Bundesliga-Kommentar Das Lechzen der Wüstenexpedition

Mit dem 1:0-Erfolg über den FC Bayern München sind die Schalker der Meisterschaft ein Stück näher gekommen. Doch das Gipfeltreffen zwischen den Titelkandidaten offenbarte auch, dass nationaler Erfolg nicht unbedingt international tragfähig ist. Auf europäischer Bühne hinkt der deutsche Fußball weiter hinterher.

Von Steffen Gerth


Schalker Krstajic im Luftkampft mit Bayern-Stürmer Pizarro (r.): Sagenhaft aufwändig
AP

Schalker Krstajic im Luftkampft mit Bayern-Stürmer Pizarro (r.): Sagenhaft aufwändig

Bevor wir zum Eigentlichen kommen, müssen wir Peter Lohmeyer mitteilen, dass er ab sofort wie ein Fußballfan der unerträglichen Sorte zu behandeln ist. Sich einzureihen in die Kolonne der Dummköpfe in der "Arena AufSchalke", die für eine Weile Oliver Kahn, dem Torwart des FC Bayern München das "beliebte" Affengebrüll entgegenschleuderten, ist niveaulos. Wenn man es als nationaler Filmstar wie Lohmeyer macht, peinlich, und sogar dumm, wenn er dabei vergisst, dass die Kameras von "Premiere" alles sehen.

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Kampf um die Meisterschaft

Das direkte Duell gegen den FC Bayern München hat Schalke 04 gewonnen. Aber sind die Gelsenkirchener auch nach dem 34. Spieltag der Fußball-Bundesliga vorn?

Die Schalker Fans haben etwas die Contenance verloren am Sonntagabend, logisch, die Bayern wurden 1:0 besiegt, und die viel besungene Region lechzt nach der Meisterschaft wie Überlebende einer Wüstenexpedition. Natürlich war dieses Spitzenspiel so, wie man es erwarten durfte: grottenschlecht. Schalke spielte Fußball, wie der Club wirtschaftet: sagenhaft aufwendig. Hier wildes Rennen, dort irres Schuldenmachen. Lincolns Tor muss daher vorerst als Return on Investment interpretiert werden.

Hochgejazzt zur intergalaktischen Klasse

Dass die vorhersehbare Coolness der Bayern an diesem Abend nicht nur Strategie, sondern auch Zeichen von Defiziten war, muss ebenfalls festgehalten werden. Die Mär, dass der Rekordmeister 20 gleichwertige Spitzenspieler beschäftigt, widerlegte das Münchner Gewürge in Gelsenkirchen. Ohne Makaay, Scholl, Zé Roberto und Kovac nähert sich das einst als "weißes Ballett" verklärte Ensemble doch ziemlich mauem Rumpelfußball. Zé Roberto (Atletico Madrid) und Robert Kovac (Juventus Turin) haben sich zudem bereits angeblich anderweitig orientiert, um dem angekündigten Sparkurs der Bayern zu entfliehen. Weil die neue Allianz-Arena den Verein wohl teurer kommt als gedacht, muss das Gehaltsgefüge den Umständen angepasst werden. Das lässt nichts Gutes für die Qualität des bayerischen Fußballstandorts befürchten.

Womit wir nach dem großen Ganzen fragen, dem deutschen Fußball als solchen. "Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden", sagt "Ranger" im "Schuh des Manitu". Mal angenommen, Schalke wird in diesem Jahr Meister - was darf man von dieser Mannschaft in der Champions League erwarten? Einem Team, das soeben im Uefa-Cup an Donezk gescheitert ist? Deutscher Fußball, das galt einst als Spitzenprädikat auf internationalen Spielfeldern. Und 2005? Die DFL will der Öffentlichkeit Selbiges immer noch weismachen und jazzt die Bundesliga hoch zu einer intergalaktischen Klasse. Parma, Donezk und Alkmaar haben jedoch neulich erst den Sportfreunden in Stuttgart, Schalke und Aachen (okay, die sind nur zweitklassig) gezeigt, dass man sogar im Uefa-Cup gut ohne sie klar kommt.

Bleiben als letzte Europaabgeordnete wie immer die Bayern, deren Weiterkommen in der Champions League gegen den FC Arsenal höher eingestuft wird, als der Gegner wert ist. Wenn München auch noch das Viertelfinale übersteht, greift das Wort Sensation. Wenn nicht, dann schlagen wir nach bei "Ranger": Die Gesamtsituation des deutschen Fußballs macht unzufrieden.


Mit Brachialgewalt und mittlerweile 112 Millionen Euro Schulden im Gepäck ackert sich Schalke an den nationalen Krösus Bayern heran und wird irgendwann dort landen, wo der lokale Nachbar Dortmund soeben angekommen ist: Wer jetzt schon weiß, dass er aus finanziellen Gründen die nächsten acht Jahre in die Champions League kommen muss (so hat es Schalkes Finanzchef Joseph Schnusenberg ja gesagt), der wird irgendwann, im wahrsten Sinne des Wortes, sein blaues Wunder erleben.

