Schalker Katastrophensaison Die Kohle nicht wert

Zechen-Romantik vor dem Spiel, Abstiegssorgen danach: Gegen Bayer Leverkusen verlor Schalke erneut. Weil die teuren Zugänge wiederholt enttäuschten, muss ein Talent Hoffnung verbreiten.

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Knapp(e) daneben: Langsam flog der Ball in der 35. Minute auf Schalkes Torwart Ralf Fährmann zu. So richtig Druck bekam Bayer-Stürmer Lucas Alario nach einer Drehung nicht hinter den Schuss. Doch das reichte: Fährmann ließ den Ball unter sich durchrutschen. Seine Reaktion? Er reklamierte ein Handspiel von Alario. Effektiver wäre es gewesen, den unplatzierten Schuss einfach festzuhalten.

Das Ergebnis: Schalke verlor 1:2. Hier geht's zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Tatsächlich sah Alarios Handbewegung beim 2:0 nicht ganz sauber aus und es wurde diskutiert. Genauso wie über die vermeintliche Abseitsposition von Aleksandar Dragovic beim Führungstreffer in der 26. Minute. Beides befand Schiedsrichter Deniz Aytekin jedoch für regelkonform. Immerhin traf vor der Pause der 20 Jahre alte Haji Wright zum 1:2 (45.+2) und Schalke hatte wieder Hoffnung.

Die zweite Hälfte: Hätte in der 72. Minute den Ausgleich bringen müssen, als der eingewechselte Yevhen Konoplyanka frei vor Lukas Hradecky im Bayer-Tor auftauchte. Doch der Angreifer schoss den Ball vorbei. Umkämpft war diese Partie, spielerisch wurde allerdings wenig geboten.

Schicht im Schacht: Vor dem Spiel zelebrierte das gesamte Stadion, angeführt von Vereinspräsident und Zeremonienmeister Clemens Tönnies, noch einmal die Bergbau-Vergangenheit der Region. Der Anlass: Am 21. Dezember wird mit der Schließung der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop der deutsche Steinkohlebergbau endgültig eingestellt. Es war ein Spektakel:

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Schalkes Niederlage: Glück auf, der (Ab)Steiger kommt

Gestern und heute: Die historische Verbindung zum Bergbau will dem Klub niemand absprechen. Klar ist aber auch: Schalke 04 ist ein riesiges Wirtschaftsunternehmen und einer der finanzstärksten Klubs im deutschen Fußball. Glaubt man den Zahlen, hat der Verein in dieser Saison seine Rekordausgaben aus dem vergangenen Jahr noch einmal gesteigert.

Kohle verheizt: Mehr als 50 Millionen soll der Klub vor der Saison in neue Spieler investiert haben. Lediglich Salif Sané stand von den Zugängen in der Startelf, Suat Serdar und Steven Skrzybski kamen von der Bank. Überhaupt ist Innenverteidiger Sané neben Nabil Bentaleb und Amine Harit einer der wenigen Leistungsträger, die in den vergangenen zwei Jahren verpflichtet wurden. Ein eher schwacher Ertrag für eine dreistellige Millionensumme.

Fehlende Zielstrebigkeit: In fast allen Belangen sprachen die Zahlen in dieser Partie für Schalke. Sie gewannen mehr Zweikämpfe, hatten mehr Ballbesitz, bekamen mehr Ecken und gaben mehr Torschüsse ab. Nur in einer Statistik war Leverkusen besser: Torschüsse aufs Tor. Ein Wert, der entscheidend sein kann.

Das Stürmer-Problem: Ein Grund für die Abschlussschwäche des Teams von Domenico Tedesco ist die seit Wochen andauernde Abwesenheit gelernter Stürmer. Heute durfte Talent Wright ran und traf mit seinem einzigen Abschluss - ein kleiner Lichtblick. Aushilfsangreifer Weston McKennie und die eingewechselten Steven Skrzybski und Konoplyanka brachten es zusammen auf einen weiteren Schuss aufs Tor.

