Bundesliga Hoffenheim bleibt Spitze, Werder schießt Hertha ab

Gegen den KSC drehte Hoffenheim erst spät auf, am Ende war der Sieg dennoch deutlich. Werder gewann zu Hause hoch gegen Berlin. Der FC Bayern konnte sich auf Ribéry verlassen. Köln siegte überraschend in Stuttgart. Zwischen Cottbus und Schalke fiel die Entscheidung erst in den Schlussminuten.


Hamburg - Bayern München setzt seine Aufholjagd in Richtung Tabellenspitze fort, die Schlagzeilen bestimmt in der Bundesliga aber weiterhin der furios aufspielende Aufsteiger 1899 Hoffenheim. Die Bayern kamen nach späten Treffern zu einem 3:1 (1:1) gegen Arminia Bielefeld und feierten damit den vierten Sieg in Folge. Der Rückstand auf Spitzenreiter 1899 Hoffenheim (25), der gegen den Karlsruher SC 4:1 (1:1) gewann, beträgt aber weiter vier Zähler. Ärgster Verfolger des Aufsteigers bleibt Bayer Leverkusen. Die Werkself, die bereits am Freitag den VfL Wolfsburg 2:0 (0:0) besiegt hatte, liegt nur einen Zähler hinter Hoffenheim.

Wieder im Rennen ist auch Schalke 04. Die Königsblauen siegten bei Energie Cottbus 2:0 (0:0) und sind mit 20 Punkten nun Vierter. Pleiten gab es dagegen für die Europacup-ambitionierten Clubs Hamburger SV und VfB Stuttgart. Der HSV verlor das Nord-Derby bei Hannover 96 0:3 (0:2), der VfB leistete sich sogar eine 1:3 (0:1)-Heimniederlage gegen Aufsteiger 1. FC Köln. Dagegen beendete Vizemeister Werder Bremen seine Krise und feierte beim 5:1 (3:0) gegen Hertha BSC Berlin nach zuletzt vier erfolglosen Spielen wieder einen Sieg.

Sensationsaufsteiger 1899 Hoffenheim legte auch gegen den Karlsruher SC mit viel Offensivdrang los. In der 15. Minute spielte Tobias Weis perfekt in den Lauf von Chinedu Obasi, der mit seiner präzisen Hereingabe zu Vedad Ibisevic die Abwehr ausschaltete, bevor der Bosnier problemlos seinen 12. Saisontreffer markierte. Doch der KSC blieb im Spiel und in der 20. Minute landete ein missglückter Fernschuss von Godfried Aduobe bei Sebastian Freis, der allein vor Hoffenheims Torhüter Daniel Haas die Ruhe bewahrte und zum 1:1 einschob. Zehn Minuten nach Wiederanpfiff hatte Hoffenheim die Gelegenheit zur erneuten Führung, doch ein Fernschuss von Demba Ba strich knapp am Pfosten vorbei.

In der 68. Minute gelang der Mannschaft von Ralf Rangnick dann doch die Führung. Nach einem langen Pass von Sejad Salihovic versuchte Ibisevic, die Kugel anzunehmen. Das Leder sprang ihm vom Fuß zu Obasi, der alleine durch war und zum 2:1 einschob. Sieben Minuten später erhöhte erneut Ibisevic per Kopf auf 3:1. Obasi stocherte den Ball kurz darauf (78.) zum verdienten 4:1 über die Linie.

Der 1. FC Köln ging beim VfB Stuttgart bereits nach drei Minuten in Führung. Torhüter Jens Lehmann konnte einen Kopfball aus kurzer Distanz nur abklatschen, Milivoje Novakovic drückte den Ball zum 1:0 über die Linie. Stuttgart machte im heimischen Stadion wenig Druck und scheiterte immer wieder an den gut stehenden Kölnern. Auch nach der Halbzeit gelang dem VfB wenig, in der 61. Minute erhöhte Novakovic mit seinem zweiten Treffer des Tages auf 2:0.

Vorausgegangen war ein missglückter Kopfball-Rückpass von Thomas Hitzlsperger, der seine Abwehr auf dem falschen Fuß erwischte, freistehend vor Lehmann schob der Stürmer sicher ein. Acht Minuten später konnte Roberto Hilpert nach großem Durcheinander in Kölns Abwehr den Anschlusstreffer erzielen. In der Nachspielzeit verlor Hilpert gegen Petit als letzter Mann leichtfertig den Ball, der Portugiese schoss zum 3:1-Endstand ein.

