Bundesliga Magath wettert gegen Fußball-Söldner

Felix Magath will Profis, die trotz gültiger Verträge den Verein verlassen wollen, bestrafen. Der Schalke-Coach wirft solchen Spielern "Erpressung und Nötigung" vor. Sein eigener Club hat allerdings im Vorjahr von einem ähnlichen Fall profitiert.
Schalke-Coach Magath: Sperren für Streikprofis verlangt

Schalke-Coach Magath: Sperren für Streikprofis verlangt

Foto: Soeren Stache/ dpa

Hamburg - Schalke-Trainer Felix Magath hat Profis, die ihren Vereinswechsel gegen den Willen ihres Arbeitgebers durchsetzen wollen, heftig kritisiert. Der Coach des Vizemeisters fordert drastische Strafen und eine neue Vertragsgestaltung zwischen Clubs und Spielern. "Sperren für internationale Wettbewerbe wie die Champions League, zeitlich begrenzter Rauswurf aus der Nationalelf oder eine Wechselsperre für ein Jahr wären wirkungsvolle Instrumente, um die Machtbalance zwischen Spielern und Verein wieder auszutarieren. Davon würde der Fußball profitieren", schrieb der 57-Jährige in einem Gastbeitrag für das "Hamburger Abendblatt".

Der "Streikprofi" Demba Ba von 1899 Hoffenheim, die Abwanderungsgedanken des Schalker Spielers Jefferson Farfan oder des Hamburger Stürmerstars Ruud van Nistelrooy hatten zuletzt für Diskussionen gesorgt. Diese Zustände könnten laut Magath nicht mehr geduldet werden. "Diese Auswüchse drohen unsere gesamte Branche in Verruf zu bringen. Sie sind zu bekämpfen. Wechsel gehören zum modernen Profifußball wie zum Beispiel das Foulspiel. Während aber der Regelverstoß auf dem Spielfeld von Schiedsrichtern geahndet wird, gibt es im Miteinander zwischen Spielern und Vereinen keine unabhängige Instanz", schrieb Magath weiter.

Der Trainer setzte das Handeln der Stars und ihrer Berater mit "Erpressung" und "Nötigung" gleich. Das Bosman-Urteil habe die Clubs darüber hinaus dazu genötigt, sehr langfristige Verträge mit den Spielern abzuschließen, um dann im Idealfall irgendwann einmal eine höhere Transferentschädigung zu erhalten.

Vereine in "babylonischer Gefangenschaft"

Aber: "Die Profis sind dadurch in der komfortablen Situation, dass ihnen über einen großen Zeitraum die Sicherheit hoher Einkünfte garantiert wird. Die Vereine wiederum können nicht sicher sein, dass sie über denselben Zeitraum entsprechende sportliche Gegenleistungen erhalten. Sie haben sich damit in eine Art babylonische Gefangenschaft begeben, weil ihnen rechtliche Mittel und vertragliche Wege fehlen, dieser Abhängigkeit ohne nennenswerten Verlust zu entfliehen", so Magath.

Als Konsequenz daraus müsse laut Magath die Vertragsgestaltung künftig ganz anders gestaltet werden, weil sich nur finanzstarke Clubs die "Dysbalance" erlauben könnten. "Fußballprofis sind prinzipiell keine Angestellten, sondern Unternehmer. Entsprechend müsste die Vertragsgestaltung aussehen. Da sollten wie bei einem Bauauftrag an eine Firma Rechte und Pflichten für beide Seiten dezidiert niedergeschrieben werden - und entsprechender Schadenersatz bei Nichterfüllung", sagte Magath.

Schalke hat allerdings im vergangenen Sommer in einem vergleichbaren Fall für Verärgerung der Liga-Konkurrenz gesorgt. Auf Magaths Betreiben hin verließ der damalige Sportdirektor des VfB Stuttgart, Horst Heldt, trotz eines gültigen Vertrags vorzeitig den Verein, um sich dem FC Schalke anzuschließen. Damals hörte man von Magath keinerlei Kritik an diesem Vorgehen.

aha/sid
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