Früh fällt der Vorhang

Schalker Fan mit Schale: Besoffen vor Glück
DPA

Schalker Fan mit Schale: Besoffen vor Glück

Vielleicht verläuft die Bundesliga ja künftig so: Eine Handvoll Clubs schaffen es, die Bayern im Titelkampf zu besiegen - um dabei aber so viel Kraft (und Geld) zu lassen, dass es so schnell zu keiner Wiederholung und in der Champions League nur noch zu Vorrundensiegen reicht (siehe Werder Bremen). Die Bayern pendeln national zwischen Rang eins und zwei, dürfen auf Europas Bühnen wegen ihrer Personalmenge noch ein bisschen länger mittun - doch weil der Verein die wirklich Guten (Zé Roberto) nicht halten kann und die vermeintlich Guten (Sebastian Deisler) nicht gut genug sind, fällt der Vorhang im Viertelfinale.

Somit bleibt der DFL nichts anderes übrig, als den Heimatsport Bundesliga als Nonplusultra zu verkaufen, dem Fan scheint es zu reichen: Er bekommt edle Stadien, rasante Abstiegskämpfe, und das Ruhrgebiet wird besoffen sein vor Glück, wenn Schalke Meister wird. Spätestens wenn die Mannschaft gegen Kiew aus der Champions League gekegelt wird, sollte auch Peter Lohmeyer nach Hause gehen und schweigen.

insgesamt 58 Beiträge
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Dominik Menakker, 11.04.2005
1.
Ach nee, die ganzen schönen alten Bayern Schalke und Stuttgart bashings einfach weg. Aber was solls, ich habe im alten Forum angekündigt, dass Schalke in Stuttgart was auf die Mütze bekommt. Ist auch eingetroffen. Bayern war gegen Gladbach unterirdisch schlecht. Und nächste Woche gibts dann bei Angstgegener Kaiserslautern so richtig was auf die Mütze. Meisterschaftsendspiel am letzten Spieltag: Stuttgart gegen München. Ich stell schon mal die Maultaschen warm!
ElTurco, 11.04.2005
2.
---Zitat von sysop--- Auf die Spitzenposition waren die Bayern in dieser Saison nicht abonniert, aber sie wahrten stets ihre Meisterschaftschancen. Dazu haben die abwehstarken Münchner gegenüber den Konkurrenten Schalke und Stuttgart das vermeintlich leichtere Restprogramm sowie das bessere Torverhältnis. Doch der Rekordmeister ist auch noch im DFB-Pokal vertreten und in den europäischen Wettbewerben der letzte Club, der die deutsche Fahne hochhält. Wird die Dreifachbelastung für die Bayern zum entscheidenden Nachteil in der Schlussphase der Meisterschaft? Oder gibt es am Ende das gewohnte Bild: Bayern vor den anderen? ---Zitatende--- Die Dusel-Bayern werden dieses Jahr das Lever(Vize)kusen-Trauma erleben und sich aus allen drei Wettbewerben verabschieden: Aus der CL am Dienstag, aus dem Meisterschaftsrennen am letzten Spieltag in Stuttgart und im Pokalfinal in Berlin gegen Schalke. Was es mit dem Bauern-Dusel auf sich hat, konnte man ja letzten Mittwoch gegen Chelsea (unberechtigter Elfer geschunden durch Ballack) und fast jeden BL-Samstag sehen (Wieder ein glücklicher Sieg in der 85.Min. gegen M.Gladbach) Irgendwann muss schiesslich Schluss sein mit Dusel !!! ElTurco (Anatolischer Rheinländer AufSchalke)
Dominik Menakker, 11.04.2005
3.
El Turco, auch Sie werden am letzten Spieltag heulen und zetern. Schalke nur auf 3 !?!
Willfried Sonntag, 11.04.2005
4.
---Zitat von ElTurco--- Die Dusel-Bayern werden dieses Jahr das Lever(Vize)kusen-Trauma erleben und sich aus allen drei Wettbewerben verabschieden: Aus der CL am Dienstag, aus dem Meisterschaftsrennen am letzten Spieltag in Stuttgart und im Pokalfinal in Berlin gegen Schalke. Was es mit dem Bauern-Dusel auf sich hat, konnte man ja letzten Mittwoch gegen Chelsea (unberechtigter Elfer geschunden durch Ballack) und fast jeden BL-Samstag sehen (Wieder ein glücklicher Sieg in der 85.Min. gegen M.Gladbach) Irgendwann muss schiesslich Schluss sein mit Dusel !!! ElTurco (Anatolischer Rheinländer AufSchalke) ---Zitatende--- Der Feuerkopf Kupferdaechle-Sammer hat richtig recht mit seiner Bescheidenheit. Stuttgart hat gerade starken Lauf und gegen Bremen und Schalke gewinnen, istschon recht gut. Aber jetzt nicht abheben Leut. Das laesst man lieber arrogante Schweinehaxe oder prollig Schlacke. Spaetzle e s s e n und sich freuen. Schaffa, spara, haeusle baua,............
Joe, 12.04.2005
5.
---Zitat von Willfried Sonntag--- Der Feuerkopf Kupferdaechle-Sammer hat richtig recht mit seiner Bescheidenheit. Stuttgart hat gerade starken Lauf und gegen Bremen und Schalke gewinnen, istschon recht gut. Aber jetzt nicht abheben Leut. Das laesst man lieber arrogante Schweinehaxe oder prollig Schlacke. Spaetzle e s s e n und sich freuen. Schaffa, spara, haeusle baua,............ ---Zitatende--- schaffen tun die schwaben gruendlich und effektiv. das gleich aber 'stuttgartisierung' -siehe spiegel- des dt. fussballs nennen, ist aber uebertrieben. verstehe auch nicht wie man dem mv einen zaubertrank zubilligt. der alte mann und das dfb sind ja so was von gestern..........
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