Bayerns Remis gegen Schalke Der Guardiola-Schreck

73 Minuten lang spielte Schalke gegen die Bayern in Überzahl - und feierte am Ende das Unentschieden. S04-Trainer Roberto di Matteo war zufrieden: Im Privatduell mit Josep Guardiola bleibt er ungeschlagen. Alles Wichtige zum Top-Spiel.

Schalke-Trainer Di Matteo (r.): Positive Bilanz gegen Guardiola
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Schalke-Trainer Di Matteo (r.): Positive Bilanz gegen Guardiola

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Ausgangslage: Der Meister deklassiert! Vom ersten Verfolger! Das 1:4 zum Rückrundenauftakt in Wolfsburg sorgte zwar nicht für Panik bei den Münchnern, es mahnte sie aber zur Vorsicht. Trainer Josep Guardiola warnte, seine Elf könne dasselbe Schicksal erleiden wie der Krisen-BVB ("Das kann uns auch passieren, das müssen wir alle kapieren.") Zur Erinnerung: Nach der Pleite gegen den VfL betrug der Vorsprung auf Platz zwei acht Punkte. Im Heimspiel gegen den FC Schalke 04 waren drei Punkte jedenfalls fest eingeplant.

Ergebnis: 1:1 (0:0). Arjen Robben (67. Minute) traf für Bayern, Benedikt Höwedes (72.) glich für Schalke aus. Auch nicht ganz unwichtig: Verfolger Wolfsburg spielte 1:1 (0:0) in Frankfurt.

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Bundesliga: Bayern verliert Boateng und Punkte
Duell des Spiels: Roberto di Matteo gegen Josep Guardiola, oder: Die dunkle Seite der Macht gegen die helle. Beide trafen vor drei Jahren im Halbfinale der Champions League aufeinander. Guardiola damals als Trainer des FC Barcelona, sein Gegenüber als Coach des FC Chelsea. Chelsea setzte sich dank einer pragmatischen Spielweise (Euphemismus!) durch (Hinspiel: 1:0, Rückspiel: 2:2) und gewann später das Finale gegen den FC Bayern in ganz ähnlicher Manier. Seitdem gilt der eine (di Matteo) als eine Art Fußball-Misanthrop, während der andere seit jeher für die Ästhetik des Spiels steht.

Trainer Guardiola (r.), di Matteo, 2012: Selbe Frisur, verschiedener Fußball
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Trainer Guardiola (r.), di Matteo, 2012: Selbe Frisur, verschiedener Fußball

Die erste Hälfte: Half nicht gerade, die Vorurteile gegenüber di Matteo zu entkräften. Dass sich Schalke in einem tiefen 5-3-2 formierte und vor allem kein Gegentor fangen wollte - nachvollziehbar. Dass jedoch auch nach dem Platzverweis gegen die Bayern - dazu später mehr - kaum versucht wurde, Bälle zu gewinnen, geschweige denn offensiver zu spielen, sorgte bei manchem Zuschauer für Stirnrunzeln. Symbolcharakter besaß die Szene in der Nachspielzeit, als sich Sidney Sam bei der Ausführung eines Eckballs so viel Zeit ließ, dass Schiedsrichter Bastian Dankert kurzerhand kopfschüttelnd zur Pause pfiff.

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Wiederholungstäter des Spiels: Die 17. Minute. Bayern kontrolliert bislang die Partie und nähert sich dem Führungstreffer an. Ein langer Ball stellt dann alles auf den Kopf: David Alaba springt vor dem eigenen Strafraum am Ball vorbei, auch Jérôme Boateng verfehlt die Kugel, tritt aber nicht ins Leere. Er trifft Sidney Sam. Letzter Mann, Rote Karte, Elfmeter. Für Boateng war es der fünfte Platzverweis seiner Bundesligakarriere. Dabei hatte er gerade (zu Recht) sein Image als Risikofaktor abgelegt.

Fehlschuss des Spiels: Stammte von Eric Maxim Choupo-Moting, der sich anschickte, den Elfmeter zu verwandeln, aber viel zu ungenau zielte. "Letzten Endes war es wahrscheinlich zu lässig geschossen", sagte er hinterher, und: "Wenn man den Spielverlauf betrachtet, ist es etwas ärgerlich." Ein Meister der Untertreibung. Es wird in dieser Saison nicht viele schlechter getretene Strafstöße geben.

Schütze Choupo-Moting (M.): "Etwas ärgerlich"
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Schütze Choupo-Moting (M.): "Etwas ärgerlich"

Die zweite Hälfte: Schalke riskierte weiter wenig, ein Punktgewinn in München sollte es sein. Wurde es auch. Zwar gingen die Bayern, die die Partie auch in Unterzahl dominierten, durch Robbens Kopfball (!) nach einer Ecke Xabi Alonsos in Führung. Höwedes glich aus, ebenfalls per Kopf nach einer Ecke.

Szene des Spiels: Die 66. Minute. Der eingewechselte Robert Lewandowski versucht einen Ball im Spiel zu halten, der ins Toraus zu rollen droht. Lewandowski gelingt es, ihn von der Linie zu kratzen; vom Bein des Schalker Verteidigers Atsuto Uchida prallt der Ball dann ins Tor. Der Jubel der Münchner wird jäh unterbrochen, das Schiedsrichtergespann entscheidet nicht auf Treffer, sondern auf Eckball. Tendenz: Fehlentscheidung. Die anschließende Hereingabe führte zum 1:0.

