Bundesliga Hoffenheim stürmt an die Spitze, Klose rettet Bayern

Turbulenter Spieltag: Der FC Bayern schaffte einen knappen Sieg in Karlsruhe - doch Manager Uli Hoeneß leistete sich einen Wutausbruch. Aufsteiger Hoffenheim schoss sich mit einem Kantersieg an die Tabellenspitze, in Bremen erlebten die Zuschauer eine dramatische Schlussphase.


Hamburg - Glückliche Gesichter beim FC Bayern München: Der Meister konnte zwar auch beim Karlsruher SC nicht überzeugen - darf sich aber nach dem zweiten Saisontor von Miroslav Klose über den dritten Sieg der Spielzeit freuen. Ganz vorne liegt nach dem 8. Spieltag Aufsteiger 1899 Hoffenheim, der sich bei Hannover 96 5:2 (1:1) durchsetzte. Werder Bremen und Borussia Dortmund lieferten sich ein spektakuläres Duell mit einer noch spektakuläreren Schlussphase und trennten sich 3:3 (0:0). Unterlegene Berliner konnten sich gegen Stuttgart über einen 2:1 (1:0)-Sieg freuen. Wolfsburg besiegte chancenlose Bielefelder 4:1 (2:0), Köln Cottbus 1:0 (1:0). Frankfurt steht nach dem 0:2 (0:1) gegen Leverkusen am Tabellenende. Miroslav Klose hat die Talfahrt des FC Bayern München vorerst gestoppt. Der Nationalstürmer war in der 86. Minute mit seinem zweiten Saisontreffer zum 1:0 beim Karlsruher SC erfolgreich. Damit wurde eine Serie von drei Spielen ohne Sieg beendet. Die Bayern zeigten sich nach dem Abpfiff erleichtert - aber nicht entspannt. Besonders Manager Uli Hoeneß war die nervliche Belastung der vergangenen Wochen deutlich anzumerken. Nach der Partie verlor Hoeneß die Beherrschung und herrschte vor der versammelten Journalistenschar einen seiner Mitarbeiter an: "Sie sind wirklich vom FC-Bayern-TV? Sie müssen sich in der nächsten Woche einen neuen Job suchen." Der Journalist hatte Hoeneß gefragt, ob dieser die "Dusel-Bayern" erlebt habe. Arbeitsrechtliche Konsequenzen hatte die Szene aber nicht. Laut Bayern-Mediendirektor Markus Hörwick sei Hoeneß zwar verärgert gewesen, habe sich aber später zu einem Interview mit dem freien Bayern-Mitarbeiter getroffen; die Angelegenheit wurde dabei ausgeräumt

Die Frage war dennoch berechtigt. Vor 30.500 Zuschauern im ausverkauften Wildparkstadion waren die Bayern, bei denen der zuletzt aus der Startformation gestrichene Kapitän Mark van Bommel von Beginn an auflief, in der Anfangsphase zwar deutlich überlegen. Gegen ängstlich agierende Gastgeber konnten Nationalspieler Bastian Schweinsteiger (8., 14.) und der Franzose Franck Ribéry (13.) die sich bietenden Chancen aber nicht nutzen. Die Platzherren legten nach einer Viertelstunde ihren Respekt vor dem Meister ab. Initialzündung war ein Lattentreffer von Sebastian Freis (15.). Fünf Minuten später prüfte Spielmacher Antonio da Silva den Münchner Torwart Michael Rensing mit einem Distanzschuss.

Im Anschluss an diese Szene war es mit der Dominanz der Bayern zunächst vorbei. Die engagierten Karlsruher konnten die Partie über weite Strecken offen gestalten. Die Münchner wirkten nach ihrer starken Anfangsphase unkonzentriert im Spiel nach vorne. Zu allem Überfluss mussten die Bayern ab der 40. Minute auf ihren am Rücken verletzten italienischen Stürmerstar Luca Toni verzichten. Für ihn kam Edelreservist Lukas Podolski, der sich zwei Minuten später mit einem Schussversuch von der Strafraumgrenze einführte.

Der KSC präsentierte sich als ebenbürtiger Gegner und glich technische Defizite durch seinen großen Einsatz aus. In der 55. Minute hatten die Hausherren durch Innenverteidiger Tim Sebastian und den Georgier Alexander Iaschwili zwei gute Möglichkeiten.

Dort wo die Bayern gerne wären steht nun 1899 Hoffenheim: Nach zuvor zwei Auswärtsniederlagen in Folge gewann das Team von Ralf Rangnick bei Hannover 96 5:2 (1:0) und schob sich aufgrund der besseren Tordifferenz am bisherigen Spitzenreiter Hamburger SV vorbei. Der HSV kann den ersten Platz im Spiel am Sonntag gegen Schalke 04 (17 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) aber wieder zurückerobern. Für Hannover war es die erste Niederlage vor eigenem Publikum nach zuvor zehn Spielen in Folge ohne Pleite.

Vor 42.321 Zuschauern sorgte Torjäger Vedad Ibisevic mit seinem achten Saisontreffer für die Gästeführung (35.). Christian Schulz gelang nach 48 Minuten der Ausgleich, bevor Jiri Stajner für das 2:1 der Platzherren sorgte (63.). Die Gäste spielten sich danach in einen kleinen Rausch und drehten die Partie durch Treffer von Chinedu Obasi (70.), Sejad Salihovic (72.), Demba Ba (80.) und Ibisevic (83.) erneut. Nach einem Frustfoul sah Hannovers Arnold Bruggink in der 85. Minute die Rote Karte.



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