Bayern-Remis in Freiburg Sieglos im Schwarzwald

Da ist es passiert: Der FC Bayern hat die ersten Punkte in der noch jungen Bundesliga-Saison liegen lassen. Der couragiert kämpfende SC Freiburg entblößte bekannte Schwächen des Rekordmeisters - dabei steht der erste wirkliche Härtetest für die Münchner noch bevor.

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Als Pep Guardiola den Presseraum verlassen wollte, wurde es noch einmal ungemütlich. Ein Autogrammjäger hatte sich zwischen die Journalisten geschmuggelt und stoppte den Bayern-Trainer. Guardiola blieb ruhig - und unterschrieb. Zuvorkommend, freundlich, der Spanier ließ sich nichts anmerken. Kurz zuvor hatte er über ein "sehr, sehr gutes Spiel" seiner Mannschaft gesprochen. Zufrieden war er, schmunzelte. Keine Überraschungen also an diesem Dienstagabend?

Doch, und wie: Lediglich 1:1 (0:1) spielten die Münchner in Freiburg, im vierten Bundesliga-Spiel der Saison gab es erstmals keinen Sieg. Warum man das Guardiola nicht ansah, wusste Freiburg-Coach Christian Streich: "Dieser Trainer ist es zwar nicht gewohnt zu verlieren oder unentschieden zu spielen. Aber höflich bleibt er immer."

Zwei Punkte verpassten die Münchner beim ersatzgeschwächten SC Freiburg, der Spieler auf dem Feld hatte, die selbst eigene Fans erst nachschlagen müssen. Die verdiente Führung durch Xherdan Shaqiri (33. Minute) egalisierte Nicolas Höfler, ein 23 Jahre alter Mittelfeldspieler aus der eigenen Jugend, der vor dieser Saison noch keinen einzigen Bundesliga-Einsatz vorweisen konnte.

Guardiola tauscht die halbe Mannschaft aus

Während Guardiola das Ergebnis ("Freiburg ein Punkt, wir ein Punkt") zumindest mental ebenso wenig aus dem Tritt brachte wie der forsche Autogrammjäger im Presseraum, präsentiert sich das sportliche Gebilde derzeit deutlich weniger trittsicher. Der FC Bayern dieser Wochen ist weiterhin nicht in Triple-Verfassung.

Die Mannschaft schafft es noch nicht, die Vorstellungen ihres Trainers umzusetzen. Auch im dichten Nebel des Südschwarzwalds blieb vieles im Vagen. In dieser Findungsphase birgt jede Veränderung noch mehr Gefahr. Dass er gleich sechs Leistungsträger auf die Bank setzte, wollte Guardiola dann aber nicht als Entschuldigung oder gar Coaching-Fehler gelten lassen.

"Ich weiß nicht, was mit Spielern wie Robben und Ribéry passiert wäre", verteidigte er seine Aufstellung, in die er Rafinha, Daniel van Buyten, Diego Contento, Xherdan Shaqiri, Claudio Pizarro und Toni Kroos hineinrotierte und unter anderem Arjen Robben und Franck Ribéry auf der Bank ließ. Ausdrücklich lobte er seine "Neuen", die im Verbund mit etablierten Kräften wie Thomas Müller oder Bastian Schweinsteiger durchaus einige Chancen auf einen deutlichen Sieg besaßen, aber entweder an sich selbst oder dem "exzeptionell super" (Guardiola) Freiburger Torwart Oliver Baumann scheiterten (73., 74.).

"90 Minuten gute Defensivarbeit"

Diese Möglichkeiten meinte auch Philipp Lahm, als er nach dem Spiel das verpasste 2:0 beklagte. SC-Trainer Streich hob hervor, dass dieses 1:1 auch gut ein 0:4 aus Freiburger Sicht hätte werden können, eine bessere Münchner Chancenverwertung vorausgesetzt. Und wenn es eben 1:0 steht, weiß Guardiola, ist es gefährlich, "besonders hier". Er meinte damit Deutschland: "Die haben es im Blut, da kann immer was passieren." Ein schön herausgespielter Konter der Freiburger reichte am Ende.

