Bundesliga-Kommentar Scharfe Schüsse im Sportstudio

Ein befriedigender Spieltag, der diskrete Charme des Fußballlehrers, und warum man Leo Kirch derzeit nur danken kann.

Von Andreas Lampert


Dortmunder Jubel im Rostocker Ostseestadion
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Dortmunder Jubel im Rostocker Ostseestadion

Hamburg - Über den vierten Spieltag dürfen sich die Fußballfreunde hierzulande wirklich nicht beschweren. 34 Tore in neun Spielen, sechs Auswärtssiege sorgten am Wochenende für Aufregung, gleichzeitig wurden Bestleitungen aufgestellt. Dortmunds perfekter Start mit zwölf Punkten und 10:0-Toren in vier Spielen bedeuten ein Novum in der Bundesligageschichte. Möglicherweise entsteht im Herzen Westfalens nun doch so etwas wie ein funkelnder Palast, mit teuersten Ausstellungsstücken und eleganter Dienerschaft, der einen wieder neugierig macht.

Glück ist Kunst


Direkt neben der Borussia überraschen die Roten Teufel aus der Pfalz mit ebenfalls zwölf Punkten. Ein sensationeller Start, der wirklich nicht zu erwarten war. Wer die vier Spiele des 1. FC Kaiserlautern verfolgen durfte, hätte sich auch nicht gewundert, wenn die Mannschaft von Teamchef Andreas Brehme mit null Punkten das Tabellenende schmücken würde.

Die Querelen während der Vorbereitung hätten die perfekte Erklärung geliefert. "Es hätte auch anders laufen können, das wissen wir", gab FCK-Keeper Georg Koch unzögerlich zu verstehen. "Glück ist ein bisschen die Kunst, kein Pech zu haben", hat einmal der Fernsehjournalist Gerd Ruge gesagt. Am Betzenberg sind derzeit Artisten am Werk, deren Darbietungen wir staunend bewundern.

Danke Leo!


Es gibt in der Bundesliga noch etwas zu entdecken. Dabei kann man Leo Kirch und seiner Bande nur danken, die Festung "ran" aufgegeben zu haben. Keine Bundesligamannschaft hat in dieser Saison so schlecht abgeschnitten wie die Fußballshow, die vergangenen Samstag einen neuen Negativrekord aufgestellt hatte und auch dieses Wochenende vor sich hin kümmerte. 1,76 Millionen Zuschauer wollten die Sendung sehen, vielleicht aus purer Einsamkeit.

Möglicherweise ist der Grund für die Quittung, die "ran" jetzt serviert bekommt, weniger die Verlegung auf einen anderen Sendetermin, sondern, dass das bewährte Spaßformat ausgedient hat. Als Studiogast bei Jörg Wontorra debütierte der "brasilianische Zauberkünstler" Lincoln, zweifellos ein Ausrufezeichen des Spieltags, der sogleich als einziger Bundesligaspieler mit Zahnspange vorgestellt wurde. Ein Verzweiflungsscherz.

Geheimnisvoller Poschmann


Zu Hochform läuft hingegen derzeit das "ZDF-Sportstudio" auf. Der Klassiker mit Wolf-Dieter Poschmann als Moderator und Werner Lorant, Hannah Stockbauer, einem jungen Mann aus Eulenburg sowie dem DFB-Schiedsrichterlehrwart Eugen Striegel als Gästen bot am Samstag ein Spektakel des Absurden, das selbst die "Titanic"-Redaktion herausgefordert hätte.

Da lernte man die sympathische Seite des Fußballlehrers von der Isar kennen, der nur gelegentlich die Zähne fletscht und bei Schiedsrichtererläuterungen schon mal wegschlummert. "Das verbindet uns beide, sie und mich: 1860 München!" beendete Poschmann das Gespräch geheimnisvoll.

Auch bei der neueingeführten Kolumne von Schiedsrichterlehrwart Striegel konnte man wieder schier Unglaubliches lernen. So zum Beispiel, dass Pablo Thiams Torwartparade im eigenen Strafraum kein beabsichtigtes Handspiel war, weil der Spieler versucht hätte das Spielgerät mit der Brust zu erreichen, oder dass der Ball nicht mit dem vollem Umfang hinter Linie sein muss, sondern nur mit dem Durchmesser, um als Tor zu zählen! Wussten Sie das schon? Und was ist genau der Unterschied? Ein Wembleytor des jungen Mannes aus Eulenburg beim Torwandschießen brachte diese Information zu Tage.

Sportstudio-Gast Werner Lorant: "Achtung dahinten!"
DPA

Sportstudio-Gast Werner Lorant: "Achtung dahinten!"

Glaubten die Zuschauer nach Lorants artigem Dank für die berüchtigten Illustrationen von Harald Fritzges und Simone Pitz ("Mir gefallen diese Bilder sehr!") einem weiteren Höhepunkt beizuwohnen, sollte der Knaller des Abends noch kommen.

Als der zweite Studiogast, die zweifache Schwimmweltmeisterin Hannah Stockbauer aus Erlangen, auf die Bühne gebeten wurde und einen etwas benommenen Eindruck erweckte, traute man seinen Augen und Ohren nicht, als die Erklärung geliefert wurde. Ein gewisser "Herr Lorant" habe der 19-Jährigen beim Torwandschießen den Ball an den Kopf geknallt, was ein gar nicht schön anzusehendes Horn an Stockbauers Stirn hinterließ.

Lorant, in der Statistik der Frankfurter Eintracht immer noch als einer des besten Elfmeterschützen geführt, hatte seinen letzten Schuss mit einem angekündigten "Achtung dahinten!" in die Kulissen gehämmert und dabei die unschuldige Schülerin, immerhin eine Kandidatin für das "Ass des Monats", abgeschossen. Wahnsinn!



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