Krise beim 1. FC Köln "Es ist zum Kotzen!"

Der 1. FC Köln hat am elften Spieltag sein achtes Spiel verloren. Geschäftsführer Armin Veh verabschiedete sich, Trainer Achim Beierlorzer könnte bald folgen. Der Stadionsprecher brachte die Situation auf den Punkt.

Rolf Vennenbernd / DPA

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Die Ereignisse in der Nachspielzeit verfolgte Achim Beierlorzer fast regungslos. Die Arme hinter dem Rücken verschränkt, wartete er auf die Entscheidung des Videoschiedsrichters, nachdem sein Spieler Dominick Drexler Hoffenheims Sargis Adamyan im Strafraum getroffen hatte. Als Schiedsrichter Robert Kampka den Elfmeter gegeben und Jürgen Locadia in der achten Minute der Nachspielzeit zum 2:1-Sieg für die TSG verwandelt hatte, versteinerte die Mimik des Kölner Trainers komplett.

Noch während die FC-Spieler den Ball aus dem eigenen Tor fischten, war es der Kölner Stadionsprecher, der zuerst wieder die Worte fand. "98. Spielminute - es ist zum Kotzen!", rief Michael Trippel in das Mikrofon, bevor er pflichtbewusst den neuen Spielstand verkündete, der der achten Kölner Niederlage im elften Saisonspiel gleichkam.

Beierlorzer attestierte seiner Mannschaft nach Abpfiff im Interview mit DAZN ein gutes Spiel, beschwerte sich jedoch über die Elfmeterentscheidung des Schiedsrichterteams. "Es ist etwas Bitteres, was gerade mit uns passiert", sagte der 51-Jährige und nannte es "kurios", wann der Videobeweis zum Einsatz komme und wann nicht.

Beierlorzers Zukunft in Köln unklar

Tatsächlich war dem FC vor zwei Wochen in Mainz ein berechtigter Handelfmeter verweigert worden, weil Schiedsrichter Frank Willenborg sich trotz des Signals des Videoschiedsrichters entschieden hatte, weiterspielen zu lassen. Doch auch wenn Willenborg den Kölnern die Chance auf den Ausgleich gegeben hätte, sähe Beierlorzers Bilanz seit dem Amtsantritt zum Saisonbeginn mager aus.

Lediglich zwei Siege gelangen dem FC seit der Rückkehr in die Bundesliga, gegen Freiburg und Tabellenschlusslicht Paderborn. Außer dem Remis auf Schalke verlor Köln unter Trainer Beierlorzer jedes Ligaspiel, steht auf dem vorletzten Tabellenplatz. Im Pokal flog das Team in der zweiten Runde gegen Regionalligist Saarbrücken aus dem Wettbewerb.

"Ob ich bleiben kann, kann ich nicht beeinflussen", sagte Beierlorzer nach dem Spiel. Was das Vertrauen in Trainer angeht, zeigte sich der FC in jüngster Vergangenheit schwer berechenbar: In der Abstiegssaison 2017/2018 wurde Peter Stöger nach dem 14. Spieltag mit drei Punkten entlassen, allerdings nach einem Remis beim Tabellendritten Schalke. Nachfolger Stefan Ruthenbeck baute dieses magere Ergebnis nur um magere 19 Punkte aus, durfte jedoch bis zum Saisonende bleiben.

Nach dem Abstieg lag Neutrainer Markus Anfang wiederum in der 2. Bundesliga mit fünf Punkten Vorsprung vor dem Zweiten - bei drei ausstehenden Spielen - auf Platz eins. Kölns Geschäftsführer Sport Armin Veh machte jedoch nach vier sieglosen Spielen in Folge beim Team einen "negativen Trend" aus und entließ Anfang. Über Beierlorzers Zukunft, das steht seit der Niederlage gegen Hoffenheim fest, wird er nicht mehr mitentscheiden.

Trennung von Veh stand länger fest

Dass Veh gehen würde, stand ohnehin fest. Vor acht Tagen hatte der 58-Jährige verkündet, seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Nach Abpfiff dauerte es gerade einmal fünf Minuten, bis der Club die Trennung von seinem Geschäftsführer bekannt gab - mit sofortiger Wirkung. Die Vertragsauflösung geschah der Mitteilung zufolge "einvernehmlich", die Statements der Beteiligten sagten aber etwas anderes.

"Wir hätten uns eine längerfristige Zusammenarbeit mit Armin Veh sehr gut vorstellen können", sagte Club-Präsident Werner Wolf, "denn seine besonnene und kompetente Art haben dem FC sehr gutgetan." Veh hatte Ende 2017 die Nachfolge von Jörg Schmadtke angetreten und war mit Köln ab- und wieder aufgestiegen.

