Mainz gegen Augsburg Triumph der Unterschätzten

Mainz 05 hat das Duell der Europa-League-Anwärter gegen Augsburg souverän gewonnen. Johannes Geis empfahl sich für höhere Aufgaben, Eric-Maxim Choupo-Moting stand vor dem Anpfiff im Mittelpunkt. Alles Wichtige zum Spiel.

DPA

Von


Ausgangslage: Mainz und Augsburg träumten von der Europa League. Mainz, Siebter, hatte drei Punkte mehr als die Gäste. Augsburg, Achter, war seit acht Auswärtsspielen unbezwungen.

Ergebnis des Spiels: Überraschend eindeutig. 3:0 (2:0) gewann der FSV. Niko Bungert traf zur Führung (22. Minute), Augsburgs Torwart Marwin Hitz verbuchte ein Eigentor (38.). Johannes Geis stellte per Traumschuss den Endstand her (83.). Mainz ist nun Sechster und hat nur vier Punkte Rückstand auf Platz vier. Augsburg bleibt Achter, der Rückstand auf die 05er beträgt aber nun fünf Punkte.

Die erste Halbzeit: Mainz durchbrach das hohe Augsburger Pressing immer wieder; auf dem Weg zum gegnerischen Tor ging aber oft die Durchschlagskraft verloren. Nach einem Eckball gelang die Führung durch Bungert, das 2:0 war dann kurios: Geis setzte Eric-Maxim-Choupo-Moting ein, dessen Schuss FCA-Torwart Hitz an den Pfosten lenkte. Matthias Ostrzolek wollte den Abpraller klären - und schoss den Ball mit voller Wucht in Hitz' Gesicht, von wo aus er ins Tor prallte. Sah wie Slapstick aus und war offenbar sehr schmerzhaft: Hitz blieb liegen und musste behandelt werden. Der Keeper konnte aber weiterspielen.

Die zweite Halbzeit: Bot deutlich weniger. Ja-Cheol Koo scheiterte an Hitz (51.), danach kam es lange Zeit zu keinem nennenswerten Abschluss - was vor allem für die Mainzer Defensive spricht. In der Schlussphase durchbrach Geis die Lethargie, sein Hammer aus knapp 30 Metern streifte den linken Innenpfosten und entschied die Partie.

Personalie des Spiels: Eigentlich hatte Niko Bungert gar nicht spielen sollen. Für den Verteidiger war ein gemütlicher Platz auf der Mainzer Bank vorgesehen, stattdessen sollte Nikolce Noveski auflaufen. Der aber verletzte sich beim Warmmachen, erst fünf Minuten vor Anpfiff erfuhr Bungert, dass er randurfte. Eine knappe halbe Stunde später bejubelte er sein erstes Saisontor.

Spieler des Spiels: Alle Mainzer Profis hören auf seine Kommandos, dabei ist Johannes Geis erst 20 Jahre alt. Warum er Chef im Mittelfeld des FSV ist, zeigte er gegen Augsburg: Wo andere in Panik geraten, bleibt Geis cool - und entdeckt dank dieser Ruhe Lücken im gegnerischen Pressingverbund. Er leitete das 2:0 mit einem herrlichen Heber ein, traf später per präzisem Schuss zum 3:0. Wohl nur eine Frage der Zeit, wann Geis erstmals zur Nationalmannschaft eingeladen wird.

Gute Seele des Spiels: Daniel Baier. Augsburgs Mittelfeld-Stratege kümmerte sich rührend um Mitspieler Tobias Werner, nachdem dieser in der ersten Halbzeit mit dem Mainzer Stefan Bell zusammengeprallt war. Baier bemerkte, dass Werner nach der Kollision benommen wirkte; mehrfach ging er in ruhigen Momenten zu seinem Kollegen und erkundigte sich nach dessen Befinden. Werner musste tatsächlich vor der Pause ausgewechselt werden.

Bitte des Spiels: FSV-Stürmer Choupo-Moting ist seit Wochen in starker Form. Das haben viele Bundesliga-Clubs registriert, Mainz sowieso. Sein Vertrag läuft zum Saisonende aus, und offenbar versucht wirklich jeder im Club, Choupo-Moting zu halten. "Bitte bleib' bei uns", flehte Stadionsprecher Klaus Hafner vor dem Anpfiff. Darauf angesprochen sagte der Angreifer bei Sky: "Schön zu hören, dass ich hier anerkannt werde." Er fühle sich wohl, wisse aber noch nicht, ob er wechselt oder bleibt, so Choupo-Moting weiter. Fortsetzung folgt.

