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Fotostrecke: Kämpferische Hamburger, müde Bayern

Foto: FABIAN BIMMER/ REUTERS

HSV gegen FC Bayern Joe überlistet Pep

Gleich im ersten Spiel unter Trainer Josef Zinnbauer scheint der HSV wieder zu sich gefunden zu haben. Gegen schwache Bayern reichten Wille und Kampfesmut für einen Punkt. Alles Wichtige zum Top-Spiel des Nachmittags.

Ausgangslage des Spiels: Der Letzte gegen den Ersten. Bisherige Bilanz des Hamburger SV: drei Spiele, null Tore, eine Trainerentlassung. Und jetzt gegen den Souverän der Liga. Für den neuen Mann Josef Zinnbauer, den Bayern im Norden, und daher Joe und nicht Sepp genannt, also gleichermaßen das leichteste und schwerste Spiel, das man sich vorstellen kann. Gegen den Rekordmeister kann man nichts verlieren. Und wer mal 50 Millionen Euro Jahresumsatz mit seiner Firma gemacht hat, für den bedeutet auch eine Niederlage gegen den Titelverteidiger nicht die Existenz.

Ergebnis des Spiels: 0:0. Der HSV hält seine aktive Torbilanz. Bayern im vierten Spiel bereits mit dem zweiten Remis. Und das bei zwei Krisenklubs.

Die erste Halbzeit: "Ich bin sehr nervös", hatte Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer vor der Partie gesagt, und die erste Halbzeit war nicht angetan, seine Anspannung zu lösen. Für Zuschauer, deren emotionale Bindung zu einem der beiden Vereine möglicherweise etwas weniger eng ist, war es vielleicht die langweiligste erste Halbzeit dieser noch frischen Saison. Der HSV warf sich kampfesmutig in die Zweikämpfe, die Münchner waren vor dem Tor so harmlos, wie man es den Hamburgern zugetraut hätte. Und die Hamburger auch. Torchancen: null Komma null.

Die zweite Halbzeit: Bayern-Trainer Josep Guardiola musste mal wieder seine Aufstellung korrigieren. Die ins Team rotierten Xherdan Shaqiri, Pierre-Emile Höjbjerg und Rafinha durften zu Recht ihren Platz räumen und wurden durch Robert Lewandowski, Mario Götze und Xabi Alonso ersetzt. Das hört sich furchterregend an. War es aber nicht. Hätte Johan Djourou kurz vor Schluss nicht den üblichen Patzer gemacht, hätten die Bayern wohl keine einzige ernsthafte Torannäherung zu verzeichnen gehabt. Der HSV bemühte sich, und die Zuschauer sind damit derzeit schon hochzufrieden.

Spieler des Spiels: Man traut es sich kaum zu schreiben: Heiko Westermann. Der Innenverteidiger, geschmäht wie kein zweiter in der Vorsaison, sorgte unter anderem dafür, dass Bayern-Stürmer Claudio Pizarro keinen Treffer erzielte. Pizarros bisherige Bilanz gegen den HSV: 22 Spiele, 19 Tore. Jetzt sind es 23 Spiele, 19 Tore.

Duell des Spiels: Joe gegen Josep. Der Bundesliga-Novize Zinnbauer gegen den Über-Trainer Guardiola. Und auch das traut man sich kaum zu sagen: Der Hamburger Coach hatte am Ende wohl die bessere Taktik gewählt. Kein Hexenwerk, aber eine ehrliche, bodenständige Einstellung der Mannschaft. Für einen Punkt reichte das.

Wechsel des Spiels: Hatte der Bayern-Trainer schon vor dem Spiel vorgenommen. Lewandowski, Alonso, Götze auf die Bank zu setzen, war nicht nur riskant. Es hat sich auch als falsch herausgestellt. Beim FC Bayern gibt es, man mag es nicht glauben, im Kader denn doch so etwas wie ein Leistungsgefälle. Shaqiri oder Höjbjerg, sie sind noch nicht so weit, eventuell werden sie es nie werden.

Nicht-Wechsel des Spiels: Zinnbauer beließ es bei dem Last-Minute-Torwarttausch des Ex-Coaches Mirko Slomka. Jaroslav Drobny, der sein Bankdasein so geduldig getragen hat, ist derzeit die erste Wahl. Gegen die Bayern war der Tscheche wieder fehlerfrei. Und der vor vier Jahren noch als Nummer eins in Deutschland gefeierte René Adler ist jetzt nur noch die Nummer zwei beim Bundesliga-Kellerkind HSV.

Karte des Spiels: Schiedsrichter Christian Dingert weiß, was er Weltmeistern schuldig ist. Als Bayern-Torwart Manuel Neuer beim allerletzten seiner mittlerweile stilbildenden Ausflüge ins Mittelfeld den HSV-Angriff per Hand unterband, beließ es der Unparteiische bei einer Verwarnung. Andere Nicht-Weltmeister-Torhüter dieser Welt hätten vermutlich Rot gesehen.

Spruch des Spiels: "Entstanden ist über die Jahre beim HSV ein Flickenteppich, den zu verwalten eine Herkulesaufgabe ist." Ein Klassiker des Reporterstils von Sky-Kommentator Wolff-Christoph Fuss. Vielleicht noch ein schiefes Bild zu wenig.

Erkenntnis des Spiels: Auch beim hochanspruchsvollen Publikum in Hamburg will man die Mannschaft eigentlich nur kämpfen sehen. Dass man die zwar überaus engagierte, aber letztlich doch biedere Leistung dieses HSV nach dem Schlusspfiff bejubelte wie einen Titelgewinn, sagt alles darüber, was man mit dieser Mannschaft in der Vergangenheit alles durchleiden musste.