Bundesliga im TV Leo Kirchs kleine Löwen

Die Fernsehsender kämpfen um die Fußball-Übertragungsrechte - doch was denken eigentlich junge Fußballfans? Wann wollen sie Bundesliga sehen, was würden sie dafür zahlen? SPIEGEL ONLINE hat acht befragt. Ergebnis: Die Hälfte könnte auf die "Sportschau" verzichten.

Von Martin Sonnleitner


Bundesliga-Übertragungen: Reizthema bei deutschen Fußballfans
AP

Bundesliga-Übertragungen: Reizthema bei deutschen Fußballfans

Die Standpunkte in den Chefetagen sind klar: "Die Erstverwertung der Bundesliga im Free-TV kann nicht schon eine Stunde nach Abpfiff stattfinden. Wenn wir stärker wachsen wollen, mehr Erlöse erzielen wollen und dann mehr an die Liga zahlen sollen, dann kann es die Sportschau um 18.30 Uhr nicht länger geben", sagte Carsten Schmidt dem "Tagesspiegel". Das Vorstandsmitglied des Pay-TV-Senders Premiere muss solche Dinge sagen, schließlich werden im März die TV-Rechte ab der Saison 2009/2010 neu ausgeschrieben.

Einige Neuerungen sind heute bereits durchgesickert: Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass es künftig drei Sonntagsspiele geben werde. Außerdem sei diskutiert worden, ein ausgesuchtes Highlight als "Spiel des Monats" am Samstagabend auszutragen - zur Prime Time um 20.15 Uhr. Damit würde das Aus der "Sportschau" immer wahrscheinlicher.

"Nichts ist unverzichtbar, aber ich bin ganz klar dafür, um die Bundesliga zu kämpfen", kündigte NDR-Intendant Lutz Marmor an. Dabei bekommt er prominente Rückendeckung: HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann beispielsweise hat sich vehement für die Beibehaltung der "Sportschau" ausgesprochen. "Die Sportschau ist die beste zweistündige Werbesendung für die Bundesliga", sagte Hoffmann vor wenigen Tagen erneut. Den Fernseh-Deal mit dem Kirch-Unternehmen Sirius, der von der Saison 2009/2010 an eine durchschnittliche Garantiesumme von rund 500 Millionen Euro für alle 36 Fußball-Profivereine vorsieht, beurteilt der 45-Jährige nach wie vor kritisch.

Damit steht er nicht alleine da. Als im Oktober verkündet wurde, dass Kirchs von der Deutschen Fußball Liga (DFL) den Auftrag erhalten haben, für sechs Jahre die Rechte der Fußball-Bundesliga zu vermarkten, ging ein Raunen durch die deutschen Fankurven. Kirch ist in der Szene schließlich kein Unbekannter. Im Jahre 2002 hatte sein Unternehmen, das schon damals die TV-Rechte besessen hatte, Konkurs angemeldet und die Liga in eine schwere Krise gestürzt. Umso erstaunlicher, dass der Medienmogul im Auftrag der DFL nun wieder mit Milliarden jonglieren darf.

Da kommen die Streitigkeiten der potenziellen Rechtekäufer gerade recht. Der Abo-Bezahlsender Premiere, derzeitiger Rechteinhaber, stört sich neben frühen Free-TV-Zeiten auch daran, dass Sirius und die DFL dem am meisten bietenden Sender ein redaktionell komplett fertig gestelltes Produkt verkaufen will.

Es stellt sich die Frage, warum den verschiedenen Protagonisten das Produkt Fußball-Bundesliga soviel Geld wert ist? Hängen junge Fußballfans hierzulande an der "Sportschau"? Wie groß ist die Bereitschaft, ein Premiere-Abo abzuschließen? Welche neuen Technologien sollen in naher Zukunft erschlossen werden? SPIEGEL ONLINE hat mit acht Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren gesprochen, einer werberelevanten Zielgruppe, deren Nutzerverhalten einigen Aufschluss über den Markt der Zukunft gibt.