Erkenntnis des Spiels: Oft ist von "Überraschungsmannschaften" die Rede, wenn es um Mainz und Augsburg geht. Tatsächlich wäre für Mainz die Qualifikation für Europa außergewöhnlich - aber nur in Bezug auf die finanziellen Voraussetzungen des Clubs in Relation zur Konkurrenz. Die sportliche Qualität reicht dagegen locker für Platz sechs: Choupo-Moting, Nicolai Müller, Shinji Okazaki, Koo, Geis, auch der unterschätzte Christoph Moritz könnten allesamt bei besser platzierten Teams unterkommen. Die Mannschaft ist zudem Woche für Woche taktisch hervorragend eingestellt. Was wiederum für den ausgezeichneten Trainer Thomas Tuchel spricht. Würde Mainz seinen sechsten Platz verteidigen, es wäre gewiss keine Sensation.

FSV Mainz 05 - FC Augsburg 3:0 (2:0)
1:0 Bungert (23.)
2:0 Hitz (38./Eigentor)
3:0 Geis (83.)
Mainz: Karius - Pospech, Bungert, Bell, Park - Moritz (90. Soto), Geis - Nicolai Müller (77. Malli), Koo (85. Zimling), Choupo-Moting - Okazaki
Augsburg: Hitz - Verhaegh (74. Mölders), Callsen-Bracker, Klavan (30. Hong), Ostrzolek - Vogt, Baier - Hahn, Halil Altintop, Tobias Werner (38. Esswein) - Bobadilla
Schiedsrichter: Marco Fritz (Korb)
Zuschauer: 30.014
Gelbe Karten: Nicolai Müller (6) - Halil Altintop, Hahn (10)
Torschüsse: 14:12
Ballbesitz: 54:46 %

Noch viel mehr Statistiken finden Sie in unserer Fußball-App!

insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Erich91 29.03.2014
1. Ach du lieber Gott
da hat Mainz gegen Augsburg gespielt, und gewonnen, mehr ist dazu nicht zu sagen.
günter1934 29.03.2014
2.
Zitat von sysopDPAMainz 05 hat das Duell der Europa-League-Anwärter gegen Augsburg souverän gewonnen. Johannes Geis empfahl sich für höhere Aufgaben, Eric-Maxim Choupo-Moting stand vor dem Anpfiff im Mittelpunkt. Alles Wichtige zum Spiel. http://www.spiegel.de/sport/fussball/bundesliga-mainz-05-siegt-gegen-fc-augsburg-a-961476.html
Auch das verlorenen Spiel gegen den Letzten Braunschweig wurde heute richtig gestellt, immerhin gegen jemanden verloren, der gegen Leverkusen unentschieden gespielt hat!
günter1934 29.03.2014
3.
Zitat von Erich91da hat Mainz gegen Augsburg gespielt, und gewonnen, mehr ist dazu nicht zu sagen.
Wenn Sie sich nicht für Fussball interessieren, warum beteiligen Sie sich dann hier beim Forum? Beim Wetten auf Augsburg gesetzt? Geschieht Ihnen recht! :-)
lorenzcarla 29.03.2014
4. Das 05er Management
Ist grundsolide. Stars (Schürrle, Kirchhoff, Holtby) werden für viele Millionen verkauft, solide "Oldies" wie Noveski sind prägende Vorbilder. Zudem haben Heidel/Tuchel mit das beste Scouting in Europa: nahezu alle Neuzugänge schlagen auch ein. Und nun das Wichtigste: Man merkt auch als Nicht-Fan, dass sich die (Ersatz-) Spieler gut verstehen und dass es die letzten beiden Coaches Klopp und der Alkohol-Abstinenzler Tuchel es vermögen, echte Einheiten zu präsentieren. Disziplinierte Kampf-Einheiten - ohne jegliches Stargehabe von Irgendjemand. Gruß aus dem Bergischen Land.
shaman1905 29.03.2014
5.
Zitat von lorenzcarlaIst grundsolide. Stars (Schürrle, Kirchhoff, Holtby) werden für viele Millionen verkauft, solide "Oldies" wie Noveski sind prägende Vorbilder. Zudem haben Heidel/Tuchel mit das beste Scouting in Europa: nahezu alle Neuzugänge schlagen auch ein. Und nun das Wichtigste: Man merkt auch als Nicht-Fan, dass sich die (Ersatz-) Spieler gut verstehen und dass es die letzten beiden Coaches Klopp und der Alkohol-Abstinenzler Tuchel es vermögen, echte Einheiten zu präsentieren. Disziplinierte Kampf-Einheiten - ohne jegliches Stargehabe von Irgendjemand. Gruß aus dem Bergischen Land.
Kirchhoff war ablösefrei, Holtby ausgeliehen und zwischen Klopp und Tuchel gab es noch einen anderen Trainer ... Daß der Don und Co solide Arbeit leisten, würde ich alledings jederzeit unterschreiben. Der Eisenmann genießt bei uns Denkmalschutz.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.