Glückstabelle der Bundesliga Wo Werder und der HSV Meister sind

Dusel? Von wegen! Keine Mannschaft hatte in dieser Saison mehr Pech als der FC Bayern. Und das ist nicht die einzige Überraschung im großen Bundesliga-Glücksranking von SPIEGEL ONLINE.

imago/ Jan Huebner

Kennen Sie den Bayern-Dusel? Der Begriff wabert seit den Siebzigerjahren durch deutsche Medien, er hat sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Das Prinzip dahinter: Wenn die 90. Minute naht, schlägt die Stunde von Bayern München. Ganz gleich, wie gut oder schlecht sie auch gespielt haben, wenn's gilt, ist den Bayern das Glück hold.

Glück und Pech, mit diesen Begriffen erklärt man seit jeher Sportergebnisse. Sie sind deshalb so beliebt, weil sie einfache Erklärungen anbieten für ein komplexes Spiel. Auch die Fußballer selbst sprechen von glücklichen Siegen und verdienten Niederlagen; legendär ist der Spruch des Ex-Bayern-Profis Jürgen Wegmann: "Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu".


Revierderby Schalke vs. Dortmund: Glückauf!
    Am Samstag kommt es in der Bundesliga zum Revierderby zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund. Auf Schalke ist Glück mehr als nur ein Begriff. Der Klub, der Geschichte nach gegründet von Kumpeln und Malochern, hat sich den Gruß der Zeche auf die Fahnen geschrieben. "Glück auf!", steht rund um den FC Schalke überall, wo Platz dafür ist. Dabei spielt Glück auch auf dem Platz eine große Rolle - vor allem gegen den BVB.

    Das Glück soll mit den Tüchtigen sein, so heißt es. Die Derbygeschichte zeigt: Das ist nicht immer so. Dramatische Siege und bittere Gegentore - der Überblick in Bildern.
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    Revierderby Schalke vs. Dortmund: Glückauf!

Aber was passiert, wenn man die Kategorien ernst nimmt? Gemeinsam mit dem Institut für Spielanalyse und der TU München haben wir versucht, uns Glück und Pech anzunähern.

Am Anfang stand die Frage: Was ist Glück? Wo verläuft die Grenze zum Können? Endgültig lässt sich das nicht beantworten. Oft vereinen Treffer beides, etwa eine gekonnte Ballannahme samt glücklichem Abschluss. Um sauber arbeiten zu können, haben wir Kriterien festgelegt. Wir sprechen von Glück beziehungsweise Pech bei:

  • Torschüssen, bei denen Pfosten oder Latte darüber mitentscheiden, ob der Ball im Tor landet oder nicht.
  • Toren, denen eindeutige Fehlentscheidungen (zum Beispiel ein Handspiel oder Abseits) unmittelbar vorausgehen.
  • Umgekehrt haben wir auch Szenen einbezogen, bei denen es aufgrund von Fehlentscheidungen nicht zu einer klaren Torchance kam.
  • Großchancen, die vergeben werden. Mannschaft A läuft fünfmal frei aufs gegnerische Tor zu, trifft aber nicht? Glück für Mannschaft B!

Auf diese Kriterien hin haben wir sämtliche 20.250 Minuten der bisherigen Bundesligasaison untersucht. Herausgekommen sind mehrere Hundert Szenen, bei denen Glück und Pech eine wichtige Rolle spielten. Und eine Tabelle. Eine, die nicht das beste Team zeigt, sondern das glücklichste.

Das Glücksranking der Bundesliga


Und so geht's: Neben dem Teamnamen steht die Gesamtzahl der Glückspunkte, die eine Mannschaft gesammelt hat. Mit einem Klick aufs Plus-Symbol öffnet sich die Glücks- und Pech-Übersicht eines Klubs. Mit einem Klick aufs Plus-Zeichen unter "Alle Spieltage" finden Sie für jedes Saisonspiel die Glückspunkte beider Gegner. So erfahren Sie stets, ob ein Ergebnis verdient war oder glücklich.

Die Glückstabelle entkräftet den Mythos des Bayern-Dusels. Ja, die Münchner haben Spiele gewonnen, in denen sie nicht das bessere Team gewesen sind. Besonders gerne durch Last-Minute-Treffer. Noch viel öfter hatten sie aber Pech. Davon zeugen die 18 Schüsse, bei denen der Ball ans Aluminium sprang statt ins Tor. Das ist der Höchstwert aller Bundesligisten. Das bedeutet, dass der FC Bayern die Liga noch viel klarer anführen könnte.

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Was war für Sie der Pechmoment der Saison?

Die Tabelle zeigt auch, dass zwei Mannschaften wohl noch größere Abstiegssorgen hätten, wenn das Glück nicht regelmäßig auf ihrer Seite wäre. Der Hamburger SV und Werder Bremen teilen sich die Spitzenposition. Wenn man sämtliche Glücks- und Pechmomente gegenüberstellt, kommen beide Teams auf denselben Wert (+19).

Seinen krassesten Glücksfall erlebte der HSV am siebten Spieltag beim 0:0 in Mönchengladbach. Damals musste er 65 Minuten in Unterzahl spielen, dennoch überstand das Team einen Gladbacher Angriff nach dem anderen und sogar zwei Elfmeter. "Der Fußballgott stand auf unserer Seite", sagte der Mittelfeldspieler Lewis Holtby hinterher.

