Bayern-Sieg gegen Hoffenheim Rode, der Junior-Chef

Er hat es bei Guardiola schwer: Sebastian Rode verkörpert eher Kampf als filigrane Technik. Beim Sieg gegen Hoffenheim war der Bayern-Mittelfeldspieler trotzdem entscheidend. Er verkörpert Tugenden, die das Team derzeit dringend braucht.

Bayern-Profi Rode: "Ich bin heute stolz auf meine Leistung"
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Bayern-Profi Rode: "Ich bin heute stolz auf meine Leistung"

Von Ronny Zimmermann, Sinsheim


Es war ein Treffer à la Arjen Robben. In der 39. Minute kam Sebastian Rode 15 Meter vor dem Tor an den Ball, hob den Kopf und schlenzte den Ball ins rechte Eck. "Das war tatsächlich so gewollt. Ich habe ihn optimal getroffen", sagte der Mittelfeldspieler nach dem 2:0-Sieg des FC Bayern München bei der TSG 1899 Hoffenheim. Ausgerechnet Rode war an diesem Tag der Schlüssel zum Sieg.

Obwohl er eigentlich kein feiner Techniker ist. Keiner, der zu Josep Guardiolas Kurzpassspiel passt. Doch er verkörpert das, was die Bayern derzeit dringend brauchen: Kampf, 90 Minuten lang. Rode erinnert an Jens Jeremies oder Hasan Salihamidzic, beide vor Jahren Publikumslieblinge in München.

"Ich bin heute stolz auf meine Leistung", sagte Rode. Bälle erobern, notfalls auch mit einer Grätsche. Danach der einfache Pass zur Offensivreihe. Das ist Rodes Art, Fußball zu spielen. Gegen Hoffenheim gelang es ihm besonders gut: "Wenn man die kompletten 90 Minuten nimmt, war es mein bestes Spiel für Bayern."

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Fußballbundesliga: Rode trifft, Dortmund jubelt
Erst zum fünften Mal in der Bundesliga durfte Rode über die komplette Spielzeit für die Münchner auflaufen. Momentan profitiert er von den vielen Verletzten im Mittelfeld (Schweinsteiger, Lahm, Robben, Ribéry und Martínez). Rode nutzt die Chance. Drängt sich auf. Sogar Guardiola nimmt ihn inzwischen anders wahr.

Leibchen einsammeln? Für Rode ganz normal

"Er ist ein sehr spezieller Spieler. Er will immer lernen, ist fleißig und spielt zurzeit sehr, sehr gut", sagte der Bayern-Trainer. Vor der Saison hatte Guardiola Zweifel an dem Transfer. Es hieß, Rode (zuvor Eintracht Frankfurt) sei mehr der Wunsch von Sportvorstand Matthias Sammer als von Guardiola gewesen. Nun hat der 24-Jährige sogar eine kleine Chefrolle eingenommen.

Guardiola nennt ihn den "Junior-Chef". Weil er nach jedem Training mit den Nachwuchsspielern übt. Er nimmt sich Zeit für die Talente und die Jüngsten im Team. Rode ist ein Bindeglied, sammelt Leibchen ein oder hilft, die Tore vom Platz zu tragen. "Für mich sind das die normalsten Dinge der Welt", sagt er.

Rode erlebt turbulente Bayern-Tage. Nach der schmerzhaften 1:3-Niederlage beim FC Porto in der Champions League und dem Rücktritt von Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt wankt die heile Bayern-Welt. Guardiola versammelte sein Team direkt nach Abpfiff in der Kabine. Noch in den Katakomben des Hoffenheimer Stadions hielt er eine Rede. Sie soll kurz, aber emotional gewesen sein.

Rückkehr von Schweinsteiger, Hoffnung bei Ribéry

Er schwor seine Mannschaft auf das Rückspiel gegen die Portugiesen am Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ein. "Ich bin sehr stolz auf meine Spieler, und ich habe großes Vertrauen zu ihnen", sagte er. "Viele Leute wissen nicht, wie schwer es ist, nach der Champions League hier in Hoffenheim zu gewinnen. Meine Spieler müssen alle drei Tage 90 Minuten auf dem Platz stehen - heute haben sie es gut gemacht. Großes Kompliment." Theoretisch kann der FC Bayern bereits am nächsten Spieltag die Deutsche Meisterschaft perfekt machen.

Guardiola war nicht nur deswegen erleichtert. Auch die medizinische Abteilung hatte gute Nachrichten für ihn: Juan Bernat, der zur Halbzeit wegen Schmerzen am Knöchel in der Kabine blieb, wird am Dienstag spielen können. Die Auswechslung war nur eine Vorsichtsmaßnahme. Auch Bastian Schweinsteiger soll gegen Porto zurückkehren. "Bei Franck (Ribéry, Anm. d. Red.) müssen wir abwarten", sagte Guardiola.

Falls nicht, ist Rode bereit. Egal, auf welcher Position. Hauptsache, er kann helfen, noch irgendwie das Halbfinale zu erreichen. "Ich habe mein Bewerbungsschreiben für das Porto-Spiel heute abgegeben", sagte Rode. "Wir können noch immer Weiterkommen." Der Glaube ist da. Auch dank Rode.