Bislang konnten sie beim FC Bayern darauf verweisen, dass ein gutes Pferd nur so hoch springt, wie es muss. Am Ende hob aber auch der eingewechselte Ribéry das Ross nicht mehr über das Hindernis. So festigt sich der Eindruck der vorangegangenen Partien: Der FC Bayern spielt dominant, er steht defensiv mehr oder weniger solide (Guardiola: "90 Minuten gute Defensivarbeit") - aber übermächtig ist er nicht. Ein taktisch gut geschultes und lauffreudiges Team wie die Freiburger, dessen Mentalität den darauf angesprochenen Trainer Streich sichtlich rührte, reicht als Stolperfalle.

Dabei darf der FC Bayern froh sein, dass es der Spielplan relativ nett meinte und die großen Kontrahenten nicht ins Anfangsprogramm des Meisters aufnahm. Der erste große Gegner wird der FC Chelsea sein, auf den die Münchner am Freitag im Uefa-Supercup in Prag treffen (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Dass das auch Guardiola so sieht, bewies nicht nur seine Aufstellung in Freiburg.

Nach dem Spiel verwies er mehrfach darauf, wie wichtig die Regeneration sei, drei Tage Pause wären sehr wenig vor so einem Spiel. Dann schaute er doch noch sehr ernst. Es war eben doch einiges anders an diesem Dienstagabend im August, an dem der Regen auf die Schönwettermetropole und ihr sonnenverwöhntes Stadion mit dem Solar-Namen prasselte.

Als der Bus des FC Bayern unter großem Getöse vom Freiburger Gelände fuhr, regnete es nicht mehr. Die Laune bei manchem Spieler hob das nicht. Nur wenige stellten sich den Journalisten. Einer, der stumm blieb, war Bastian Schweinsteiger, der in der zweiten Hälfte mit einem verstauchten Sprunggelenk vom Platz gehumpelt war. Eine Untersuchung am Mittwoch soll Klarheit bringen.

Die Gewissheit über die Leistungsfähigkeit des FC Bayern unter Pep Guardiola wird hingegen noch länger auf sich warten lassen.

insgesamt 131 Beiträge
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rebell_am_ball 28.08.2013
1. Dieses 1:1
ist für den SC in etwa so hoch zu bewerten wie das 3:1 in der Saison 93/94, vielleicht nicht ganz so hoch wie das 5:1 in 94/95: Ein richtig schöner Erfolg, der dem neu zusammengestellten Team Mut und Auftrieb geben wird. Selbst wenn bei den Bayern von einem "B-Team" die Rede ist: Wieviele Nationalspieler hatten die auf dem Platz?
beetroot 28.08.2013
2. Ein Fuchs
...dieser Pep :) Schont die Leistungsträger für die richtig wichtig geldbringende CL Partie. Korrekt. Und gleichzeitig macht er die Bundesliga endlich wieder halbwegs spannend. Ya no me aburro, gracias, Pep!
clöde 28.08.2013
3. Schlichtweg peinlich
Da kommt ein hochanständiger, bescheidener und stilvoller Spanier in den hohen Norden und bemüht sich noch vor der Ankunft um die neue Sprache und was kriegt er als Dank? Hämisches Nachäffen, wie man es von Kindern im Vorschulalter kennt… nur eben, dass sich in Deutschland auch volljährige Mitarbeiter angesehener Zeitungen wie faz, spiegel, und sueddeutsche dafür nicht zu schade sind. Es ist zum Fremdschämen und einfach sehr provinziell.
chris11114 28.08.2013
4. Da hat man es mal wieder gesehen
Heute hat sich endlich mal wieder gezeigt , dass ein sehr guter Trainer und ein Teamkollegial einen Haufen Millionen durchaus ärgern oder sogar schlagen können! Zwar wäre dies wenn der Schiri nicht so stark mitgeholfen hätte auch schon in Frankfurt passiert aber naja. Warte nur noch drauf dass der HSV wieder auf einer Stufe mit dem FCB steht aber nicht weil der HSV plötzlich besser spielt. Der Wunderpep ist wohl doch nicht so toll ( und sollte deshalb auch dort bleiben) als Dopingsünder und Spielerkontrolleur passt er in den Laden ja prima rein ! Wird man vielleicht ja schon am Freitag sehen! The Special One traue ich mehr Kompetenz zu!
howagri100 28.08.2013
5. Neuer in den Sturm
Noch hat der neue Trainer noch nicht alles ausprobiert. Schweini ins Tor (wo er seinen Knöchel schonen kann) und Neuer als Torjäger. Klappt bestimmt. Gegen Ingolstadt.
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