Leverkusens Sieg gegen den HSV Ein Abend für Jamaika

Deutschland hat gewählt. Und passend zur möglichen schwarz-gelb-grünen Koalition in Berlin, brillierte bei Leverkusens Sieg gegen Hamburg ein Jamaikaner - auch, weil der HSV sich kaum wehrte.

Lucas Alario, Leon Bailey und Kevin Volland jubeln
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Lucas Alario, Leon Bailey und Kevin Volland jubeln

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Die Kehrtwende: Zwei Spiele, sechs Punkte und eine Nacht an der Tabellenspitze - was war die Freude, die Erleichterung, die Euphorie groß in Hamburg nach dem Sieg am zweiten Spieltag gegen Köln. "Jetzt haben wir die Wende geschafft", sagte etwa Dennis Diekmeier. Gut vier Wochen später und nach einem schwachen Spiel bei Bayer Leverkusen ergibt sich nun folgende Bilanz: vier Spiele, vier Niederlagen, 0:10 Tore. Willkommen zurück im Abstiegskampf.

Das Ergebnis: Leverkusen besiegt den Hamburger SV 3:0 (2:0). Hier geht's zur Meldung.

Die erste Hälfte: Ein Distanzschuss von Sejad Salihovic über das Tor - das war die einzige im Ansatz gefährliche Offensivaktion der Hamburger. Und defensiv? Verhalfen zwei Aussetzer der HSV-Abwehr den Gastgebern zu einer komfortablen Führung. Kevin Volland und dann Alario trafen mit Abschlüssen von innerhalb des Strafraums. Mehmedi vergab noch die große Chance zum 3:0. Schonfrist.

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Bundesliga: Hamburgs Drei-Minuten-Schlaf

Die zweite Hälfte: Nach einem vermeintlichen Foul von Charles Aránguiz gegen Luca Waldschmidt hatte der HSV Pech, keinen Elfmeter zu bekommen. Die Entscheidung war umstritten, aber nicht eindeutig falsch und somit kein Fall für den Videoschiedsrichter. Hamburg spielte nun offensiver und etwas stabiler, aber immer noch erschreckend ungefährlich. Volland setzte mit seinem zweiten Tor den Schlusspunkt.

Transfererfolg mit Anlauf: Nach gut 22 Minuten im Trikot von Bayer Leverkusen erzielte Lucas Alario den ersten Pflichtspieltreffer für seinen neuen Klub. Dabei ist der Wechsel schon knapp vier Wochen her. Alarios Ex-Klub River Plate aus Buenos Aires und der argentinische Verband hatten den Transfer wegen angeblichen Vertragsbruchs durch den Argentinier zu verhindern versucht. Vergeblich. Nun durfte Alario erstmals spielen. Seine starke Debütbilanz: ein Treffer, eine Vorlage. Er mag überrascht gewesen sein, wie einfach das Toreschießen in der Bundesliga sein kann.

Abstand, bitte: So einfach wie gegen den HSV wird es für Alario so schnell aber wohl nicht mehr. Es war bemerkenswert, wie viel Platz die Hamburger der Bayer-Offensive bei den Gegentoren ließen. Vor seinem ersten Tor hatte Kevin Volland Zeit, den Ball in Ruhe im Strafraum zu verarbeiten. Alario hatte beim 2:0 praktisch keinen Gegenspieler, obwohl er der einzige Leverkusener im Hamburger Strafraum war. Und beim 3:0 hatte Kyriakos Papadopoulos einmal mehr den Kontakt zu Volland verloren, bevor dieser unbedrängt einschob.

Vorbereitung ist alles: Leon Bailey stand erst zum zweiten Mal in dieser Bundesligasaison in Leverkusens Startelf. Er nutzte seine Chance, machte viel Druck über die linke Seite und bereitete schon vor der Pause zwei Tore vor. Starker Auftritt des Mannes aus Jamaika - an einem Abend, an dem Deutschland nicht nur nach Leverkusen, sondern vor allem nach Berlin blickte.

Aussetzer des Spiels: Christian Mathenia sorgte für eine kuriose Szene. Nach einem Rückpass traf der Hamburger Keeper den Ball nicht richtig, schoss ihn damit in die Luft und fing ihn anschließend auf. Wegen der Rückpassregel gab es indirekten Freistoß im Strafraum, diesen überstand Hamburg aber. Es wäre ein Tor gewesen, das viele Fans anschließend wohl mit "Typisch HSV" betitelt hätten.

Zu Hause ist's am schönsten: Leverkusen steht nach sechs Spielen bei sieben Punkten. Und die holte Bayer allesamt im eigenen Stadion, auswärts gab es bisher nur Niederlagen. Die Folge: nur ein Platz im Mittelfeld der Tabelle. Sollte das Team von Trainer Heiko Herrlich die Leistungen aus den Heimspielen nun auch auswärts zeigen, könnte die Saison erfolgreicher verlaufen als die vergangene. Den nächsten Versuch gibt es am Freitag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) beim FC Schalke.

Bayer Leverkusen - Hamburger SV 3:0 (2:0)
1:0 Volland (20.)
2:0 Alario (23.)
3:0 Volland (83.)
Leverkusen: Leno - Henrichs, Tha, S. Bender, Wendell - Baumgartlinger, Aránguiz (84. Kohr) - Mehmedi (68. Brandt), Volland, Bailey - Alario (86. Pohjanpalo).
HSV: Mathenia - Diekmeier, Papadopoulos, Mavraj, Sakai - Walace (46. Waldschmidt), Jung, Salihovic (46. Jatta) - Hahn (82. Ito), Wood, Holtby.
Schiedsrichter: Kampka
Gelbe Karten: Wendell, Aránguiz - Walace, Papadopoulos.
Zuschauer: 27.061



insgesamt 4 Beiträge
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Franke aus Hamburg 24.09.2017
1. Nun, der HSV ....
.... scheint sich, wie die Jahre davor, im unteren Drittel der Tabelle einzureihen. Leverkusen ist wesentlich stärker, als ihr Tabellenplatz und gegen Leipzig und den BVB zu verlieren, ist keine Schande. Das Duell gegen die Brähmer -einem weiteren Kellerkind der Liga - hilft zur Standortbestimmung.
OompaLoompaOfScience 24.09.2017
2. Naja ....
... 4 Niederlagen aus 4 Spielen klingt böse. Nur wenn man ehrlich ist: Niederlagen gegen RB und Dortmund sind einzukalkulieren, ebenso war die heutige Niederlage keine Überraschung, nur gegen Hannover wäre wirklich mehr drin gewesen. Jetzt mal wieder gewinnen, dann steht man auf Platz 10 und die Welt ist wieder in Ordnung.
cirus27 25.09.2017
3. das wirkliche ziel wird erst am 7. spieltag...
mit einer heimniederlage gegen den sv werdeer erreicht: der relegationsplatz. absteigen werden anderte, ganz so, wie es sich gehört. sagen olaf scholz und didi hamann auch!
lennart.30539 25.09.2017
4. "Nur gegen Hannover wäre wirklich mehr drin gewesen!"
Das stimmt total, das mehr Tore für Hannover gegen den kleinen HSV aus Soltau-Nord hätten drin sein müssen.
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