Beim Nord-Derby zwischen Hannover 96 und dem Hamburger SV erzielte Bastian Schulz in der fünften Minute die Führung für die Gastgeber. Nach Pass von Jan Schlaudraff zog der Mittelfeldspieler kurz vor der Strafraumgrenze mit links ab, der flatternde Ball senkte sich über HSV-Torwart Frank Rost ins Netz. In der 18. Minute erhöhte Schlaudraff nach schönem Passspiel im HSV-Strafraum zum 2:0. Auch in der Folge dominierte Hannover das Spiel, besonders in den Zweikämpfen war 96 den Hamburgern deutlich überlegen. Jiri Stajner (79.) erhöhte noch auf 3:1, dabei blieb es.

In Bremen lag Werder ebenfalls nach 20 Minuten bereits 2:0 in Front. Ein Eigentor des Berliner Abwehrspielers Gojko Kacar brachte die Hertha nach 14 Minuten ins Hintertreffen. In seinem ersten Bundesligaspiel unterlief Herthas Torhüter Christopher Gäng einen Eckball, vom Rücken des überraschten Kacar prallte die Kugel ins Netz. Der zweite Treffer gelang Bremens Spielmacher Diego, der einen in den Strafraum gelupften Pass von Mittelfeldspieler Mesut Özil mit der Brust annahm und aus der Drehung über den verdutzten Gäng ins lange Eck hob.

Hertha blieb weiterhin völlig harmlos und schaffte keinen Torschuss in den ersten 45 Minuten. Bremen hingegen legte noch vor der Pause nach, Stürmer Markus Rosenberg (42.) traf zum 3:0. Eine Ecke von Torsten Frings landete bei Per Mertesacker, von dort gelangte das Leder zu Rosenberg, der den Ball aus kurzer Distanz durch die Beine von Gäng ins Netz stocherte und den Halbzeitstand perfekt machte. Nach der Pause kamen die Gäste besser ins Spiel. Doch Marko Pantelic und Andrej Woronin vergaben Berlins erste Gelegenheiten.

Auf der Gegenseite trieb der starke Spielmacher Diego in der 59. Minute den Ball nach vorne, sein Pass fand Stürmer Claudio Pizarro der zum 4:0 einschob. In der 68. Minute verkürzte der Hauptstadtclub durch einen Kopfball von Cicero auf 1:4. Pizarro stellte dann mit einem Kopfballtreffer den 5:1-Endstand (85.) her.

Beim Heimspiel des FC Bayern München gegen Arminia Bielefeld saß Nationalspieler Lukas Podolski trotz des verletzungsbedingten Ausfalls seines Sturmkonkurrenten Luca Toni zu Beginn nur auf der Ersatzbank. Miroslav Klose war zunächst die einzige Spitze des Rekordmeisters, Trainer Jürgen Klinsmann ließ zudem mit den "Sechsern" Andreas Ottl und Mark van Bommel spielen. Klose gelang nach 25 Minuten der Führungstreffer nach einem Freistoß. Dennis Eilhoff rettete noch gegen Franck Ribéry, doch der Ball landete direkt wieder im Strafraum. Dort sprang er von einem Arminen genau zu Klose, der aus kurzer Distanz unter die Latte traf.

Nach einer halben Stunde kam Bayern-Verteidiger Martin Demichelis im Sechzehner gegen Bielefelds Robert Tesche deutlich zu spät, Artur Wichniarek hatte zuvor den Pass gegeben und trat dann selber zum Elfmeter an. Gegen den harten Schuss unter die Latte hatte Bayern-Keeper Michael Rensing keine Abwehrmöglichkeit.

Franck Ribéry schoss die Bayern in der 77. Minute nach Hereingabe des eingewechselten Podolski in Front. Tesche musste nach groben Foulspiel an Ribéry den Platz verlassen, ein weiteres Foul an dem Franzosen führte zum Elfmeterpfiff durch Schiedsrichter Markus Schmidt, Podolski verwandelte sicher zum 3:1 (84.).

Die Partie zwischen Energie Cottbus und dem FC Schalke 04 war lange Zeit arm an Höhepunkten, der erste Aufreger war der Platzverweis des Schalkers Orlando Engelaar, der dem Linienrichter einen Vogel zeigte. In der 80. Minute traf Heiko Westermann nach Vorarbeit von Jefferson Farfan mit dem Kopf zum 1:0. Farfan erzielte in der Schlussminute das 2:0. Der Angreifer scheiterte mit einem zuvor an Kevin Kuranyi verschuldeten Foulelfmeter zunächst an Cottbus Keeper Gerhard Tremmel, war aber mit dem Nachschuss erfolgreich.