Die Stellungnahme Vehs klang in Anbetracht dieser emotionalen Monate, die er beim FC erlebt hatte, ein wenig nüchtern. Er wünsche dem Club "nur das Beste", er sei allen Mitarbeitern dankbar, er habe ein "hoch engagiertes, kompetentes und loyales Team" kennengelernt. In seiner Zeit beim 1. FC Köln habe er "viel Positives erlebt" - die Zusammenarbeit kurzfristig zu beenden, sei aus seiner Sicht aber "konsequent".

Es bleibt abzuwarten, ob der FC zum Auswärtsspiel in Leipzig am 23. November mit einer komplett neuen sportlichen Führung reisen wird. Dazwischen liegt noch die Länderspielpause - für angezählte Trainer traditionell eine besonders besorgniserregende Zeit.

insgesamt 28 Beiträge
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MarkusRasten 09.11.2019
1. Verbrannte Erde und
einen Verein in Trümmern hinterlässt Veh. Mal wieder! Ob als Trainer, Sportdirektor oder was auch immer. Nach der Trennung von Anfang hätte ein Trainer mit Erfahrung in Liga 1 dem FC gut getan, aber was wurde kolportiert? Boah Ey, was für ein schwieriges Anfangsprogramm! Neuzugänge, 10 Mio mehr ausgegeben als geplant, die bis heute keine Lust zum spielen haben oder sich auf dem Platz den Poppes aufreißen würden für diese Fans und den Verein. Natürlich ist der VAR immer schuld! Aber am Ende der Saison gleicht es sich aus, wie schon vielfach bewiesen. Dann ein Maulwurf im Vorstand, alles sickert nach aussen! Der Express schießt sich wieder ein und die Ultra's tun das was sie immer getan haben! Sinnfrei agieren zum Nachteil des Vereins! Nachdem Veh den Präsidenten Spinner demontiert hat, führte er sich auf als wenn der FC ihm gehören würde. Geblieben ist.....verbrannte Erde und Mal wieder gebrochene Herzen bei so vielen FC-Fans die nicht randalieren, prügeln und Bengalo's abfackeln. Ich hoffe und wünsche mir, als nicht FC-Fan, das die Kölner die Kurve bekommen. Schon alleine die Auswärtsfahrer bereichern die Liga, diese Stimmung und Leidensfähigkeit der Fans sollte belohnt werden. Damit mein Herzensverein nächstes Jahr wieder in Liga 1 gegen den FC spielen kann!
de Boer 09.11.2019
2. alle Jahre wieder.........
es ist eigentlich völlig belanglos wer jetzt beim FC in der sportlichen Verantwortung übernimmt. Ein erneuter Abstieg scheint mit dieser Mannschaft wohl wahrscheinlich. Als Aussenstehender kenne ich natürlich den Verein aus seiner Innenaufstellung nicht. Aber etwas in diesem Verein stimmt nicht, und das seit gefühlten 20 Jahren.
ein-berliner 09.11.2019
3. Kölner Karneval
Auch in Köln beginnt die echte Narrenzeit erst am 11.11. Aber: Et hätt noch immer jot jejange
schattengott 09.11.2019
4. Typisch Veh
Ein typischer Veh. Hält sich für den geilsten Typen auf der Erde und speziell im Fussballgeschäft, gibt Kohle über Limit aus und haut Rentenverträge raus - weil er das selber ja nicht ausbaden muss, denn wenn es nicht läuft (und das ist oft bei ihm) dann verlässt er als erster das von ihm zum Schlingern gebrachte Schiff.
Realist111 09.11.2019
5. Da wird geschwurbelt und gelogen, dass sich die Balken biegen ...
Die Stellungnahme Vehs, wenn sie denn so richtig wiedergegeben wurde ... "Er wünsche dem Klub "nur das Beste", er sei allen Mitarbeitern dankbar, er habe ein "hoch engagiertes, kompetentes und loyales Team" kennengelernt. In seiner Zeit beim 1. FC Köln habe er "viel Positives erlebt" - die Zusammenarbeit kurzfristig zu beenden, sei aus seiner Sicht aber "konsequent"." Weil Herr Veh ein hoch engagiertes, kompetentes und loyales Team kennen gelernt hat und weil er viel Positives erlebt hat und weil er allen Mitarbeitern dafür dankbar ist, ist es also konsequent, die Zusammenarbeit (kurzfristig) zu beenden??? Auf solche Begründung muss man erstmal kommen. Unglaublich, was da für ein Müll geredet und geschrieben wird. Eine Verarschung der Fans sondergleichen, aber demnächst irgendwo anders den nächsten Millionenvertrag abschließen und im Doppelpass bei Sport1 als "Experte" eingeladen werden. Mann, Mann, Mann ...
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