Drohender Schichtwechsel: In der Vorsaison lag Schalke nach dem 16. Spieltag auf Platz zwei der Tabelle und hatte mit 29 fast doppelt so viele Punkte wie aktuell. 15 Punkte am 16. Spieltag hatte der Klub zuletzt in der Saison 1994/1995 - und da gab es noch die Zwei-Punkte-Regel. Es dürfte eng werden für Domenico Tedesco.

Licht am Ende des Schachts? Schalke konnte erst vier Spiele in dieser Spielzeit gewinnen. Mit Ausnahme des Erfolgs gegen Mainz konnten sie dabei nur gegen Teams gewinnen, die aktuell in der Tabelle noch weiter unten stehen (Düsseldorf, Hannover, Nürnberg. Da scheint es ein gutes Zeichen zu sein, dass als letzter Gegner der Hinrunde mit Stuttgart ein weiteres Team wartet, das noch hinter Königsblau liegt. Für Schalke steht viel auf dem Spiel: Verliert das Team bei einem gleichzeitigen Punktgewinn der Fortuna in Hannover, überwintert es auf dem Relegationsplatz.

Schalke 04 - Bayer Leverkusen 1:2 (1:2)
0:1 Dragovic (26.)
0:2 Alario (35.)
1:2 Wright (45.+1)
Schalke: Fährmann - Caligiuri, Sané, Nastasic, Oczipka - Schöpf (71.Konoplyanka) , Stambouli, Bentaleb (54. Serdar), Harit - McKennie, Wright (54. Skrzybski)
Leverkusen: Hradecky - Weiser, Tah, Dragovic (60. Jedvaj), Wendell - Kohr, Baumgartlinger - Bellarabi (89. S. Bender), Havertz, Bailey - Alario (70. Volland)
Schiedsrichter: Deniz Aytekin
Zuschauer: 61.548
Gelbe Karten: Harit, Stambouli, Serdar, McKennie / Bellarabi, Baumgartlinger, Hradecky, Weiser



insgesamt 7 Beiträge
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hileute 19.12.2018
1. Schalke hat nur spieler
von Abstiegskandidaten oder Zweitligisten geholt. Dass das, zusammen mit einem mittelmäßigen Trainer, nicht für die Qualifikation für die europäischen Wettbewerve reicht sollte niemanden wundern. Vielmehr frafe ich mich wer überhaupt auf die Idee gekommen ist das das klappen soll.
ortibumbum 20.12.2018
2. Fährmann und Tedesco
Die beiden tragen zum Untergang von Schalke bei. Fährmann durch seine unentwegte Laberei und Tedesco wg. seiner nicht vorhandenen Durchsetzungskraft vielleicht auch spielerischen Intelligenz. Schalke ist kein Wohlfühlverein; da muss mallocht werden. 90 Minuten und mehr !
mgrevenstein 20.12.2018
3. Jose
ist gerade freigestellt. Tedesco kommt offensichtlich nicht mehr an die Mannschaft ran. Aber anscheinend ist den Verantwortlichen ihr Wort wichtiger als die mit dieser Leistung entstehende finanzielle Situation.
buttersack 20.12.2018
4. Alternative Fakten?
@Hileute "Nur Spieler von Abstiegskandidaten der Zweitligisten geholt." Als erstes fielen mir Uth (vom CL-Teilnehmer) und Mascarell (vom Pokalsieger) ein, aber nun gut...
ehrenwort2000 20.12.2018
5. Schalke und Kohle ?
hier in Marl wundern sich jede Menge Kumpels über das Ende der Steinkohleära. Da wird ein Hype raus, unvorstellbar. Plötzlich haben alle die Pütt's voll lieb. Meine Brüder und ich haben in Löcher gearbeitet, da kam nie ein Schalker hin. Die , die fürstlich Bezahlt werden für Fußball spielen. Die letzten Kumpels für vergleichbar ein paar Mücken weit reisen, auch umziehen. Das ,was die Schalker gestern an Leistung auf dem Platz brachten, hätte auf'n Pütt keine Tröte Koks gegeben. Glückauf von einem richtigen Bergmann
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