1899 Hoffenheim - Bayern München 0:2 (0:1)
0:1 Rode (38.)
0:2 Beck (90.+3, Eigentor)
Hoffenheim: Baumann - Beck, Strobl, Bicakcic, Toljan (85. Schipplock) - Rudy, Schwegler, Polanski (69. Szalai) - Volland, Firmino - Modeste (69. Zuber)
München: Neuer - Rafinha, Dante, Badstuber - Gaudino (57. Thiago), Rode - Weiser, Bernat (46. Jerome Boateng) - Thomas Müller, Lewandowski (89. Pizarro), Götze
Schiedsrichter: Tobias Stieler (Hamburg)
Zuschauer: 30.150 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Rudy (8), Beck (5), Volland (5) - Thomas Müller, Dante (3), Rafinha (2)
Torschüsse: 8:20
Ecken: 1:10
Ballbesitz: 36:64 %

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TangoGolf 18.04.2015
1. aus einer anderen Welt
scheinen die Bayern zu sein - zumindest im deutschen Fußball. Da liest man von etwas das die Bayern dringend brauchen, dass es zur Zeit irgendwie nicht so rund läuft. Dabei meint man aber längst nur den Vergleich zu europäischen Topklubs. Denn bei einem Blick auf die Bundesligaspiele und -tabelle kann man beim besten Willen kein Problem finden.
BlakesWort 18.04.2015
2.
Zitat von TangoGolfscheinen die Bayern zu sein - zumindest im deutschen Fußball. Da liest man von etwas das die Bayern dringend brauchen, dass es zur Zeit irgendwie nicht so rund läuft. Dabei meint man aber längst nur den Vergleich zu europäischen Topklubs. Denn bei einem Blick auf die Bundesligaspiele und -tabelle kann man beim besten Willen kein Problem finden.
Es gibt keine Konkurrenz. Die zweite Garde bei Bayern mag nicht uneingeschränkt CL-tauglich sein. Gegen die Mannschaften der BL mit ihren maximal drei bis vier Spielern auf Bayern-Niveau pro Team, sind Siege reine Formsache.
GustavLecter 19.04.2015
3. Ja... aber so genau will man nicht mal das wissen...
Zitat von TangoGolfscheinen die Bayern zu sein - zumindest im deutschen Fußball. Da liest man von etwas das die Bayern dringend brauchen, dass es zur Zeit irgendwie nicht so rund läuft. Dabei meint man aber längst nur den Vergleich zu europäischen Topklubs. Denn bei einem Blick auf die Bundesligaspiele und -tabelle kann man beim besten Willen kein Problem finden.
Rode ist zB einer der den Unterschied zwischen den Bayern und dem BVB deutlich macht. Wie wir ja dank SPON mittlerwiel wiossen, hat der BVB mehr Geld für Neu-Einkäufe ausgegeben, als die Bayern. Während die einen also ihre Fehleinkäufe hochloben ("Klasse wie der Auba gestern wieder zwei super geile Tore gegen den... Zweitligisten erzielt hat!) haben die Bayern drei absolute Spitzenspieler unter Vertrag genommen. Den sensationellen Bernat, den von Spiel zu Spiel besser werdenden Rode und Thiago der drauf und dran ist Robben den TItel des besten BuLi Spielers streitig zu machen. Stellen sie sich vor, sie sind BVB Fan. Und sie m üssen nach dieser Katatstrophen Saison mitansehen wie der Einzige der in seinem Leben einen wirklichen Leistungsnachweis erbracht hat, also Klopp, geht, während die beiden Pfuscher im Management (die meinten ein Immobile könne "ihren" Lewandovski ersetzen) nun mit neuen Aber-Millionen eine neue Mannschaft aúfbauen werden. Da kann man vor lauter Respekt nur den Huut ziehen, so viel Leidensfähigkeit.... also ich könnte das nicht. Was also soll man als Nicht-Bayern-Fan denn machen? Manchmal muss man Monate warten, bis man endlich wieder einen Anlass findet auf die bayern einzuhacken... und am Saisonende war dann die ganze aufgebaute Vorfeude doch wieder mal völlig umsonst....? Aloo seien sie nett, haben sie Verständnis, für die Armen Bayern-Hasser, es sind ihgrer Millionen!
ProbeersEinfach 19.04.2015
4.
Auch ein Aus im VF gegen Porto ist kein Weltuntergang. Die Medien werden es einige Tage ausschlachten, die Neider von den anderen Trummertrüppen werden ihre belanglose Häme ausschütten und im Mai wird der FCB doch wieder DM und Pokalsieger. Ohne Ribery und Robben fehlt Bayern ein wichtiges Element im Spiel, dazu fehlt auf der 6er Position ein Schweinsteiger respektive Martinez. Im Prinzip ist das eine gar nicht so schlechte Situation momentan, die Bosse haben gesehen, dass sie dringend Ersatz für Robben und Ribery brauchen.
Amon 19.04.2015
5. Rode immer unterschätzt
Meiner Meinung nach ist Sebastian Rode einer der wichtigsten Bayernspieler, nicht nur momentan. Er beschwert sich nie über fehlende einsatzzeiten obwohl ich in seiner Situation nicht unbedingt zufrieden wäre, zumindest wenn das restliche Mittelfeld fit ist. Aber wenn Rode, wie zum Glück momentan spielen darf dann liefert er kontinuierlich gute Leistungen ab. Wenn ich mich nicht irre übertrifft seine zweikampfquote in den letzten Spielen sogar die von Xabi Alonso. Mir jedenfalls ist Rode schon zu Frankfurter Zeiten sympathisch gewesen und ich finde er bekommt bei Bayern nicht zwingend die Anerkennung, die ihm gebührt. Und sind wir mal ehrlich, Rodes Spiel ist viel viel ansehnlicher als das von Schweinsteiger zuletzt.
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