Bayern-Sieg gegen Hoffenheim Rode, der Junior-Chef

Er hat es bei Guardiola schwer: Sebastian Rode verkörpert eher Kampf als filigrane Technik. Beim Sieg gegen Hoffenheim war der Bayern-Mittelfeldspieler trotzdem entscheidend. Er verkörpert Tugenden, die das Team derzeit dringend braucht.
Von Ronny Zimmermann
Bayern-Profi Rode: "Ich bin heute stolz auf meine Leistung"

Bayern-Profi Rode: "Ich bin heute stolz auf meine Leistung"

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Es war ein Treffer à la Arjen Robben. In der 39. Minute kam Sebastian Rode 15 Meter vor dem Tor an den Ball, hob den Kopf und schlenzte den Ball ins rechte Eck. "Das war tatsächlich so gewollt. Ich habe ihn optimal getroffen", sagte der Mittelfeldspieler nach dem 2:0-Sieg des FC Bayern München bei der TSG 1899 Hoffenheim. Ausgerechnet Rode war an diesem Tag der Schlüssel zum Sieg.

Obwohl er eigentlich kein feiner Techniker ist. Keiner, der zu Josep Guardiolas Kurzpassspiel passt. Doch er verkörpert das, was die Bayern derzeit dringend brauchen: Kampf, 90 Minuten lang. Rode erinnert an Jens Jeremies oder Hasan Salihamidzic, beide vor Jahren Publikumslieblinge in München.

"Ich bin heute stolz auf meine Leistung", sagte Rode. Bälle erobern, notfalls auch mit einer Grätsche. Danach der einfache Pass zur Offensivreihe. Das ist Rodes Art, Fußball zu spielen. Gegen Hoffenheim gelang es ihm besonders gut: "Wenn man die kompletten 90 Minuten nimmt, war es mein bestes Spiel für Bayern."

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Foto: Matthias Hangst/ Bongarts/Getty Images

Erst zum fünften Mal in der Bundesliga durfte Rode über die komplette Spielzeit für die Münchner auflaufen. Momentan profitiert er von den vielen Verletzten im Mittelfeld (Schweinsteiger, Lahm, Robben, Ribéry und Martínez). Rode nutzt die Chance. Drängt sich auf. Sogar Guardiola nimmt ihn inzwischen anders wahr.

Leibchen einsammeln? Für Rode ganz normal

"Er ist ein sehr spezieller Spieler. Er will immer lernen, ist fleißig und spielt zurzeit sehr, sehr gut", sagte der Bayern-Trainer. Vor der Saison hatte Guardiola Zweifel an dem Transfer. Es hieß, Rode (zuvor Eintracht Frankfurt) sei mehr der Wunsch von Sportvorstand Matthias Sammer als von Guardiola gewesen. Nun hat der 24-Jährige sogar eine kleine Chefrolle eingenommen.

Guardiola nennt ihn den "Junior-Chef". Weil er nach jedem Training mit den Nachwuchsspielern übt. Er nimmt sich Zeit für die Talente und die Jüngsten im Team. Rode ist ein Bindeglied, sammelt Leibchen ein oder hilft, die Tore vom Platz zu tragen. "Für mich sind das die normalsten Dinge der Welt", sagt er.

Rode erlebt turbulente Bayern-Tage. Nach der schmerzhaften 1:3-Niederlage beim FC Porto in der Champions League und dem Rücktritt von Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt wankt die heile Bayern-Welt. Guardiola versammelte sein Team direkt nach Abpfiff in der Kabine. Noch in den Katakomben des Hoffenheimer Stadions hielt er eine Rede. Sie soll kurz, aber emotional gewesen sein.

Rückkehr von Schweinsteiger, Hoffnung bei Ribéry

Er schwor seine Mannschaft auf das Rückspiel gegen die Portugiesen am Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ein. "Ich bin sehr stolz auf meine Spieler, und ich habe großes Vertrauen zu ihnen", sagte er. "Viele Leute wissen nicht, wie schwer es ist, nach der Champions League hier in Hoffenheim zu gewinnen. Meine Spieler müssen alle drei Tage 90 Minuten auf dem Platz stehen - heute haben sie es gut gemacht. Großes Kompliment." Theoretisch kann der FC Bayern bereits am nächsten Spieltag die Deutsche Meisterschaft perfekt machen.

Guardiola war nicht nur deswegen erleichtert. Auch die medizinische Abteilung hatte gute Nachrichten für ihn: Juan Bernat, der zur Halbzeit wegen Schmerzen am Knöchel in der Kabine blieb, wird am Dienstag spielen können. Die Auswechslung war nur eine Vorsichtsmaßnahme. Auch Bastian Schweinsteiger soll gegen Porto zurückkehren. "Bei Franck (Ribéry, Anm. d. Red.) müssen wir abwarten", sagte Guardiola.

Falls nicht, ist Rode bereit. Egal, auf welcher Position. Hauptsache, er kann helfen, noch irgendwie das Halbfinale zu erreichen. "Ich habe mein Bewerbungsschreiben für das Porto-Spiel heute abgegeben", sagte Rode. "Wir können noch immer Weiterkommen." Der Glaube ist da. Auch dank Rode.

1899 Hoffenheim - Bayern München 0:2 (0:1)
0:1 Rode (38.)
0:2 Beck (90.+3, Eigentor)
Hoffenheim: Baumann - Beck, Strobl, Bicakcic, Toljan (85. Schipplock) - Rudy, Schwegler, Polanski (69. Szalai) - Volland, Firmino - Modeste (69. Zuber)
München: Neuer - Rafinha, Dante, Badstuber - Gaudino (57. Thiago), Rode - Weiser, Bernat (46. Jerome Boateng) - Thomas Müller, Lewandowski (89. Pizarro), Götze
Schiedsrichter: Tobias Stieler (Hamburg)
Zuschauer: 30.150 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Rudy (8), Beck (5), Volland (5) - Thomas Müller, Dante (3), Rafinha (2)
Torschüsse: 8:20
Ecken: 1:10
Ballbesitz: 36:64 %

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