Diesen und weitere Pechmomente der Saison finden Sie hier - klicken Sie sich durch die Fotostrecke:

Fotostrecke

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Schwalbe, Handtor, Doppelpfosten: Die größten Pechmomente der Saison

Werder darf von sich behaupten, beim 2:1 in Wolfsburg einen der glücklichsten Siege dieser Saison eingefahren zu haben. Damals gewannen die Bremer trotz etlicher VfL-Großchancen, darunter zwei Pfostentreffer. Auch beim 1:1 in Leverkusen am vorvergangenen Spieltag punktete Werder mit Glück, als Ömer Toprak in Minute 90+6. einen Elfmeter verschoss.

Übrigens: Das einzige Team, das annähernd so viel Pech hatte wie der FC Bayern, ist Borussia Dortmund. Nur der BVB ist den Münchnern darin ebenbürtig, Großchancen zu vergeben. Das liefert auch einen Erklärungsansatz dafür, warum die Mannschaft von Thomas Tuchel aktuell nur Dritter hinter Leipzig ist. RB hatte bislang einfach mehr Glück. Vier Mal trafen Gegner der Leipziger ins eigene Netz. 40 Prozent aller Saison-Eigentore fielen damit zu Gunsten von RB.

  • Dieser Text ist Teil des Sportdatenprojekts, das SPIEGEL ONLINE gemeinsam mit der TU München und dem Institut für Spielanalyse betreibt. Es wird im Rahmen der Digitalen Nachrichten Initiative von Google gefördert.

Mitarbeit: Alexander Siebert



insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
ichmagsport 31.03.2017
1. Lächerlich
Wenn man Großchancen vergibt, ist das Unvermögen und kein Pech. Dortmund hatte das ganze Jahr die Schiedsrichter auf seiner Seite und hatte angeblich Pech... was für ein schwachsinn. Außerdem ist viel wichtiger, zu schauen, wie viele Punkte durch Pech liegen gelassen wurde. das ist viel entscheidender. Außerdem ist es natürlich Dusel, wenn ein Team in der Nachspielzeit noch ein Tor schießt. egal ob es berechtigt ist oder nicht. Diese alberne Glück-Pech-Tabelle widerlegt die Theorie des Bayerndusels nicht im Geringsten. Und wenn man schlussendlich 0 Punkte durch Fehlentscheidungen verliert, ist das ja wohl kein Pech. Außerdem macht es keinen Sinn, bei jeder vergebenen Großchance einen pechpunkt zu vergeben, da dortmund und bayern sich ja auch mehr chancen herausspielen. Das heißt, wenn man schon den völlig schwachsinnigen Punkt mit den Großchancen dazunimmt, müsste dies wenigstens prozentual geregelt sein. Insgesamt lässt sich zusammenfassen, dass diese Tabelle nicht im Geringsten repräsentativ ist.
LPS333 31.03.2017
2.
Wenn ein Stürmer der "Mannschaft A" aufs leere Tor der "Mannschaft B" schießt und dieses nicht trifft ist das nicht unbedingt mit "Glückspunkten für Mannschaft B" zu erklären sondern eher mit "Blödheitspunkten für Team A". Für mich war im übrigens der "Pechmoment" der Saison das Tor der Bayern in Berlin in der 96. oder 97. Minute. Warum hat SPON das eigentlich nicht mit auf der Liste?
hockeyer12 31.03.2017
3. Sehe ich ähnlich
Wenn eine Mannschaft Glasklare Chancen dilettantisch vergibt, ist das wirklich nicht in "Glück oder Pech einzuordnen. Da ist die eine Mannschaft halt schlicht unfähig. --- wenn der Schiedsrichter ungewöhnlich lange nachspielen lässt (Hertha - Bayern) --- Wenn der Schiedsrichter Mannschaft A spielentscheidend ungerechtfertigter Weise bevorteilt (EL Schalke - Gladbach - Gladbach- Schalke) -- Latten/Pfostenschüsse das sind Glückliche Momente für die bevorteilte Mannschaft...
Driver 31.03.2017
4. Dusel der Münchner
Meiner Meinung nach datiert der berühmte Bayern-Dusel eher aus einer Zeit als man zwar bereits die Liga dominierte, aber dies nicht gerade mit einem überzeugenden Ballbesitz- und Hochgeschwindigkeitsfussball wie seit einigen Jahren. Zu jenen Zeiten gab es häufig Spiele der Münchner, in denen sie schlecht spielten und in letzter Minute durch einen unverdienten Treffer doch noch gewannen. Damals sprach Uli Hoeness schon von "individueller Klasse" und "ein Spiel dauert so lange bis der Schiri abpfeift"... Heute haben die diesen Dusel ( Hertha Spiel ) auch noch, aber i.d.R. wegen der sehr dominanten Spielweise nur noch selten und auch nicht mehr nötig.
bub70 31.03.2017
5. Typisch
Ein Institut und die TU München versuchen hier, das Image der Bayern zu verbessern. Wird kaum gelingen. Außerdem sind die Parameter gänzlich so gewählt, dass das Wunschergebnis rauskommen musste...
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