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Bayern in der Einzelkritik: Alonso und der deutsche Winter
Debütant des Spiels, I: Erstmals in dieser Saison stand er in einem Bundesligaspiel in der Startelf der Bayern: Mitchell Weiser. Wie sich der 20 Jahre alte Rechtsaußen gegen Schalkes Christian Fuchs behauptete, war beeindruckend. Noch besser war sein Zusammenspiel mit Robben. Das ungenaue Flanken sollte er sich zwar schnell abgewöhnen, seinem Trainer dürfte das nicht gefallen. Dennoch könnte die Partie für Weiser, der in München bereits gescheitert schien, der Durchbruch gewesen sein.

Debütant des Spiels, II: Heißt Timon Wellenreuther. Wenn Ihnen der Name etwas sagt, sind Sie vermutlich Schalke-Ultra oder Insider beim Karlsruher SC. Zu Beginn der zweiten Hälfte kam Wellenreuther, dessen Vater Präsident des KSC ist, für den angeschlagenen Fabian Giefer in die Partie. Für den 19 Jahre alten Keeper war es das erste Bundesligaspiel.

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Schalke in der Einzelkritik: Hinten hui, vorne pfui
Erkenntnis des Spiels: Roberto di Matteos Art, Fußball spielen zu lassen, wird wohl nie die Herzen der neutralen Zuschauer gewinnen. Muss sie auch nicht. Denn gegen von Josep Guardiola trainierte Mannschaften scheint sie zu funktionieren. Auch wenn es dafür mitunter eine 73-minütige Überzahlphase braucht.

Bayern München - Schalke 04 1:1 (0:0)
1:0 Robben (67.)
1:1 Höwedes (72.)
München: Neuer - Weiser (88. Rode), Jérôme Boateng, Benatia, Alaba - Alonso, Schweinsteiger - Robben, Götze (27. Dante), Bernat - Thomas Müller (55. Lewandowski).
Schalke: Giefer (46. Wellenreuther) - Uchida, Höwedes, Matip, Nastasic, Fuchs - Kevin-Prince Boateng (87. Barnetta), Neustädter, Meyer - Sam (77. Leroy Sane), Choupo-Moting
Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)
Rote Karte: Jérôme Boateng (Notbremse/17.)
Gelbe Karten: Benatia (3), Weiser, Schweinsteiger (2) - Höwedes (3)
Besonderes Vorkommnis: Neuer hält Foulelfmeter von Choupo-Moting (18.)

insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
benjorito 04.02.2015
1.
Merkwürdig, kein Wort über das Verhalten des Herrn Guardiola, der gefühlt mehr Zeit außerhalb der Coachingzone verbringt als darinnen? Was hat der Mensch auf der Torauslinie zu suchen? Und das bleibt ohne jede Konsequenz, im Übrigen wie seinerzeit das Befummeln der Frau Steinhaus? Narrenfreiheit nenne ich das, jeder andere Trainer wäre längst auf der Tribüne gelandet.
suhlerin 04.02.2015
2. Und nun bin ich gespannt
wieviele Spiele der Boateng gesperrt wird.
c218605 04.02.2015
3. Eselsbank
Zitat von benjoritoMerkwürdig, kein Wort über das Verhalten des Herrn Guardiola, der gefühlt mehr Zeit außerhalb der Coachingzone verbringt als darinnen? Was hat der Mensch auf der Torauslinie zu suchen? Und das bleibt ohne jede Konsequenz, im Übrigen wie seinerzeit das Befummeln der Frau Steinhaus? Narrenfreiheit nenne ich das, jeder andere Trainer wäre längst auf der Tribüne gelandet.
muss nur der wer sich zusaetzlich wie eine wildsau vor einem der unparteiischen auffuehrt. Klopp(en) muss es also schon mindestens sein.
hafnafjoerdur 04.02.2015
4. Mal nachdenken
Zitat von benjoritoMerkwürdig, kein Wort über das Verhalten des Herrn Guardiola, der gefühlt mehr Zeit außerhalb der Coachingzone verbringt als darinnen? Was hat der Mensch auf der Torauslinie zu suchen? Und das bleibt ohne jede Konsequenz, im Übrigen wie seinerzeit das Befummeln der Frau Steinhaus? Narrenfreiheit nenne ich das, jeder andere Trainer wäre längst auf der Tribüne gelandet.
Vielleicht liegt das daran, dass Guardiola zwar emotional, aber höflich und fair bleibt, während insbesondere der Kollege aus Dortmund zähnefletschend und tobend jede kleinste Entscheidung begleitet. Wie nennen Sie denn übrigens die seltsame Schiedsrichterleistung - damit meine ich nicht die korrekte Hinausstellung von Boateng, aber 1. die Szene, die dazu geführt hat (Foul an Müller - nicht gepfiffen, Ball kommt zu Bernat, drei Meter vor dem Tor wegen falschem Abseits zurück gepfiffen, der Freistoß führte unmittelbar zum Elfmeter), 2. das nicht gegebene Tor (glücklicherweise traf Bayern aus der resultierenden Ecke), 3. die vollkommen ungleiche Kartenverteilung, 4. die Tatsache, dass trotz permanenter Spielverzögerung seitens Schalke mit Ablauf der 90 Minuten sofort abgepfiffen wurde.
TwoSuns 04.02.2015
5.
Unklar im Artikel: "Die dunkle Seite der Macht gegen die helle". Habe ich SPON richtig verstanden? Mit "dunkel" meinen Sie bestimmt den Pep, mit seinen dubiosen Katar-Verknüpfungen, seiner Freundschaft und Nähe zu einem verurteilten Steuerbetrüger und seinen wiederholten Handgreiflichkeiten gegenüber Schiedsrichtern? Das können Sie ruhig deutlicher sagen, nur Mut!
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