Erkenntnisse des Bundesliga-Spieltags Stindl gehört in die Nationalmannschaft

Mönchengladbachs Lars Stindl passt zur Spielidee von Bundestrainer Löw. Schalkes Hoffnung hängt an Amine Harit. Und die verzögerten Elfmeter von Robert Lewandowski sind unfair. Erkenntnisse des 15. Spieltags.
Gladbachs Kapitän Lars Stindl

Gladbachs Kapitän Lars Stindl

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Ulrich Hufnagel / imago images/Ulrich Hufnagel

1. Holen Sie Lars Stindl zurück, Herr Löw!

Die nächsten Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft stehen erst im März an. Das ist für Bundestrainer Joachim Löw insofern gut, als er sich im Alltag nur noch selten zur Aufarbeitung der 0:6-Klatsche gegen Spanien im November äußern muss. Und auch die Frage, ob Mats Hummels oder Thomas Müller in den Kader des DFB-Teams zurückkehren sollten, wird zurzeit nur am Rande diskutiert – das wird sich im März wieder ändern.

Doch was ist eigentlich mit Spielern wie Marco Reus, Max Kruse oder Lars Stindl? Dieses Trio, alle drei schon über 30 Jahre alt, ist weder zurückgetreten, noch wurde es vom Bundestrainer medienwirksam aussortiert. Die Hemmschwelle, bei einer Rückholaktion womöglich Fehler eingestehen zu müssen, ist nicht vorhanden. Nun ist Kruse länger verletzt und Reus deutete am Wochenende beim 3:1-Sieg seines BVB in Leipzig erstmals in dieser Saison an, dass er nach seinen vielen Verletzungspausen doch noch imstande ist, auf höchstem Niveau zu kicken. Bei Löw stand er immer auf dem Zettel.

Bei Lars Stindl ist das anders. Der Kapitän von Borussia Mönchengladbach spielt eine herausragende Saison. Er kommt auf 19 Torbeteiligungen in 23 Pflichtspielen. Beim 3:2-Sieg seiner Borussia im Topspiel gegen den FC Bayern zeigte Stindl, wie gut er in das angedachte System der Nationalmannschaft passen würde. Löw möchte schneller umschalten, weniger dominant auftreten, die Schnelligkeit seiner Stürmer Leroy Sané, Timo Werner und Serge Gnabry nutzen. Stindl ist in der derzeitigen Form der ideale Passgeber für diese Spieler.

Der 32-Jährige bereitete die beiden Tore von Jonas Hofmann mit zwei Pässen vor, wie sie nur wenige Bundesliga-Profis spielen können: in Bedrängnis, ohne Zeit, mit der idealen Länge und Genauigkeit. Bisher kommt Stindl auf elf Länderspiele, er ist Confed-Cup-Sieger 2017, den letzten Einsatz im DFB-Team hatte er 2018 im Vorfeld der WM bei der 0:1-Niederlage gegen Brasilien. Für Löw kann es nicht darum gehen, vor der EM 2021 noch weitere Neulinge oder Talente zu testen. Er benötigt spielerische Klasse, Erfahrung und Torgefahr – all das bringt Lars Stindl mit.

2. Amine Harit ist Schalkes Schlüssel zum Klassenerhalt

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der 4:0-Sieg des FC Schalke gegen die TSG Hoffenheim eine Art Befreiung war, oder ob bei den nächsten Rückschlägen die Verunsicherung aus 30 sieglosen Spielen zurückkehrt.

Der neue Trainer Christian Gross machte nach dem Erfolg deutlich, dass er weiterhin auf Verstärkungen hofft. Darüber wird in erster Linie die finanzielle Lage des verschuldeten Klubs entscheiden. Clemens Tönnies, der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der Schalker, wird – zur Erleichterung vieler Schalke-Fans – kein weiteres Geld in den Verein investieren. Es werden Spielerverkäufe zur Finanzierung benötigt und selbst dann ist fraglich, ob im Winter weitere Spieler der Klasse eines Sead Kolašinac den Weg nach Gelsenkirchen finden.

Amine Harit hat wieder Spaß auf Schalke

Amine Harit hat wieder Spaß auf Schalke

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Lars Baron / Getty Images

Das Spiel gegen Hoffenheim hat gezeigt, dass Gross bereits einen Zugang in seinen Reihen hat, mit dem auf Schalke niemand mehr gerechnet hat. Amine Harit ist der beste Fußballer in der Schalker Mannschaft. Das ist kein Geheimnis, nur waren seine Qualitäten ein gesamtes Jahr wie ausgelöscht. Schalkes Fans pflegen nicht umsonst eine Art Hassliebe zu Harit. 2018 war er in seiner Heimat Marokko in einen tödlichen Autounfall verwickelt. In der Hinrunde 2019/2020, als Schalke unter David Wagner auf Champions-League-Kurs war, war er an zehn Toren beteiligt. In den zwölf Monaten danach folgte ein weiterer Assist, ein bemerkenswerter Abstieg. Harit wurde zum Mitläufer, war zwischenzeitlich verletzt, wurde aus disziplinarischen Gründen suspendiert. Nun ist er zurück.

Der 23-Jährige bereitete mit raumgreifenden Schritten und präzisen Pässen die drei Tore von Matthew Hoppe vor, den Treffer zum 4:0-Endstand erzielte er selbst. Schalkes Spiel leidet seit Jahren an mangelnder Kreativität und fehlender Torgefahr, Harit kann das ändern. Er kann – denn zur Wahrheit dieses 4:0 gehört auch, dass es ihm kaum eine Mannschaft so leicht machen wird, wie es Hoffenheim getan hat.

3. Verzögerte Elfmeter sind unfair

Die Wahrscheinlichkeit, einen Elfmeter zu verwandeln, lag im Fußball vor der Corona-Pandemie bei etwa 75 Prozent. Unter diesem Aspekt war der 15. Spieltag für die Elfmeterschützen ein Erfolg, denn diesmal lag die Quote bei 100 Prozent: Robert Lewandowski, Wout Weghorst, zweimal André Silva und Nicolás González verwandelten ihre Versuche sicher.

Robert Lewandowski verzögert seine Elfmeter so geschickt, dass die Torhüter sich bewegen und keine Chance auf eine Parade haben

Robert Lewandowski verzögert seine Elfmeter so geschickt, dass die Torhüter sich bewegen und keine Chance auf eine Parade haben

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Moritz Mueller / imago images/Moritz Müller

In der Ausführung der Elfmeter waren klare Unterschiede zu erkennen. Während Weghorst und Silva in einer Bewegung durchliefen sowie wuchtig und flach ins Eck schossen, verzögerten Lewandowski und González beim Anlauf so lange, bis sich Gladbachs Torhüter Yann Sommer und Augsburgs Keeper Rafał Gikiewicz für eine Ecke entscheiden mussten. Wenn die Schützen das so ausgiebig zelebrieren wie Lewandowski und González, haben Torhüter letztlich keine Chance mehr, Elfmeter zu halten.

Elfmeter sind Strafstöße. Die Strafe wird verhängt, weil es ein Vergehen in der torgefährlichsten Zone gab. Deshalb werden die Schützen begünstigt, Finten sind vom Regelwerk her erlaubt, die Elfmeter werden berechtigterweise nicht zurückgepfiffen. Die Torhüter müssen seit dieser Saison sogar mit einem Fuß auf der Torlinie bleiben, was die Chance auf eine Parade weiter verringert. All das ist bekannt, es ist vom Prinzip her auch richtig. Und doch sind diese verzögerten Elfmeter ein Ärgernis. Sie sind unfair.

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