Eine weitere zentrale Frage ist die Entwicklung des Internet-Fernsehens. Schon zur Saison 2006/07 sicherte sich die Deutsche Telekom die Internet-Übertragungsrechte für die Bundesliga für rund 40 Millionen Euro jährlich. Bisher kommt allerdings kaum einer in den Genuss des Programms. Das sollte sich schnell ändern, denn vor allem im zeitlich versetzten Abrufen von Sendungen sehen die Jugendlichen immense Vorteile des Internet.

"Wenn man Highlights verpasst hat, kann man sie sich trotzdem anschauen", preist der 15-Jährige Johannes die Vorzüge. Moritz (21), der regelmäßig Bundesliga im Netz guckt, sieht aber noch Nachholbedarf im technischen Bereich: "Das läuft zwei bis fünf Minuten versetzt. Die Qualität ist nicht immer gut, runterladen und speichern kannst du es auch nicht."

Insgesamt glauben die Jugendlichen, dass das Internet in naher Zukunft dem Fernsehen den Rang als wichtigstes Kommunikationsmedium ablaufen wird. "Es ist schon heute gleichwertig mit dem Fernsehen", findet Paul, 15, der sich im Internet mit kostenlosen Bundesliga-Übertragungen über chinesisches IP-TV versorgt. "Ich glaube zwar nicht, dass der Fernseher verschwinden wird, aber Internet-TV wird die Zukunft sein. Es ist die Mobilität, außerdem kann ich alles Mögliche, auch international empfangen", ergänzt Moritz.

Auch wenn nur drei der acht Probanden schon IP-TV nutzen, spielt die Online-Berichterstattung anderweitig längst eine tragende Rolle. "Ich informiere mich regelmäßig auf Sportseiten wie Kicker.de, nutze den Live-Ticker, Berichte oder die Seite von den Vereinen", steht Paul stellvertretend für eine Generation, die sich zwar immer noch auch der Printmedien bedient, dem Elektronischen aber zunehmend Gewicht einräumt. "Ich checke im Internet immer den Live-Ticker, darum weiß ich unmittelbar die Ergebnisse, auch wenn ich nicht im Stadion bin", hebt Johannes den Echtzeit-Charakter des Netzes hervor.

Uneins sind sich die Jugendlichen dagegen, was die Zukunft der Sportschau anbelangt. Bei den jugendlichen Probanden verhält es sich unentschieden, die eine Hälfte kann definitiv auf die Sportschau verzichten, die andere Hälfte räumt der 47 Jahre alten Sendung gerade in ihrer jetzigen Form weiterhin große Bedeutung ein.

"Die 'Sportschau' ist mir nicht so wichtig. Ein späterer Sendetermin wäre aber noch schwieriger", steht Paul für die Contra-Fraktion. "Ich gucke jetzt schon kaum die 'Sportschau'. Es ist mir also egal, ob der Sendeplatz verlegt wird oder nicht, ich finde es jetzt schon zu spät", sekundiert Marcel (19). "Es kommt selten vor, dass ich keine Zeit habe, es live auf Premiere zu gucken", hält auch Alex (16) die "Sportschau" für überflüssig.

Lesen Sie morgen die Argumente der vier Probanden, die trotzdem nicht auf die "Sportschau" in ihrer jetzigen Form verzichten möchten, ihre Meinungen über die eventuelle Zerstückelung des Spieltages und den finanziellen Rahmen, in dem sich Pay-TV bewegen sollte.



