HSV-Sieg gegen Hoffenheim Teamgeist statt Abstiegsgespenst

Das 2:1 gegen Hoffenheim bestätigte die Heimstärke des Hamburger SV. Doch der Aufschwung hat noch andere Gründe: Trainer Markus Gisdol hat den HSV zu einer Mannschaft gemacht.
Spieler des Hamburger SV

Spieler des Hamburger SV

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So richtig genießen konnte Julian Nagelsmann das Spiel der von ihm trainierten TSG 1899 Hoffenheim beim Hamburger SV natürlich nicht, seine Mannschaft verlor verdient 1:2, doch das Ambiente hatte es dem Trainer-Jüngling angetan. "Es ist schon etwas Schönes, so eine Stimmung zu erleben", sagte Nagelsmann.

Das Volksparkstadion hatte wieder einmal seine Wucht entfaltet an diesem herrlichen Fußballnachmittag. Nach den Treffern von Aaron Hunt in der 25. Minute per Freistoß und in der 75. Minute im Anschluss an eine hübsche Kombination über Lewis Holtby und Bobby Wood bebte der Beton, der Jubel der mehr als 50.000 HSV-Fans war vermutlich bis nach Bremen zu hören. Nach dem Schlusspfiff wurde auf den Rängen gesprungen und getanzt, als hätte der HSV gerade den Europapokal erreicht. Mindestens.

Ganz so weit ist es natürlich noch nicht. Die Hamburger sind immer noch in den Abstiegskampf verstrickt, aber immerhin sind sie auf einem guten Weg, diese Verstrickung zu lösen. Der Sieg gegen Hoffenheim beförderte sie auf den 13. Platz. Der Vorsprung auf den Relegationsrang beträgt vier Punkte. "Wer hätte gedacht, dass wir zu einem solchen Zeitpunkt in einer solchen Position sein würden?", fragte Vorstandschef Heribert Bruchhagen.

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Nun ja, in der Hinrunde hatte tatsächlich niemand mehr damit gerechnet, dass die Hamburger den Klassenerhalt schaffen könnten. Aus den ersten zehn Spielen holten sie mickrige zwei Punkte und schienen endgültig Kurs auf den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte zu nehmen, nachdem sie sich in den vergangenen Jahren immer wieder gerettet hatten, teilweise durch absurdes Glück.

Dass der HSV jetzt wieder bestens im Rennen um den Bundesliga-Verbleib liegt, hat viel mit der von Hoffenheims Trainer Nagelsmann bewunderten Atmosphäre im Volkspark zu tun. Die Hamburger sind vor eigenem Publikum eine Macht, haben seit dem 2:5 gegen Dortmund am zehnten Spieltag kein Ligaspiel mehr im heimischen Stadion verloren. Das 2:1 gegen Hoffenheim war der vierte Heimsieg nacheinander. Mit der Hilfe der eigenen Fans schlägt der HSV sogar Mannschaften, gegen die er eigentlich Außenseiter ist. Sogar die Bayern-Besieger aus Hoffenheim. "Gerade zu Hause gibt es viele Sachen, die uns noch einmal beflügeln", sagte Doppeltorschütze Hunt.

Es wäre allerdings verkürzt, den Aufschwung der Hamburger nur mit der Heimstärke zu erklären. "Wir haben insgesamt einen Entwicklungsschritt gemacht. Oder zwei. Oder drei", sagte Trainer Markus Gisdol. Und hatte recht damit. Auch in fremden Stadien hat die Mannschaft (neben einem 0:8 in München) ja ein paar ordentliche Ergebnisse eingefahren in den vergangenen Wochen. Die Entwicklung hat viel mit Gisdol selbst zu tun.

Neuer Gemeinsinn beim HSV

Ihm ist gelungen, woran seine Vorgänger in Hamburg immer wieder gescheitert sind. Er hat aus vielen Individualisten eine Mannschaft gemacht. "Es ist nicht so, dass Einzelspieler herausstechen. Jeder bringt sich voll ein. Wenn einer von uns einen schwächeren Tag hat, sind die acht oder neun anderen zur Stelle. Das macht uns stark", sagte Hunt. Gisdol sprach davon, dass Spieler, Vereinsmitarbeiter und Zuschauer in den vergangenen Monaten zu einer Einheit verschmolzen seien. "Das war die Basis, um überhaupt noch einmal ranzukommen", sagte er. Um überhaupt noch eine Chance zu haben im Abstiegskampf.

Der neue Gemeinsinn des HSV ermöglicht es sogar, wichtige Profis ohne große Probleme zu ersetzen. Der Ausfall von Top-Scorer Nicolai Müller (Außenbandriss) war gegen Hoffenheim nicht zu spüren, weil der in die Startelf zurückgekehrte Hunt ein starkes Spiel machte, nicht nur wegen seiner beiden Treffer. Im Tor erwies sich Christian Mathenia als zuverlässiger Vertreter von Stammkeeper René Adler, der wegen einer gebrochenen Rippe auch das Derby in Bremen verpassen wird. "Jeder einzelne ist gut, weil die Mannschaft gut ist", sagte Gisdol.

Weil die Mannschaft gut ist - das klingt so einfach, so selbstverständlich. Doch wenn beim HSV eines nicht selbstverständlich war in den vergangenen Jahren, dann eine funktionierende Mannschaft.

Hamburger SV - TSG Hoffenheim 2:1 (1:1)
1:0 Hunt (25.)
1:1 Kramaric (35. Foulelfmeter)
2:1 Hunt (75.)

Hamburg: Mathenia - Diekmeier, Papadopoulos, Mavraj, Ostrzolek - Walace, Gotoku Sakai - Hunt (90. Janjicic), Holtby, Kostic (81. Gregoritsch) - Wood (85. Lasogga)
Hoffenheim: Baumann - Süle, Vogt, Hübner - Bicakcic (78. Uth), Zuber - Rudy (46. Amiri) - Schwegler, Terrazzino (61. Rupp) - Wagner, Kramaric

Schiedsrichter: Felix Zwayer
Zuschauer: 55.000
Gelbe Karten: Kostic, Walace, Papadopoulos, Diekmeier - Rudy, Kramaric, Zuber, Hübner