luk/sid



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werner51, 30.09.2008
1.
Zitat von sysopDie TSG 1899 Hoffenheim und ihr Mäzen Dietmar Hopp mussten sich, seit sie in der Bundesliga spielen, viel Kritik anhören.Ist die Kritik an den Verein und seinem Mäzen zu polemisch?
Vor allen Dingen ist die Antwort des Tagesspiegel-Chefredakteurs unter aller Kanone. Der schreibt wie ein wütender Bengel, der sich auf dem Höhepunkt der Pubertät befindet. Bis hin zur oberlehrerhaften Belehrung über den Unterschied zwischen "scheinbar" und "anscheinend". Schade, daß ich kein Tagesspiegel-Abo habe; ich würde es sofort kündigen.
mosamusik 30.09.2008
2. Neid
Wenn man sieht wie die etablierten Bundesligaclubs z.B. im UEFA - Pokal spielen, freue ich mich schon auf Hoffenheim nächstes Jahr! Die Hertha hat eine Millionenstadt hinter sich, doch über Mittelmaß sind sie auch noch nicht herausgekommen. Hab Hoffenheim letzte Saison live in Mainz gesehen(1:1)und muss sagen das mir der Stil schon sehr gefällt. Man sollte sich ein Beispiel nehmen!!!
stanis laus 30.09.2008
3. Nach Guts"herren"art
Der Spiegel: "Hopp erweckte zuletzt in einem "kicker"-Interview den Eindruck, als habe ein Verein das moralische Recht, jeden Fan, dessen Benehmen einem nicht passt, aus dem Stadion zu werfen." Dazu im Forum des Spiegels: Dieser Verein hat das moralische Recht, jeden Schreiber, dessen Meinung einem nicht passt, aus dem Forum zu werfen. Dort nennt man es Nettiquette und Hausrecht. Dort hält man dieses Recht des Haus"Herren" dann für selbstverständlich. Die Kritik an Hoffenheim ist nicht nur polemisch, sondern nur voll des zerstörerischen Neides der ewig Zukurzgekommenen.
wonzmann 30.09.2008
4. Woher diese Wut?
Hoffenheim spielt attraktiven Fußball, hat die vielleicht beste Jugendarbeit der Liga, der gesamte Kader hatte zu Beginn der Saison etwa so viel Marktwert wie Mario Gomez, und der Sponsor Hopp kommt aus dem Dorf und hat jahrelang dort gekickt. Warum also diese Wut auf den Verein? Mir scheint, es ist der unverwindbare Schock darüber, wie Fußball überall sein könnte, es aber eben nicht überall werden wird: schnell, respektlos, skandalfrei, hochprofessionell und obendrein für den Steuerzahler umsonst. Insofern ist die Kritik des Tagesspiegels nicht polemisch - das wäre ja auch nicht weiter bemerkenswert - sondern mitleiderregend. Wer sich nach dem Spiel Bremen - Hoffenheim nicht einfach freut, das noch erlebt haben zu dürfen, für den ist Fußball wohl eine unablässige Leidensquelle.
Emmi 30.09.2008
5. Herr Hopp und die TSG sollen sich nicht so wichtig nehmen...
Allein schon die Tatsache, dass der DFB (?) eine "Lex Hopp" erlässt, die es explizit verbietet, dem Sponsor der TSG Hoffenheim 1899 auch nur verbal oder grafisch zu nahe zu treten - was andere mit dem Sport in Verbindung stehende Personen pausenlos über sich ergehen lassen (müssen) - ist ein Witz! Man kann zu der Tatsache, dass ein Verein dank der Millionen eines Milliardärs aus dem Nichts in die Spitze der Bundesliga aufsteigt, stehen, wie man will - man kann es als willkommene Abwechslung und Bereicherung oder als Farce betrachten, die die etablierten Vereine mit ihren Traditionen der Lächerlichkeit nahebringt - aber durch solche Aktionen steigt die Sympathie im Lande für den Verein sicher nicht. Herr Hopp fördert übrigens die TSG genausowenig aus selbstlosen Motiven wie Herr Gates die Gates-Stiftung aus reiner Herzensgüte eingerichtet hat. Hier geht es um das Schaffen eines reinen Gewissens angesichts des Wissens um die Anrüchigkeit des eigenen maßlosen Reichtums - der mit Arbeit allein nicht anzuhäufen gewesen wäre - in Anbetracht der weit prekäreren Lebensumstände der meisten anderen Menschen... Gerade aus Cottbus, wo man jeden Cent umdrehen muss, kann ich die Verbitterung übrigens gut verstehen, wenn man am Ende wegen so eines "Retortenbabys" aus der Bundesliga absteigen sollte, weil an der Spree eben nicht die Millionen sprudeln wie an der Elsenz...
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