Bayern-Boss Rummenigge poltert auf exklusivem Bundesligatreffen "Sie haben uns den Fehdehandschuh hingeworfen"

Ein Erstligaquartett will die TV-Gelder in der Bundesliga gleichmäßiger verteilen – zugunsten der kleineren Vereine. Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern sieht darin einen Bruch des Solidarpakts.
Bayerns Klubchef Karl-Heinz Rummenigge

Bayerns Klubchef Karl-Heinz Rummenigge

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Arne Dedert / dpa

Karl-Heinz Rummenigge hat die umstrittene "G15"-Versammlung im Profifußball zu harschen Worten an die vier nicht eingeladenen Bundesligaklubs genutzt.

"Wir haben ausdrücklich beschlossen, dass der Kompetenzbereich beim DFL-Präsidium liegt. Ich glaube, wir sind gut beraten, keine Impulspapiere durch die Republik zu schicken, was bei anderen Klubs passiert ist", sagte der Boss des FC Bayern München in Frankfurt am Main mit Blick auf das Vorgehen der vier Erstligisten FSV Mainz 05, VfB Stuttgart, Arminia Bielefeld und FC Augsburg sowie von zehn Zweitligisten. Diese hatten sich für einen neuen Verteilerschlüssel bei den TV-Geldern ausgesprochen.

Diese vier Klubs würden Druck auf das Präsidium der Deutschen Fußball Liga machen, um eine Veränderung in der Geldverteilung zu erreichen. "Wir wollen das nicht", sagte Rummenigge. "Die vier Bundesligisten und die zehn Zweitligisten haben uns den Fehdehandschuh hingeworfen." Laut Rummenigge sei der "Solidarpakt" der Liga mit dem Vorschlag der gleichmäßigeren Verteilung der TV-Gelder zugunsten kleinerer Vereine gebrochen worden.

Die ausgeschlossenen Vereine hatten die exklusive Zusammenkunft zuvor ebenso als unsolidarisch kritisiert. Stimmen aus den Klubs werfen den "G15" vor, die Meinungshoheit in der Öffentlichkeit gewinnen zu wollen. Zudem werde die zu Beginn der Coronakrise propagierte Solidarität durch die elitäre Zusammenkunft konterkariert.

Wofür noch eine Taskforce?

Normalerweise beraten sich die Erst- und Zweitligisten in kompletter Besetzung bei ihren DFL-Mitgliederversammlungen. Zu der ursprünglich geheimen Sitzung im Airport Club waren Spitzenfunktionäre von 14 Fußball-Erstligisten und des Hamburger SV geladen, nicht aber DFB- oder DFL-Vertreter sowie das Quartett mit Mainz, Augsburg, Stuttgart und Bielefeld. Dies hatte im Vorfeld für Unmut gesorgt. Die künftige Verteilung der Medieneinnahmen ist schon lange Streitthema im Profifußball. Die Vereine unterhalb der Spitzenklubs sowie Fanorganisationen plädieren für mehr Chancengleichheit.

Bei der Verteilung der Einnahmen aus den Medienverträgen von der Spielzeit 2021/2022 an geht es um 4,4 Milliarden Euro aus den nationalen Medienerlösen, die bis nach Ende der Saison 2024/2025 unter den 36 Profiklubs aufgeteilt werden.

Nach dpa-Informationen ist dazu am 7. Dezember eine DFL-Mitgliederversammlung geplant, die Entscheidung trifft aber das neunköpfige DFL-Präsidium. Jan-Christian Dreesen, Vorstandsmitglied des FC Bayern, sitzt dort als einziger Vertreter eines Spitzenklubs.

Zuletzt hatte das DFL-Präsidium zudem die "Taskforce Zukunft Profifußball " mit 35 Experten und Expertinnen aus verschiedenen Lebensbereichen gegründet – diese hat unter anderem das Ziel, Gerechtigkeitsthemen anzuschieben. Nun scheinen die Bundesligaklubs dieser Taskforce allerdings zuvorkommen zu wollen. Gleichzeitig sagte Rummenigge aber auch, dass man das Thema TV-Einnahmen "gar nicht groß diskutiert habe". Weitere Themen seien die Nachfolge von Christian Seifert und die Krise beim DFB gewesen.

"Frankfurter Kreis" will auch in Zukunft tagen

Diskussionen über die Verteilung der Medieneinnahmen sind im Corona-Jahr besonders aktuell – zum ersten Mal seit langer Zeit sinken die Einnahmen aus dem TV-Geschäft. "Wir haben leider eine Problematik, dass wir rund 200 Millionen Euro weniger Einnahmen national und knapp 100 Millionen weniger internationale Einnahmen haben. Das heißt, zum ersten Mal seit langer, langer Zeit werden alle 36 Klubs weniger in der Tüte haben", sagte Rummenigge über die TV-Einnahmen der Bundesliga.

Allerdings macht das wirtschaftliche Ungleichgewicht zwischen Spitzenklubs wie dem FC Bayern und dem Rest der ersten und zweiten Liga nicht zuletzt die Gelder aus der Champions League aus. In der abgelaufenen Spielzeit haben die Münchner durch ihren Champions-League-Sieg über 130 Millionen Euro aus dem TV-Geschäft der Uefa verdient.

Der "Frankfurter Kreis" wurde von Rummenigge und den weiteren Spitzenklubs Borussia Dortmund, RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen initiiert. Der Bayern-Boss sprach von einem "sehr guten Meeting". Man sei immer bereit, diese Gruppe zu vergrößern, sagte Rummenigge. Damit scheint auch klar, dass es in Zukunft weitere Zusammenkünfte geben dürfte.

jan/dpa/sid
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