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shokaku 12.02.2008
1.
Heikel. Die exklusive Vermarktung im Pay-TV könnte sich leicht als Bumerang herausstellen. Premiere musste ja schon auf die harte Tour lernen, dass es Pay-TV in Deutschland nicht so leicht hat wie z.B. in England. Und zur Not gibt es auch noch andere interessante Sportarten.
Carsten31 12.02.2008
2.
Ich werde keinen Sportkanal abonnieren. Gehe ich halt mit ein paar Leuten in die nächste Sportsbar. Bei meinem eigenen Verein bin ich eh so oft wie möglich live dabei.
tomandcherry, 12.02.2008
3.
Zitat von shokakuHeikel. Die exklusive Vermarktung im Pay-TV könnte sich leicht als Bumerang herausstellen. Premiere musste ja schon auf die harte Tour lernen, dass es Pay-TV in Deutschland nicht so leicht hat wie z.B. in England. Und zur Not gibt es auch noch andere interessante Sportarten.
Sehe ich ähnlich. Wenn die Herren Profifußball-Vermarkter denken, der "treu-doofe Fan/Zuschauer" wird für sein Lieblingshobby TV-Fußball schon ordentlich tief in die Tasche greifen, könnte das tatsächlich in die Hose gehen. Obwohl ich wirklich gerne Fußball konsumiere, haben mir schon die unverschämt hohen Eintrittspreise in der Vergangenheit meine Saisonkarte vergrätzt. Sollte jetzt Fußball im TV nur noch in Bezahlsendern oder zu völlig unakzeptablen Übertragungszeiten (z.B. Samstag Abend ab 22.00 h oder noch später) übertragen werden, dann würde ich halt ganz auf bewegte Bilder verzichten. Auch EM/WM im Pay-TV wäre für mich ein Grund, auf das Ereignis im Fernsehen zu verzichten. Man muss nicht für alles noch zusätzlich bezahlen. Das Leben ist schließlich schon teuer genug :-(
Brieli 12.02.2008
4.
Zitat von tomandcherrySehe ich ähnlich. Wenn die Herren Profifußball-Vermarkter denken, der "treu-doofe Fan/Zuschauer" wird für sein Lieblingshobby TV-Fußball schon ordentlich tief in die Tasche greifen, könnte das tatsächlich in die Hose gehen. Obwohl ich wirklich gerne Fußball konsumiere, haben mir schon die unverschämt hohen Eintrittspreise in der Vergangenheit meine Saisonkarte vergrätzt. Sollte jetzt Fußball im TV nur noch in Bezahlsendern oder zu völlig unakzeptablen Übertragungszeiten (z.B. Samstag Abend ab 22.00 h oder noch später) übertragen werden, dann würde ich halt ganz auf bewegte Bilder verzichten. Auch EM/WM im Pay-TV wäre für mich ein Grund, auf das Ereignis im Fernsehen zu verzichten. Man muss nicht für alles noch zusätzlich bezahlen. Das Leben ist schließlich schon teuer genug :-(
Zustimmung auch von mir. Keinen Cent werde ich für TV-Fußball ausgeben. - außer natürlich über die GEZ - und meine Biere in der Kneipe in der ich Fußball schaue. Aber Bier ist ja auch eine adäquate Gegenleistung :-)
Polar, 12.02.2008
5.
Zitat von tomandcherrySehe ich ähnlich. Wenn die Herren Profifußball-Vermarkter denken, der "treu-doofe Fan/Zuschauer" wird für sein Lieblingshobby TV-Fußball schon ordentlich tief in die Tasche greifen, könnte das tatsächlich in die Hose gehen. Obwohl ich wirklich gerne Fußball konsumiere, haben mir schon die unverschämt hohen Eintrittspreise in der Vergangenheit meine Saisonkarte vergrätzt. Sollte jetzt Fußball im TV nur noch in Bezahlsendern oder zu völlig unakzeptablen Übertragungszeiten (z.B. Samstag Abend ab 22.00 h oder noch später) übertragen werden, dann würde ich halt ganz auf bewegte Bilder verzichten. Auch EM/WM im Pay-TV wäre für mich ein Grund, auf das Ereignis im Fernsehen zu verzichten. Man muss nicht für alles noch zusätzlich bezahlen. Das Leben ist schließlich schon teuer genug :-(
Ich geb´ja zu, dass ich zu dieser Saison Arena abonniert habe - aber jenseits der 20 € ist für mich auch Ende. Dafür gibt´s ja auch spanischen Fußball, und der ist mal so richtig geil. Sollten aber die Preise erhöht oder die Spieltage zerfleddert werden, dann ist für mich Schluss. Dann eben nur noch Oberliga und das live.
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