Gedicht zum Bundesliga-Spieltag Vom Leiden der Trainer

An diesem Spieltag erhob sich ein großes Wehklagen unter den Bundesligatrainern. Für unseren Dichter am Ball Anlass, Verständnis für die zeternden Verantwortlichen von München bis Gelsenkirchen zu finden.

Huub knurrt
REUTERS

Huub knurrt


Auch die Trainer haben Herzen
Unter einer dünnen Haut.
Auch die Trainer spüren Schmerzen,
Wenn das Leben sie verhaut.

Stevens' Huub muss Schalke retten,
Kovac braucht die Meisterschaft,
Die so manche gerne hätten,
Etwa Dortmund. Doch an Kraft
Lässt's der BVB vermissen,
Wie der Trainer so sein Team:
Druck, ließ Lucien nun wissen,
Laste schwer auf Favre, ihm.

Weil Erwartung ungeduldig
Wie ein Sturm um Ohren weht:
Immer sei der Trainer schuldig,
Wenn ein Spiel verloren geht!
Und auch Kovac hat zum Blasen
Just dasselbe Horn genommen:
Trainer seien arme Hasen,
Weil sie alles abbekommen!

Und weil auch zu Stevens Schnurren
Jenes große Knurren zählt,
Jenes tiefe Weltenmurren,
Das der Welt an Huub gefällt,
Und auch Gladbachs Dieter Hecking
Nach dem Spiel ein Interview
Wütend abbrach und dann wegging,
Finde ich und findest du:

Gut, dass Trainer das mal sagen!
Arm wär, wer sie schweigen lässt.
Auch zu Reiche sollen klagen,
Wenn das Geld sie leiden lässt.



insgesamt 11 Beiträge
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blinblin 08.04.2019
1.
Dem ist tatsächlich so. Wenn Kovac sich darüber echauffiert, dass nur noch Nebensächlichkeiten im Zentrum des Interesses stehen, dann hat er zwar einerseits recht, übersieht dabei aber Folgendes: Die irrwitzigen Gehälter, die er und seine Spieler kassieren, beruhen in erster Linie auf dem überdrehten Medien- und dementsprechend auch Werbeinteresse an diesem Sport - UND dem Drumherum. Es ist eben nicht mehr nur Sport, sondern Teil der Unterhaltungsindustrie. Begonnen hat das in Deutschland mit dem Einsteigen der Privatsender in diesen Sektor (von der ARD-Sportschau zu SAT1-RAN), als man das Format am Samstagabend aufblähte und sich auf all diese Nebensächlichkeiten zu konzentrieren begann - im Gleichschritt mit den immer häufiger werdenden Werbeunterbrechungen. Wenn Kovac sich eine Rückbesinnung auf das Wesentliche wünscht, hätte das für ihn in erster Linie eklatante Einkommenseinbußen zur Folge, über die er kaum glücklich wäre. Denn das hieße Fußball bis zu einem gewissen Grade aus dem Showbusiness heraus- und in den Bereich des Sports zurückzuführen. Ich bin jemand, der sich irgendwann mal in der SAT1-Ran-Phase ausgeklinkt hat, weil mir das alles zu blöde und die Lebenszeit für Werbung zu schade wurde. Wie alles hat aber auch das zwei Seiten: RAN hat uns sowohl Leute wie Reinhold Beckmann als auch Oliver Welke beschert...
barbierossa 08.04.2019
2. Auch mal schweigen lassen können...
Amüsantes Gedicht. Und darüber hinaus auch noch partiell zutreffend. Besonders diese späten Zeilen ernteten bei mir ein Nicken: "Finde ich und findest du: Gut, dass Trainer das mal sagen! Arm wär, wer sie schweigen lässt." Als Huub Stevens nach dem Spiel dem Reporter eher nicht so freundlich die - wie immer saublöden - Fragen beantwortete, bzw. sie zu beantworten sich weigerte, war das für mich der Höhepunkt der "Berichterstattung" über das Spiel. Denn die Qualität dieser Reporter-Nachfragen mit ihren investigativen Höhepunkten a la "Wie hat es sich angefühlt?" oder "Kann man sagen , dass...?!" ist derart unterirdisch, dass sie vom Fremdschämfaktor locker jedes nachmittägliche Unterschichten-Reality-Dramolett toppen. Man kann sich diese strunzdoofen Fragen kurz nach dem Spiel an noch nachschwitzende Spieler und Trainer, die nun wirklich Anderes zu tun hätten, als zweckfrei Sendezeit zu füllen, inzwischen nicht mehr anhören. Laßt diese Nachfragerei kurz nach dem Spiel sein, es sei denn, da wäre wirklich mal ein Spieler, der von sich aus etwas sagen möchte. Oder es sollten doch mal Kollegen von der Privat-Konkurrenz ran, falls es allein an der Qualität der vor Ort geschickten Journalisten aus öffentlich-rechtlichem Hause mangeln sollte. So aber muß man weiter darauf hoffen, dass irgendwann mal einer der offenkundig zu diesen Kurz-Interviews vertraglich gezwungenen Spieler und Trainer mal auf die vermutlich drohende Geldbuße scheißt und sich schlicht weigert mal, dumm-dreist-dämliche Fragen zu beantworten. Nach dem Schema: "Darauf antworte ich nicht, stellen Sie bitte eine interessantere Frage!"
Braveheart Jr. 08.04.2019
3. Ach, was habt ihr schön gedichtet ...
... über Trainers' Seelenleid. Hier und da war's zwar recht holprig, doch das ist der Zug der Zeit. Ja, ein Trainer muß viel leiden in der großen Fußballwelt. Wann jetzt nennt ihr die Entlohnung die ihm zusteht ... Schmerzensgeld?!
jueho47 08.04.2019
4. Korrekt
@blinblin Wahre Worte. So ist es.
inspirol 08.04.2019
5. Lieber Barbierossa
Da auch hin und wieder ein Interview zu führen habe, bin ich um jeden Hinweis dankbar wie die Fragen ihrer Meinung nach lauten müssten damit sie nicht mit ja oder nein beantwortet werden können. Sinn ist es doch mehr zu erfahren. Stevens gefällt sich in der Rolle des Info-Verweigerers und hält das auch noch für besonders klug. Er füttert sein Ego mit der Rolle des Knurrers aus. In Wirklichkeit ist er äußerst empfindlich und unsicher und braucht diese Attitüde um das zu verbergen.
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