Bundesliga im TV Erst um 20 Uhr "ran"?

Weil der Pay-TV-Sender Premiere World rote Zahlen schreibt, soll die Fußballbundesliga-Sendung "ran" aus dem Vorabendprogramm verschwinden.


Sat.1-Moderator Jörg Wontorra: Muss künftig später "ran"
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Sat.1-Moderator Jörg Wontorra: Muss künftig später "ran"

Hamburg - Auf diese Weise will die KirchGruppe neue Kunden zu Premiere World locken. Nach Aussagen von Sat.1- und Premiere-Mitarbeitern soll "ran" auf Sat.1 von der kommenden Saison an nicht mehr samstags um 18.30 Uhr laufen, sondern erst am Abend. Mit dieser Verschiebung sollen neue Kunden zu Premiere World gelockt werden. Der Bezahl-Sender zeigt alle Spiele live und die Zusammenfassung der Bundesliga kurz nach dem Abpfiff der Nachmittags-Begegnungen.

"Es wird in der Gruppe diskutiert, was man zur Optimierung der Zahlen tun kann", sagte Sat.1-Sportchef Manfred Martens. Beteiligt sei daran "die große Sportrunde". Premiere World hat derzeit rund 2,3 Millionen Abonnenten. Das sind zu wenig, um kostendeckend zu arbeiten. Intern wird mit mindestens drei Millionen Kunden kalkuliert, um schwarze Zahlen schreiben zu können. Eine spätere Zusammenfassung der Bundesliga im frei empfangbaren Fernsehen gilt für Pay-TV-Sender als Schlüssel zum Erfolg.


Ziel: 2,9 Millionen Abonnenten


"Wenn gewisse Maßnahmen nicht funktionieren, um Zahlen nach oben zu bringen, muss man über andere diskutieren", sagte Martens. Die erste Fußball-Offensive zu Beginn der laufenden Saison konnte die Kundenzahl nicht entscheidend verbessern, obwohl seit August alle Spiele der 1. Liga live gezeigt werden und reichlich Prominenz im Werbeeinsatz war. Von den 2,9 Millionen Abonnenten, die Premiere-Sportchef Carsten Schmidt dank des Bundesliga- Komplettangebotes erreichen wollte, ist der Sender weit entfernt.

Offiziell werden die Pläne dementiert. In einer Pressemitteilung schreibt Sat.1 am Dienstag: "Eine Verschiebung der Sendung auf einen späteren Sendeplatz ist nicht geplant. Der Ausstrahlungs-Termin der ran-Sendung zählt zu den etabliertesten Sendeplätzen im deutschen Fernsehen."

Programmänderung hängt von Zustimmung des Verbandes ab

Das Problem an den neuen Planungen ist der bis 2004 laufende Fernsehvertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), der Kirch drei Milliarden Mark gekostet hat. Alle Abweichungen vom jetzigen Programmschema sind von der Zustimmung des Verbandes abhängig. Der DFB betonte am Dienstag, dass im Kontrakt eine "zeitnahe Zusammenfassung" der Bundesliga im frei empfangbaren Fernsehen vereinbart sei, die auch Bestandteil des Grundlagenvertrages zwischen DFB und künftigem Ligaverband ist.


Der Begriff "zeitnah" lässt Interpretationsspielraum, der neue Ligachef Werner Hackmann spricht von einer "Auslegungsfrage". Eine Verlegung der "ran"-Sendung auf 20 Uhr schließt er nicht kategorisch aus, hielte sie aber für "nicht glücklich". Einer noch späteren Zusammenfassung erklärt Hackmann hingegen eine klare Absage: "22 Uhr ist sicher nicht mehr zeitnah."

Samstags-Topspiel soll auf 18 Uhr vorverlegt werden

Zu den Gedankenspielen im Hause Kirch gehört auch eine Vorverlegung des so genannten Topspiels am Samstagabend von 20 auf 18 Uhr. Ausschnitte dieser Partie würden dann in der später laufenden "ran"- Sendung gezeigt. Bisher gibt es Bilder vom Samstagabend-Spiel im "Aktuellen Sport-Studio". Der Vertrag mit dem ZDF läuft nach der Saison aus. Den öffentlich-rechtlichen Sender würde diese Veränderung hart treffen. Mit dem Topspiel wirbt er eifrig - sogar in den Nachrichtensendungen - für das traditionsreiche, aber mit Quoten-Problemen kämpfende "Sport-Studio".



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