Leverkusen gegen Hoffenheim Im Zeichen des Phantoms

Spiele der TSG Hoffenheim sind in dieser Saison wahre Spektakel: Auch in Leverkusen fielen wieder fünf Tore - und im Unterschied zum Hinspiel lief diesmal alles korrekt ab. Gegner Bayer bleibt seiner Pannenstatistik 2014 treu. Alles Wichtige zum Hoffenheimer Sieg im Spielfilm.

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Ausgangslage des Spiels: Leverkusen gegen Hoffenheim - na klar, das Phantomtor-Spiel. Der Aufreger der Hinrunde. Es ist ein hübsches Detail, dass das Rückspiel am Vorabend der Sitzung der Deutschen Fußball-Liga terminiert wurde, in der am Montag über die Torlinientechnologie im deutschen Profifußball entschieden wird.

Ergebnis des Spiels: Fünf Treffer und diesmal lief alles korrekt ab. Drei davon erzielte der Gast durch Sejad Salihovic (16.), Kevin Volland (40.) und Anthony Modeste (89.). Bayer hatte zuvor zweimal durch Stefan Kießling (38.) und Simon Rolfes (53.) ausgeglichen. Die Talfahrt von Bayer geht damit weiter. "Vizekusen" ist derzeit nur noch ein schöner Traum für die Mannschaft von Trainer Sami Hyypiä. Das Jahr 2014 steht bisher unter dem Motto: Verlier es noch einmal, Sami.

Die erste Halbzeit: Leverkusen hat in diesem Jahr tatsächlich erst ein einziges Spiel gewonnen, und entsprechend ging es auch gegen die Hoffenheimer wieder schlecht los. Der Strafstoßspezialist der Liga, Sejad Salihovic, schlenzte einen Handelfmeter zur frühen Führung über Bernd Leno ins Tor. Der Ausgleich Kießlings hatte gerade 86 Sekunden Bestand, dann führten die Gäste schon wieder.

Die zweite Halbzeit: Bayer zeigte sich stark verbessert, erzielte schnell den Ausgleich durch Rolfes, und danach war es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, wann das Bayer-Siegtor fallen würde. Das Siegtor fiel dann tatsächlich. Aber auf der anderen Seite. Hoffenheims Anthony Modeste, von dem bis dahin rein gar nichts zu sehen war, tauchte urplötzlich vor dem Tor von Leno auf und schoss ein. Wie ein Phantom.

Spieler des Spiels: Kevin Volland war in der Anfangsphase der Saison einer der Hot Spots der Liga, heißester Tipp für die Rolle des Überraschungskandidaten in Joachim Löws WM-Kader, schon halb in Dortmund, halb im Ausland, wenn man den Transfermarkt-Experten Glauben schenken wollte. Zuletzt hatte der Stürmer nicht das Gefühl vermittelt, dass er das alles locker verkraftet hätte. Aber sein elegant-lässiges 2:1 war wieder eine Volland-Aktion erster Güte. Das schönste Tor des ganzen Spieltages.

Duell des Spiels: Eren Derdiyok gegen die TSG. Der Schweizer spielte bis vor kurzem noch bei Hoffenheim, wobei "spielte" einen gewissen sprachlichen Euphemismus darstellt. Derdiyok gehörte zur schon legendären Trainingsgruppe II, die als die Aussortierten von Sinsheim eine gewisse überregionale Berühmtheit erlangten. Zur Rückrunde ist er zu Bayer zurückgekehrt, und vier Minuten vor Schluss hätte er um ein Haar das 3:2 für Leverkusen erzielt, was wohl die Genugtuung des Jahres in der Liga gewesen wäre. Im Gegenzug fiel dann übrigens das Siegtor für die Gäste.

Interview des Spiels: Bayer-Sportdirektor Rudi Völler hatte noch vor dem Anpfiff mit einem Interview in der "Bild am Sonntag" für helle Aufregung in der Bundesliga gesorgt. Völler hatte sich in dem Gespräch als Anhänger des Kölner Tatorts mit Ballauf und Schenk offenbart, was in der Nachbarstadt Leverkusen natürlich massiven Unmut auslösen wird. Außerdem wird auch Völlers offenes Bekenntnis, er sei ein Freund von Vollkornbrot mit Fleischsalat, sicherlich noch für Gesprächsstoff sorgen.

Verletzung des Spiels: Hoffenheims Stammtorwart Koen Casteels musste kurzfristig passen, weil ihn ein Insektenstich lahmgelegt hatte. Sie nannten ihn Mücke.

