unter der Woche hatte Hoffenheims Trainer Holger Stanislawski von seinem Stürmer Ryan Babel gefordert, dass er bei seinem Potential Spiele für die Mannschaft entscheiden müsse. Und der Niederländer ließ sich nicht lange bitten. Bei Aufsteiger FC Augsburg führte der Angreifer die TSG zu einem 2:0 (1:0)-Erfolg. Bereits in der fünften Minute startete der 24-Jährige ein Solo aus 30 Metern und ließ nach gekonntem Dribbling auch FCA-Torwart Simon Jentzsch keine Abwehrchance.

Den Titel des Matchwinners musste sich Babel allerdings mit Torwart Tom Starke teilen, der in der 59. Minute einen Foulelfmeter von Sascha Mölders hielt. Zuvor hatte Rechtsverteidiger Andreas Beck Augsburgs Axel Bellinghausen gefoult. Auf der anderen Seite machte es Sejad Salihovic besser und entschied die Partie in der 75. Minute per Strafstoß. Fabian Johnson war zuvor von Jonas de Roeck gefoult worden.

Mit Material von sid und dpa
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