Bayern-Gala gegen Mainz Darf's ein bisschen mehr sein?

Gegen Liverpool blass, gegen Mainz in Topform - James Rodríguez ist ein Sinnbild für die aktuelle Lage beim FC Bayern. Seine Zukunft in München ist ungewiss - wie so vieles andere auch in Zeiten des Umbruchs.

James Rodríguez (r.) mit Manuel Neuer
DPA

James Rodríguez (r.) mit Manuel Neuer

Von Christoph Leischwitz, München


James Rodríguez ist neben dem Platz ein ruhiger, ja schüchterner Zeitgenosse. So betonte er am Sonntagabend immer wieder, dass er doch nur der Mannschaft helfen wollte. Dabei hatte sich der 27-Jährige allerdings mit drei Toren beim 6:0 gegen den FSV Mainz 05 mal wieder ins Rampenlicht geschossen.

Bei seiner Auswechslung in der 73. Minute verabschiedete ihn das Publikum in München mit großem Applaus. Der Kolumbianer ist nur einer von mehreren, zuletzt kritisierten Spielern, die sich zum Abschluss des 26. Spieltages den Frust über den mauen Auftritt in der Champions League gegen den FC Liverpool nicht anmerken ließen. Robert Lewandowski etwa traf schon nach drei Minuten zur Führung.

Das Ausscheiden, versicherten viele indes, sei aber trotz des souveränen Liga-Auftritts und des Sprungs zurück an die Tabellenspitze noch nicht komplett verdaut. Auch Präsident Uli Hoeneß bestätigte das. Die Mannschaft habe gegen Liverpool mit "zu wenig Mumm" gespielt, sagte er zwar. Eine Generalkritik verbat er sich allerdings, zumal man ja in der Bundesliga "seit über drei Monaten sehr guten Fußball" spiele. Und es sei auch nicht fair, der Mannschaft die internationale Wettbewerbsfähigkeit abzusprechen.

Fotostrecke

8  Bilder
Bayern-Sieg gegen Mainz: King James

Sicher scheint aktuell nur, dass die Bayern für den Bundesliga-Showdown mit Borussia Dortmund gewappnet sind. In ihrem Liverpool-Frust hatten mehrere Spieler davor gewarnt, nun in ein Loch zu fallen.

Der FC Bayern - noch immer attraktiv für Stars?

Aber wie viel Wettbewerbsfähigkeit müssen sich die Bayern noch dazukaufen? Umgekehrt gefragt: Ist ein Spieler wie James, der quasi stellvertretend für die ganze Mannschaft in der Bundesliga brilliert, sich aber in der Champions League schwertut, weiter Teil des Plans?

James ist von Real Madrid ausgeliehen. Die Bayern besitzen eine Kaufoption, die sie bis zum 15. Juni ziehen müssen. Gegen eine Weiterverpflichtung spricht, dass sowohl Verein als auch Spieler Hinhalte-Taktiken fuhren. James hatte gegenüber ausländischen Medien seine Rückkehr angedeutet. Für einen Verbleib spricht, dass Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ein "Fan" des Zehners ist - und dass zugleich Madrids Trainer-Rückkehrer Zinédine Zidane nicht gerade als Bewunderer von James gilt.

Außerdem hat Madrid schon so viele Nicht-EU-Spieler verpflichtet, dass eine Rücknahme James' aufgrund der spanischen Liga-Regularien kaum noch möglich erscheint. "Nicht, dass ich wüsste", sagte James am Sonntag auf die Frage, ob es schon andere Angebote gebe. Er fühle sich wohl in München, sagte er. Aber er ist eben ein höflicher Mensch.

Ob James bleibt, sagt viel darüber aus, ob sie an der Bayern-Spitze ihren aktuellen Kader wirklich für wettbewerbsfähig halten; wie viel des angekündigten Umbruchs sie ihrem Trainer Niko Kovac zutrauen wollen; und auch, wie groß die bereits angekündigte Shoppingtour der Bayern im Sommer tatsächlich ausfallen wird.

James Rodríguez (l.) mit Niko Kovac
REUTERS

James Rodríguez (l.) mit Niko Kovac

Sollte der Torschützenkönig der WM 2014 gehen müssen, dann wohl deshalb, weil Platz geschaffen werden muss im Kader - für jüngere Spieler mit mindestens gleichwertigem Talent. Sollte wiederum James auf seinen Weggang pochen, könnte das auch bedeuten: Der FC Bayern ist womöglich gar nicht mehr so attraktiv für internationale Stars.

Münchner Wankelmut

Im Klub ändern sie zurzeit in vielerlei Hinsicht ihre Meinung recht schnell. Unter der Woche hatte die " Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass sich die Europäische Klub-Vereinigung ECA, mit ihren Zugpferden FC Bayern und Real Madrid, schriftlich klar gegen eine neue, deutlich größere Klub-WM ausgesprochen hatte, wie sie von der Fifa geplant wird. Anscheinend ging es dabei aber nicht um die Idee an sich, sondern um die Verteilung der möglichen Einnahmen - nach der Fifa-Abstimmung hörte sich das alles schon anders an.

Am Sonntag vollzog Hoeneß dann eine 180-Grad-Wende: Er halte die Reform für "super. Tolle Mannschaften, alle vier Jahre, wunderbar." Auch schon ab 2021? "Hoffentlich, her damit, schnell." Das hörte sich fast schon gierig an. Und auf die Nachfrage, ob seine Aussage nicht der ursprünglichen Haltung der ECA widerspreche, sagte Hoeneß nur: "Sie werden sehen, die Klub-WM kommt, und der FC Bayern wird mitspielen." 24 Teilnehmer soll sie dann haben. Hoeneß' Aussage war also ein weiterer Beleg dafür, dass er die Mannschaft im Jahr 2021 weiterhin für international wettbewerbsfähig hält.