Phantom des Spiels: Die Sechzehnmeter-Linie. In der 16. Minute spielte Bayer-Verteidiger Roberto Hilbert den Ball gerade noch außerhalb des Strafraums mit der Hand, aber Schiedsrichter Jochen Drees verlegte den Tatort kurzerhand in den Sechzehner. Elfmeter für Hoffenheim, 1:0. Vielleicht sollten sich die DFL am Montag also auch noch mit der Strafraumlinien-Technologie beschäftigen. Man könnte natürlich auch sagen: ausgleichende Gerechtigkeit.

Kießling des Spiels: In der 38. Minute stockte allen im Stadion der Atem. Kießling köpft, und der Ball ist im Tor. Nach vier Zeitlupen hatte dann auch Sky endgültig belegt: Der Ball war im Innennetz.

Zahl des Spiels: Es sind gleich zwei: 57 und 58. 57, das nennt die Zahl der Tore, die Hoffenheim erzielt hat. Nur Bayern und Dortmund sind in der Bundesliga besser. 58, das ist die Zahl der erhaltenen Gegentore. Man muss bis in die Regionalliga herunter gehen, um endlich ein paar Clubs zu finden, die noch mehr Treffer kassiert haben als die TSG: Der SC Wiedenbrück, der SC Pfullendorf, die TSV Rain/Lech und der SV Heimstetten.

Kommentar des Tages: "Jungs, ihr seid doch Männer, keine Pflaumen." Sky-Reporter Fritz von Thurn und Taxis wird im kommenden Jahr live vom Internationalen Frauentag berichten.

Erkenntnis des Spiels: Hoffenheim bleibt das Event dieser Saison. Jedes Spiel ein kleines Spektakel, jede Partie eine Werbung dafür, dass das Aufregendste in dieser Republik eben auf dem Dorf passiert.

insgesamt 9 Beiträge
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to5824bo 23.03.2014
1. Das Aufregendste?
---Zitat--- Jedes Spiel ein kleines Spektakel, jede Partie eine Werbung dafür, dass das Aufregendste in dieser Republik eben auf dem Dorf passiert. ---Zitatende--- Meine Güte, Herr Ahrens - was ist denn das für ein rustikales Fazit? Naja, immerhin haben Sie nicht das Hanse-Dorf gemeint, in dem Sie angesichts Ihres Brötchengebers mutmaßlich wohnen - obwohl es da ja auch fußballerisch nicht unspannend zugeht. Aber ich kenne Städte im Süden und im Westen der Republik, wo es erheblich spektakulärer zugeht als im Hoffendorf...
mußdassein 23.03.2014
2. Das war eine Metaffe
Zitat von to5824boMeine Güte, Herr Ahrens - was ist denn das für ein rustikales Fazit? Naja, immerhin haben Sie nicht das Hanse-Dorf gemeint, in dem Sie angesichts Ihres Brötchengebers mutmaßlich wohnen - obwohl es da ja auch fußballerisch nicht unspannend zugeht. Aber ich kenne Städte im Süden und im Westen der Republik, wo es erheblich spektakulärer zugeht als im Hoffendorf...
radioactive 23.03.2014
3. 115 Tore
Wo bitte gibt es denn im Westen oder Süden mehr Tore zu sehen?
aurichter 24.03.2014
4. Wieso und überhaupt
denn das Spiel fand mE in Leverkusen statt und die Stadt im Fazit als Dorf zu bezeichnen. Hoffenheim wird wohl noch sehr lange brauchen um auch bei Journalisten Symphatisanten zu finden, objektive Berichterstattung geht anders.
Guckamaamol 24.03.2014
5. Hauptsache dagegen
---Zitat von to5824bo---- ---Zitat--- Jedes Spiel ein kleines Spektakel, jede Partie eine Werbung dafür, dass das Aufregendste in dieser Republik eben auf dem Dorf passiert. ---Zitatende--- Meine Güte, Herr Ahrens - was ist denn das für ein rustikales Fazit? Naja, immerhin haben Sie nicht das Hanse-Dorf gemeint, in dem Sie angesichts Ihres Brötchengebers mutmaßlich wohnen - obwohl es da ja auch fußballerisch nicht unspannend zugeht. Aber ich kenne Städte im Süden und im Westen der Republik, wo es erheblich spektakulärer zugeht als im Hoffendorf... ---Zitat Ende--- Bei Ihnen kann auch nicht sein was sein darf. Das sind die richtigen die erst einmal motzen und keine Argumente liefern (welche Vereine haben in dieser Hinsicht mehr zu bieten). Aber Tatsache ist nunmal das im Dorf mit die meisten Tore fallen und diese das Salz in der Suppe sind. Es gibt auch andere Spiele, die auch ohne Tore Spass machen. Aber für die meisten Zuschauer sind Tore einfach auch das intersessante am Spiel. Solche Leute wie Sie schauen auch keine Sportschau, da werden überwiegend Tore und Szenen vor dem Tor gezeigt. Schönen Gruß an den Motzmeister, der alles besser weiß.
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