Hamburger 0:0 gegen Gladbach "Der Fußballgott war auf unserer Seite"

Der HSV überstand gegen Borussia Mönchengladbach einen Platzverweis und zwei Strafstöße für den Gegner. Die Hamburger deuten den Punktgewinn als Fortschritt, es ging aber auch viel schief.
Jubelnder Lewis Holtby

Jubelnder Lewis Holtby

Foto: Martin Meissner/ AP

Wer am Ende dieses seltsamen Fußballnachmittags im Borussia-Park nur das Resümee von André Schubert hörte, der musste zwangsläufig neugierig werden. "So ein Spiel erlebt man vielleicht einmal in zehn Jahren", sagte der Trainer von Borussia Mönchengladbach - und das nach einem 0:0 gegen den mal wieder vom Abstieg bedrohten Hamburger SV.

Schubert hatte die Nicht-Qualität der Partie gemeint, Zwischendurch pfiff das Publikum vom Niederrhein sogar gegen die eigene Mannschaft. Es gab keinen Sieger, keine Tore, und doch war dieser Nachmittag kurioserweise spektakulär. So spektakulär, dass Lewis Holtby sogar eine Einflussnahme höherer Mächte vermutete. Irgendwann habe er gewusst, "dass der Fußballgott heute auf unserer Seite steht", sagte der Hamburger Mittelfeldspieler.

Die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol hatte zwei höchst umstrittene Elfmeter verursacht, Schiedsrichter Wolfgang Stark stellte nach dem ersten Strafraumfoul auch noch Innenverteidiger Cléber vom Platz. Über eine Stunde schufteten die immer noch auf den ersten Saisonsieg wartenden Hamburger in Unterzahl. Doch Elfmeter Nummer eins, den André Hahn ausführte, hielt René Adler (26. Minute), den zweiten donnerte Lars Stindl an die Latte (62.). Am Ende fehlte nur noch eine krönende Pointe für einen Klassiker des absurden Theaters: ein siegbringendes Kontertor für den HSV in der Nachspielzeit.

Der HSV hat seit fünf Spielen kein Tor mehr geschossen

Aber Gisdol freute sich auch so. Über den Punkt und über die Wirkung, die er sich von diesem Erlebnis erhofft. "Solche Widerstände zu brechen, war für uns Gold wert", sagte der Trainer. Und Dennis Diekmeier erklärte: "Das war ein Erfolg der Mannschaft und gibt uns allen einen Push." Offenbar begriffen sie diesen gegentorlos überstandenen Nachmittag mit all seinen Fallen und Widrigkeiten als perfekt gelungene Teambuilding-Maßnahme.

Der HSV agierte vor allem in Unterzahl als gut funktionierendes Kollektiv, willensstark und diszipliniert. "Es ist schön, zu sehen, wenn jeder für den anderen läuft und sich aufopfert", sagte Holtby. Dass die Gladbacher, die zuvor elf Heimspiele am Stück gewonnen hatten, zumindest in den Augen der Hamburger auch noch vom Schiedsrichter begünstigt wurden, und trotzdem nicht gewannen, machte die Erfahrung da nur kostbarer.

Wobei noch längst nicht alle Probleme gelöst sind. Die Hamburger haben nun schon seit fünf Partien kein eigenes Tor geschossen, auch im zweiten Spiel unter dem neuen Trainer erzeugten sie kaum Gefahr. Aber solche Details spielten für die Mannschaft nach dieser Partie keine Rolle. "Das war eine geile Schlacht, ich mag so was", sagte Torhüter René Adler: "Es wird nicht diesen einen Moment geben, an dem alles umschwenkt, das wird ein langer Weg."

"Die Rote Karte muss man hinterfragen"

Der Stolz auf die kollektive Hingabe überdeckte sogar den Ärger über den Schiedsrichter. "Ich bin gar nicht einverstanden, wie die Elfmeter zustande kommen, aus meiner Sicht muss ich beide ganz klar hinterfragen, und auch die Entscheidung, wie die Rote Karte zustande kam, muss man hinterfragen", sagte der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer eher zaghaft zu den strittigen Situationen.

Überdies hatte Lars Stindl Glück, dass er nach einem Ellenbogenstoß gegen Emir Spahic nur eine Gelbe Karte zu sehen bekam. Dies alles waren Szenen, die wenig eindeutig waren und umso heftiger diskutiert wurden. So bezeichnete Gladbachs Trainer André Schubert die Dreifachbestrafung für Cléber mit Elfmeter, Platzverweis und einer noch nicht festgelegten Sperre als "klare Geschichte".

Das konnte man auch anders sehen, zumal das internationale Regelgremium den Schiedsrichtern seit dem Frühjahr die Möglichkeit bietet, bei Fouls im Strafraum, die nicht mit klarem Vorsatz begangen werden, auf eine Rote Karte zu verzichten. Von dieser Option machte Wolfgang Stark keinen Gebrauch.

Für Cléber war das sehr ärgerlich, aber ohne die 65 Minuten in Unterzahl hätten die Hamburger es an diesem Tag es viel, viel schwerer gehabt, zu Helden im Kampf gegen die Widrigkeiten des Tabellenkellers zu werden.

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