Bayern-Wut auf Nürnberg "Unser Spiel wurde kaputtgefoult"

In Führung gelegen, einen Mann mehr auf dem Feld gehabt - und dennoch nicht gewonnen: Der FC Bayern spielte gegen Nürnberg nur 1:1. Die Nationalspieler Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer moserten anschließend über die harte Spielweise des Gegners - dabei foulten auch die Münchner reichlich.
Bayern-Star Schweinsteiger, Schiedsrichter Graefe: "Immer wieder einen Tritt"

Bayern-Star Schweinsteiger, Schiedsrichter Graefe: "Immer wieder einen Tritt"

Foto: CHRISTOF STACHE/ AFP

Hamburg - Bastian Schweinsteiger war sauer. Doch nicht der erste Punktverlust auf fremden Platz nach fünf Siegen in der Liga war der Grund für die Wut des Bayern-Profis, auch nicht das erste Auswärts-Gegentor in dieser Saison. Nein, Schweinsteiger war nicht einverstanden mit der kampfbetonten Spielweise des Gegners 1. FC Nürnberg.

"Sie haben versucht, den Schiedsrichter zu beeinflussen, zu provozieren. Es war halt nicht so richtig einfach, wenn du immer wieder einen Tritt bekommst", sagte Schweinsteiger nach dem 1:1 (0:1) in Nürnberg dem TV-Sender Sky. Und der Nationalspieler legte nach: "Nürnberg kann ja nicht anders."

Nürnberg agierte gegen die Münchner tatsächlich ruppig, Timo Gebhardt sah nach einem Ellenbogenschlag in Schweinsteigers Gesicht sogar die Gelb-Rote Karte (76. Minute). Doch statistisch gesehen begingen die Spieler des FCB doppelt so viele Fouls wie Nürnberg: zwölfmal wurden die Aktionen der Gastgeber wegen überharten Spiels abgepfiffen, 24-mal die der Bayern.

Robben, Ribéry und Gustavo gar nicht im Kader

Nürnbergs Trainer Dieter Hecking reagierte entsprechend gelassen auf die Vorwürfe. "Ich glaube, dass Bastian Schweinsteiger einfach enttäuscht war", sagte er. Man könne ja nicht einfach neben den Münchnern herlaufen, "dann gewinnen sie 4:0 und alle sagen, was sie für einen tollen Fußball spielen".

FCN-Kapitän Raphael Schäfer, der kurz vor Spielende mit Thomas Müller aneinandergeriet, sagte: "Wenn man irgendwann keine Mittel mehr hat, ist es immer einfach, sich hinzustellen und zu sagen: 'Sie provozieren.'" Doch auch in einem derartigen Fall müsse man "als Millionentruppe die Mittel finden, das Spiel zu gewinnen, vor allem in Überzahl".

Manuel Neuer, der beim Ausgleichstreffer durch Markus Feulner (46.) nicht gut ausgesehen hatte, konnte der Spielweise der Nürnberger nichts abgewinnen: "Wir hatten nach 20, 25 Minuten keinen Spielfluss mehr, weil es sehr viele Fouls gab. Unser Spiel wurde in manchen Situationen kaputtgefoult."

In der Tabelle stehen die Bayern weiterhin an der Spitze, 31 Punkte hat das Team von Trainer Jupp Heynckes nun auf dem Konto. Der erste Verfolger, Schalke, konnte den Patzer nicht nutzen. Gegen Leverkusen verlor der Club 0:2 (0:1) - und liegt nun punktgleich mit Frankfurt (beide 23 Zähler) auf dem zweiten Platz. Nürnberg ist dank des Punktes auf den 14. Platz vorgerückt.

Coach Heynckes machte vor allem die Länderspielpause unter der Woche für den Punktverlust verantwortlich. Ein zielgerichtetes Training sei dadurch nicht möglich gewesen. Heynckes musste einige Verletzte und Angeschlagene ersetzen, so waren etwa Arjen Robben, Franck Ribéry, Luiz Gustavo gar nicht erst mit nach Nürnberg gefahren. Deshalb war der 67-Jährige auch nicht allzu enttäuscht über das Ergebnis: "Wir können damit gut leben."

1. FC Nürnberg - Bayern München 1:1 (0:1)
0:1 Mandzukic (3.)
1:1 Feulner (46.)
Nürnberg: Raphael Schäfer - Chandler, Nilsson, Klose, Pinola - Simons - Feulner, Frantz (66. Esswein) - Kiyotake (80. Korczowski), Gebhart - Polter (89. Plattenhardt)
München: Neuer - Rafinha (62. Lahm), van Buyten, Dante, Alaba - Timoschtschuk (53. Martínez), Schweinsteiger - Thomas Müller, Toni Kroos, Shaqiri - Mandzukic (77. Pizarro)
Schiedsrichter: Gräfe
Zuschauer: 50.000 (ausverkauft)
Gelb-Rote Karte: Gebhart wegen wiederholten Foulspiels (76.)
Gelbe Karten: Chandler (3), Polter (2) - Toni Kroos, Schweinsteiger (3)

bka/dpa/sid