Wie gut eigentlich der Trainer ist, diese Frage wurde dann, nach einem 6:0-Erfolg, tatsächlich auch noch gestellt. Dass er ja offensichtlich sogar im Umbruch Titel gewinnen könne, dass er aber zugleich womöglich nicht geeignet sei, die Bayern zurück zu den Top vier in Europa zu führen - was sage er zu dieser Kritik? Kovac nahm die Frage mit der gleichen Miene hin, mit der er zwei Stunden zuvor das 1:0 hingenommen hatte: völlig unbewegt. "Die Kritiker werden wohl recht haben", antwortete er zynisch. Was hätte er sonst auch sagen sollen: Er muss die Titel ja erst noch gewinnen.



insgesamt 58 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
trompetenmann 18.03.2019
1. Da kann man mal sehen...
...wie groß der Leistungsunterschied zwischen FCL und M05 ist. Und der FCB ist irgendwo mittendrin.
Watchtower 18.03.2019
2. Keine Kunst gegen Mainz...
ansonsten sind die Bayern europäisches Mittelmaß entsprechend der Bundesliga...das haben die europäischen Wettbewerbe bewiesen...
Papazaca 18.03.2019
3. Das Dilemma der Bayern: Hoher Anspruch aber zu wenig Geld
Die TV-Gelder der Premier-League, die Scheichgelder von City und PSG und das Weltrenommee von Barca und Real, die Bayern haben es schwer. Um es klar zu sagen: Die Bayern haben in Zeiten, in denen Mbappe 150+ Mio. und Neymar 250+ Mio. kosten, nicht mehr genug Geld. Zu gut für die Bundesliga, nicht mehr gut genug für die Spitze Europas. Um es klar zu sagen: Der zu späte Umbau einer zu alten Mannschaft ist das Versäumnis von Hoeneß. Die grundsätzlichen Probleme der Bayern sind aber struktureller Art und betreffen den ganzen deutschen Fußball. Dummerweise haben wir mit Grindel keinen Präsidenten, der dieses Problem moderieren könnte. Erstens hat er keine Ahnung, zweitens kämpft er um seinen eigenen Job. Aber sicher ist: Es muß was passieren, und zwar bald. Denn die Probleme der Bayern stehen stellvertretend für die ganze Bundesliga.
Flachlandprophet 18.03.2019
4. 2020...
...werden die Bayern die Champions-League gewinnen und alle, die sich heute in Schadenfreude suhlen, verstummen lassen. Nur weil man nach acht Jahren einmal nicht das Viertelfinale erreicht hat, muss nicht alles in gleich in Frage gestellt werden. Liverpool und viele andere waren die letzten Jahre nicht annähernd so erfolgreich wie die Bayern.
sani 18.03.2019
5. grundfalsch
Zitat von PapazacaDie TV-Gelder der Premier-League, die Scheichgelder von City und PSG und das Weltrenommee von Barca und Real, die Bayern haben es schwer. Um es klar zu sagen: Die Bayern haben in Zeiten, in denen Mbappe 150+ Mio. und Neymar 250+ Mio. kosten, nicht mehr genug Geld. Zu gut für die Bundesliga, nicht mehr gut genug für die Spitze Europas. Um es klar zu sagen: Der zu späte Umbau einer zu alten Mannschaft ist das Versäumnis von Hoeneß. Die grundsätzlichen Probleme der Bayern sind aber struktureller Art und betreffen den ganzen deutschen Fußball. Dummerweise haben wir mit Grindel keinen Präsidenten, der dieses Problem moderieren könnte. Erstens hat er keine Ahnung, zweitens kämpft er um seinen eigenen Job. Aber sicher ist: Es muß was passieren, und zwar bald. Denn die Probleme der Bayern stehen stellvertretend für die ganze Bundesliga.
komisch, früher hat sich niemand über geld aufgeregt. solange man selbst das meiste hatte und die pokale gewann. in den 70ern wäre es keinem buyernspieler eingefallen, sich zu einem finanzstarken topclub zu wünschen. man hatte zwar das top nicht, die finanzkraft, bis auf breitner alle weltmeister zu halten, hatte man sehr wohl. zu heute: einmal im jahr protzt man auf der jhv über das weltstärkste festgeldkonto. kunststück, abgesehen von buyern beteibt auf der ganzen welt niemand einen club fürs festgeldkonto, sondern für erfolg, reputation oder was auch immer man sich erhofft. würde man dieses festgeld ausgeben, statt es zu horten, käme sicher mehr dabei heraus. es bleibt gern unerwähnt, aber die sind im gehaltsranking lt forbes auf platz 5 weltweit, auch zb vor liverpool. es geht nicht immer nur um geld, wenn zb ein salah für 40 mios von der roma nach liverpool geht, oder firmino zum gleichen preis von hopp nach liverpool. kosten und gehalt der beiden spieler wäre sicher weit unter dem gelegen, was gehypte b-proms in münchen verdienen. aber es dürfte doch wohl logisch sein, wohin ein spieler wechselt, wenn er identische angebote aus buli und pl oder pd erhält. diese entscheidung in form einer buschzulage zu beeinflussen ist man nicht bereit, vielleicht ist auch einfach das scouting zu schlecht und man hat das grandiose preis-leistungs-verhältnis von spielern jener preisklasse ganz einfach nicht erkannt
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.