Schalker Fehlstart Die Keller-Geister spuken schon wieder

Aus im Pokal, Auftaktpleite in der Liga: Der Saisonstart ist Schalke gründlich misslungen. Auch wenn Spieler und Manager die Diskussion um den Trainer partout vermeiden wollen - Jens Keller steht schon wieder in der Kritik.

AFP

Aus Hannover berichtet


Aus dem eben noch so glücklichen Weltmeister ist schon wieder ein ziemlich ernster Mann geworden. "Unnötige Ballverluste, nicht nachgeschoben, zu egoistisch" - die Mängelliste, die der frustrierte Benedikt Höwedes nach dem missglückten Saisonstart von Schalke 04 aufstellte, war von beeindruckender Länge. Dem Kapitän eines Teams, das den deutschen Fußball in der Champions League würdig vertreten soll, aber im nationalen Alltag große Probleme offenbart, war der Ernst der Lage schnell klar.

Weil Schalke eine Woche nach dem peinlichen Pokal-Aus bei Drittligist Dynamo Dresden (1:2) auch das erste Saisonspiel bei Hannover 96 1:2 (0:0) verloren hat, gehen die Mäkeleien an Cheftrainer Jens Keller in die nächste Runde. "Ich werde hier nicht den Trainer schlecht reden. Und wir brauchen auch nicht alles schwarz zu sehen", versuchte Höwedes nach der Pleite in Hannover, die Wogen zu glätten.

Sie hatten 1:0 geführt und eigentlich ganz solide gespielt. Doch nach dem Führungstreffer durch Klaas-Jan Huntelaar (47. Minute) ließ Schalke den letzten Elan vermissen. In der Schlussphase fehlte zudem die nötige Cleverness.

Boateng als Sündenbock ausgemacht

Vor allem Mittelfeldspieler Kevin-Prince Boateng geriet heftig in die Kritik. Er hatte in einer Schlüsselszene der Partie ein Laufduell mit Hannovers Leonardo Bittencourt verloren und bei dessen Vorbereitung für das zwischenzeitliche 1:1 (67.) durch Edgar Prib auf ein taktisches Foul verzichtet. Keller nahm den gescholtenen Spieler nur bedingt in Schutz und war insgesamt äußerst sauer auf seine Mannschaft. "Wir haben individuelle Fehler gemacht und die falschen Entscheidungen getroffen", sagte der Schalker Coach, zu dessen Schutz wieder die üblichen Statements notwendig werden.

"Eine Trainerdebatte wird bei uns nicht geführt", sagte Sportvorstand Horst Heldt, der nach der Pleite in Hannover sofort mit bohrenden Fragen zur Zukunft von Keller konfrontiert wurde. Dass mit Thomas Tuchel ein vielgefragter Trainer derzeit ohne Beschäftigung ist, macht die Sache nicht angenehmer für Keller.

Das Beste aus der Bundesliga-Konferenz
Bei der Aufarbeitung des Schalker Dilemmas spielten allerdings nicht nur die Schwächen des Teams, sondern auch die erstaunlichen Stärken des Siegers eine zentrale Rolle. Im Siegtreffer des Spaniers Joselu, der bisher teuerste Zugang in der Vereinsgeschichte von Hannover 96 (Fünf Millionen Euro), lagen eine imposante Wucht und Entschlossenheit. Der 24-jährige Spanier war angesichts seiner hohen Einsatzbereitschaft und eines sehenswerten Distanzschusses zum 2:1 (70.) der überragende Mann auf dem Platz. "Er hat die Klasse und das nötige Selbstbewusstsein für solche Tore", sagte Hannovers Sportdirektor Dirk Dufner zufrieden.

Hannover war das entschlossenere Team

Der unter seiner Regie durchgeführte Umbruch mit immerhin zehn Zugängen birgt große Risiken. Doch die 49.000 Zuschauer im Stadion staunten über Hannovers neue Mischung aus Spielwitz, taktischem Verständnis und leidenschaftlichem Kampf. Mit Cheftrainer Tayfun Korkut soll Hannover wieder zu den führenden Teams der Liga aufschließen. Eine ernüchterte Branchengröße wie Schalke 04 musste im Duell mit den aufmüpfigen Hannoveranern bereits klein beigeben.

