Bundesliga-Kolumne Das große Grauen

Absteigen ist immer schrecklich, doch diesmal sollten sich die Bundesligisten besonders anstrengen, oben zu bleiben. Unten droht nämlich nicht nur die zweite Liga, sondern auch noch eine Ausgabe davon, die richtig gut ist. In der kommenden Saison wird es Aufstiegskandidaten im Überfluss geben.
Von Christoph Biermann

"Nur ein Jahr, dann sind wir wieder da", wird in den Fankurven überall dort gesungen, wo keine Hoffnung mehr auf den Klassenerhalt besteht. Aus diesem Gesang spricht Stolz und Trotz, als Ankündigung ist er aber selten so fraglich gewesen wie für die kommende Saison. So dürften die Anhänger von Borussia Mönchengladbach bereits nachdenkliche Blicke auf die Besetzung der Zweiten Liga geworfen und festgestellt haben, dass ihr Club in einer Spielklasse landet, die man nicht leichten Schrittes wieder verlässt.

Aus der Bundesliga kommt mit den Borussen aus Mönchengladbach ein Verein, dessen Kassen so gut gefüllt sind, dass er mit dem größten Etat ins Rennen gehen und allein dadurch zu den Favoriten für die ersten drei Plätze gehören wird. Begleitet wird er entweder von weiteren Vereinen mit viel Geld (VfL Wolfsburg oder Borussia Dortmund) oder von ausgewiesenen Aufstiegsprofis (Arminia Bielefeld, Eintracht Frankfurt oder VfL Bochum), die wissen, worauf es ankommt, wenn man die Klasse nach oben verlassen möchte. Nur Alemannia Aachen und Mainz 05 gehören weder zur einen noch zur anderen Gruppe, würden das Projekt Wiederaufstieg aber mit dem für diese Clubs typischen Schwung angehen.

Wen immer es auch erwischt, die drei Absteiger werden den Aufstieg direkt angehen, zumal sie auch finanziell nicht mehr so tief stürzen wie einst. Die Fernsehgelder sind so gestaffelt, dass die ehemaligen Bundesligisten besser ausgestattet sind als die Konkurrenz in der zweiten Liga. Doch die wird trotz dieser Unterschiede in der kommenden Saison beachtlich sein. Der 1. FC Köln etwa will mit üppigem Etat und ambitioniertem Trainer das schaffen, was man in dieser Saison meilenweit verpasste. 1860 München mag derzeit zwar noch gebeutelt erscheinen, kann aber jederzeit richtig Schwung aufnehmen und ein riesiges Publikum mobilisieren. Das gilt auch für den 1. FC Kaiserslautern, und die designierten Absteiger sollten besser dem MSV Duisburg die Daumen für den Erstliga-Aufstieg in dieser Saison drücken, denn er würde auch im kommenden Jahr ein absolut konkurrenzfähiges Team ins Rennen schicken.

Bei den Fürthern und den in der Finke-Starre befindlichen Freiburgern ist nicht abzusehen, ob sie wieder so stark wie in dieser Saison wären. Dafür könnte aber der jetzt schon beachtliche Aufsteiger aus Augsburg weiter aufrücken, der mittelfristig sowieso in die Bundesliga will. Und selbst der etwas aus der Mode gekommene Durchmarsch von der dritten in die erste Liga ist wieder ein Thema. Fortuna Düsseldorf konnte das mal ganz gut und auch 1860 München, der aktuelle Kandidat aber ist die TSG Hoffenheim. In der Nähe von Heidelberg arbeitet Ralf Rangnick für den SAP-Gründer Dietmar Hopp am Fußballclub der Zukunft, und die soll sowieso in absehbarer Zeit erstklassig sein.

Drei Absteiger aus der Bundesliga, ein Aufsteiger aus der Regionalliga und drei bis fünf ambitionierte Schon-jetzt-Zweitligisten bilden ein fast schon überdimensioniertes Feld von Kandidaten für den Aufstieg. Das ist fast die Hälfte der Liga und dürfte auch die tröstliche Idee leider haltlos machen, dass der Abstieg gut zum Kraftschöpfen und zur Neuorientierung sei. Da sammeln wir uns und kommen noch stärker zurück, raunt man sich bei Absteigern gerne zu. Falsch war das schon immer, denn ein Abstieg ist ein Abstieg ist ein Abstieg. Und besser, man legt den aus der Bundesliga nicht gerade ins Jahr 2007.

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