Schiedsrichter Gräfe kritisiert Ex-Chefs "Es ging nicht nach Leistung"

Scharfe Kritik von Manuel Gräfe: Der Fifa-Referee hat seinen ehemaligen Chefs Krug und Fandel vorgeworfen, ungeeignete Schiedsrichter gefördert zu haben. Als Beispiel nannte er Felix Zwayer.

Manuel Gräfe
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Manuel Gräfe


Bundesliga-Referee Manuel Gräfe hat die früheren Schiedsrichter-Chefs Hellmut Krug und Herbert Fandel verbal attackiert. "Die beiden haben sich ihre Schiedsrichterliste so zusammengebastelt, wie sie es wollten", sagte Gräfe dem "Tagesspiegel". "Es ging nicht vorrangig nach Leistung und deshalb zulasten des Fußballs, wie man ja auch an dem Leistungsabfall bis zum Sommer 2016 merkte."

Krug war zuletzt von der Deutschen Fußball Liga als Schiedsrichter-Manager zum Deutschen Fußball-Bund zurückgekehrt, Fandel war nach der vergangenen Saison als Vorsitzender der DFB-Schiedsrichterkommission zurückgetreten. Sein Nachfolger ist Lutz Michael Fröhlich. "Seitdem er die Verantwortung trägt, geht es ausschließlich nach Leistung", sagte Gräfe.

Hellmut Krug
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Hellmut Krug

Der 43 Jahre alte Gräfe sagte, es seien ungeeignete Schiedsrichter gefördert worden. "Da sind Leute in Positionen gekommen, für die sie einfach nicht gut oder weit genug waren. So etwas geht eben eine Zeit lang gut, wenn man sie intern und extern schützt, aber irgendwann fällt es dann auf."

Kritisch beurteilt Gräfe den Aufstieg des Berliner Schiedsrichter-Kollegen Felix Zwayer zum Fifa-Referee, obwohl dieser einst in den Skandal um Robert Hoyzer involviert war. "Wie kann so jemand bis in die Spitze der deutschen Top-Schiedsrichter kommen? Kann es vielleicht sein, dass Fandel und Krug dort einen Mann haben wollten, der ihnen zu bedingungsloser Loyalität verpflichtet war?"

Als Beispiel für Schiedsrichter, die hingegen unter ihren Möglichkeiten eingesetzt worden seien, nannte Gräfe neben anderen auch Bibiana Steinhaus. "Jetzt, nach nur einem Jahr unter der neuen Führung, darf sie auf einmal in der Ersten Liga pfeifen. Das ist exemplarisch", sagte der Fifa-Referee. Steinhaus wird in dieser Saison als erste Frau Begegnungen der höchsten deutschen Spielklasse leiten.

mfu/dpa



insgesamt 10 Beiträge
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widower+2 19.08.2017
1. Stimmt!
Wenn es nur nach Leistung gegangen wäre, hätte Bibiana Steinhaus schon seit ein paar Jahren in der ersten Liga pfeifen müssen. Jetzt ist es ja zum Glück so weit.
equamicus 19.08.2017
2. Hmm...
Also ich erinnere mich da an so ein Spiel...Er scheint also auch durchaus von den Leuten profitiert zu haben und ebenfalls geschützt worden zu sein. Und auch das eine Mal in der zweiten Liga, wo ich ihn Live erleben durfte, war es nicht nur nach meiner Einschätzung (auch Bewertung im Kicker) eine unterirdische Leistung. Aber das wollte er sicher damit auch kritisieren ;)
biene1964 19.08.2017
3. DFB - Schiedsrichterkommisionen...
Also Felix Zwayer das stimmt geht garnicht....aber alle Kommisionen haben bzw. sind Korrupt wie leider vieles im System...ich bin auch Schiedsrichter seit 25 Jahren und kenne das System....leider....so ist es und wird es bleiben....l.g aus Woltersdorf
joe.micoud 19.08.2017
4.
Respekt Herr Gräfe! Wahre Worte!
micheleyquem 20.08.2017
5. Was hätte man denn sonst vom DFB erwarten können?
Eigentlich sollte man ins Stadion gehen um einfach nur ein Fussball-Spiel zu geniessen. Nichts ist zB so ärgerlich wie dieser ganze völlig überflüssige und peinliche Zirkus, wie vor dem Saisonauftakt in der Allianz Arena. Und den Nerv das Ganze dann auch noch "Choreographie" zu nennen Aber diese Woche habe ich die Protest Banner zum ersten Mal wirklich verstanden. Gibt es wirklich keinen Weg diesen ganzen korrupten Laden loszuwerden? Auch die 6 Millionen Euro Geschichte bei der WM haben "unsere" Sportjournalisten wieder im Papierkorb verschwinden lassen. Sonst gibts keine Infos vom DFB mehr, und kein Verlag wird so einen Sportreporter auf der schwarzen Liste dann noch einstellen! Kann man nur sagen: Bravo!
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