In der Schlussphase der hart umkämpften Partie ging es um Nuancen, die über Sieg oder Niederlage entschieden. Hannover präsentierte sich im Vergleich mit Schalke als das angriffslustigere und entschlossenere Team. Der Chilene Miiko Albornoz, Torschütze Prib, Vorbereiter Bittencourt und vor allem Joselu zeigten, dass mit 96 in dieser Saison zu rechnen sein dürfte.

"Die Brust wird ein bisschen breiter. Ein solcher Sieg fühlt sich einfach richtig gut an", sagte Mittelfeldspieler Prib. Er hatte sich zu Beginn der Partie so manchen leichtsinnigen Fehler geleistet, war dann aber zum Kämpfen bereit und gehörte zu den auffälligsten Spielern. Er füllte bei Hannover jene Rolle im Zentrum hinter dem Sturm aus, die auf Schalker Seite eigentlich Julian Draxler übernehmen soll. Der Nationalspieler und Weltmeister hatte in Hannover einen wirklich guten Pass gespielt, der auch prompt das Führungstor für den Gast ermöglichte. Der Rest seiner Bemühungen jedoch fiel nicht entschlossen genug aus.

Wie so mancher Nationalspieler war Draxler nach dem WM-Triumph erst spät wieder ins das Vereinstraining eingestiegen und scheint noch auf der Suche nach Form und Fitness zu sein. Als die Schalker Fans in den letzten 20 Minuten der Partie auf eine Schlussoffensive und den Ausgleich hofften, fehlte der Ausnahmekönner auf dem Platz. Keller hatte den eher harmlos agierenden Draxler in der 73. Minute ausgewechselt.

In der kommenden Woche feiern die Schalker ihre Heimpremiere gegen Bayern München, danach geht es zu Borussia Mönchengladbach. Jens Keller findet einfach keine Ruhe.



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
Karbonator 23.08.2014
1.
Ja, Keller steht bereits in der Kritik: In der Kritik der Medien. Wenn die Männer von jedem Journalisten gefragt werden, ob jetzt wieder Trainerdiskussion anfängt, und immer wieder betonen, daß das nicht der Fall ist... was sollen sie sonst machen, daß die Medien diese Diskussion einstellen und den Schalkern mal ein bißchen Ruhe gönnen? Ich mag weder Keller noch Schalke noch Heldt... aber was schon seit letzter Saison mit dem armen Keller getrieben wird, ist einfach armselig. Von daher sollten die Medien einfach mal Ruhe geben. Mal schauen, wie schnell die "Kritik" dann (vorerst) verstummt.
spon-1266839099339 24.08.2014
2. Holt den Messias zurück
Magath wird doch in Kürze wieder frei. Der hat den Verein doch fast schon zum Meister gemacht. Holt ihn wieder zurück auf Schalke, der passt super dahin. Bestimmt gibts schon Verhandlungen???!
xxticoxx 24.08.2014
3. Das kann nicht sein...
...,dass nach dem ersten Tag schon die Trainerfrage gestellt wird. Klar...Pokalaus ist schon bitter...aber auswärts kann und darf man auch mal in Hannover verlieren.
albart12 24.08.2014
4. typisches schalkersyndrom
erst machen sie das Tor, dann ist der drang nach einem Sieg erloschen. die sollten mich einstellen. ich weiss wenigstens warum die verlieren.
odins_krautsalat 24.08.2014
5.
Wenn Hannover 96 weiterhin so spielt (wie gegen Schalke 04) sollte dem selbst gesteckten Ziel (1-stelliger Tabellenplatz) nichts im Wege stehen. Mein Tipp: Hannover landet am Ende auf Platz 7 oder 8. Gönnen würde ich ihnen aber auch Platz 5 bzw. 6.
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