Fotostrecke

Fotostrecke: Vom Fluch gezeichnet

Foto: Scott Heppell/ REUTERS

Bundesliga-Prognosen Fluch der Akribik

Bei Prognosen vor dem Ligastart liegt unser Autor Peter Ahrens regelmäßig daneben. Seine Irrtümer sind legendär. Ist Fußball so gemein, oder liegt ein Fluch auf ihm?

Ich schätze, ich muss das jetzt machen. Kollegen, Freunde, Bekannte haben mich drauf angesprochen, sie haben mich fast inständig gebeten: "Schreib doch zum Ende der Winterpause mal was Positives über RB Leipzig." Sie wissen um meine Qualitäten. Sie kennen den Ahrens-Fluch.

Also machen wir es kurz: Die Aussichten, dass der Aufsteiger aus Leipzig, gepampert mit den Millionen des Herrn Mateschitz, in diesem Jahr den Titel des Deutschen Meisters gewinnt, sind trotz der Niederlage gegen die Bayern vor Weihnachten, unverändert. Unverändert gut. RB wird am Wochenende mit einem Sieg über Eintracht Frankfurt den nötigen Schwung in die Rückrunde mitnehmen und ausnutzen, dass die Bayern im Frühjahr ihre Kräfte in der Champions League binden.

So, damit dürfte das Schicksal des ehrgeizigen Aufsteigers besiegelt sein. Es ist der publizistische Kiss of Death.

Vorhersagen im Fußball zu treffen, ist eine komplizierte Sache. Es gibt in diesem Sport so ärgerliche Dinge wie den Zufall, der sich heimtückischerweise nicht vollständig ausschalten lässt, oder den Umstand, dass einer Mannschaft immer noch eine zweite Mannschaft gegenübersteht, und darüber hinaus beide dasselbe Ziel verfolgen. Dennoch hat man immer eine 50:50-Chance, richtig zu liegen. Eigentlich.

Ich weiß nicht, wie es angefangen hat, Damit vielleicht, dass ich 2012 zur Europameisterschaft fröhlich und ausführlich über die sicheren Startelfkandidaten Miroslav Klose ("Der Alte macht's noch mal") und Per Mertesacker ("Der Turm steht wieder") geschrieben habe. In der Anfangsformation standen dann Mats Hummels und Mario Gomez. Kann passieren.

Aber es ging weiter. 2013 habe ich vor der Bundesligasaison den FC Schalke zum großen Konkurrenten des FC Bayern erkoren. "Meister 2014 - warum nicht Schalke?", schloss der Artikel, der hervorhob, wie sehr der Verein seine selbstzerstörerischen Kräfte endgültig in den Griff bekomme und wie sicher Trainer Jens Keller im Sattel sitze. Schalke beendete die Spielzeit mit 26 Punkten Rückstand auf den FC Bayern. Der vermeintliche Meistermacher Keller wurde im Oktober 2014 entlassen.

Von da an nahm der Ahrens-Fluch seine Dynamik auf. Da ich seit geraumer Zeit auf Twitter an jedem Freitag den direkt bevorstehenden Spieltag tippe, wurde man auch dort langsam auf ihn aufmerksam.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

In der Vorsaison waren der VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen meine allerersten Anwärter, um den Bayern die Meisterschaft streitig zu machen. Wolfsburg war für mich "der Hochadel der Liga, infrastrukturell, ökonomisch, sportlich vollgesogen", Bayer "jetzt endlich so weit, die Bayern herauszufordern". Diesmal betrug der Abstand der Leverkusener am Saisonende zum Tabellenersten 28 Punkte. Wolfsburg wurde Achter.

2014 habe ich, zugegeben etwas kühn, den SC Paderborn, damals sensationeller Bundesliga-Tabellenführer, zu Saisonbeginn mit der Überschrift versehen: "Das ist Deutschlands derzeit beste Fußballmannschaft." Der Verein steht mittlerweile kurz vor dem Absturz in die vierte Liga.

Als André Schubert in der Vorsaison als Nachfolger von Lucien Favre einen Anfangserfolg nach dem nächsten anhäufte, war ich vorsichtig geworden. Als die Gladbacher in der Liga jedoch den FC Bayern besiegt hatten und selbst in der Champions League bei Manchester City zur Pause 1:0 führten, konnte ich meine Zurückhaltung aufgeben und twitterte: "Schubert scheint mir tatsächlich ein Guter zu sein." Anschließend kassierte Gladbach vier Tore in der zweiten Hälfte und verlor das nächste Ligaspiel bei Leverkusen 0:5.

Es war aus alter Verbundenheit mit der Borussia das allererste Mal, dass ich einen Tweet willentlich wieder gelöscht habe, um den Ahrens-Fluch noch nachträglich auszuradieren. Aber was einmal im Internet steht, kann man nicht mehr ungeschehen machen. Wer wüsste das besser als SPIEGEL ONLINE?

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Ich habe meine Aktivitäten mittlerweile international ausgeweitet. Als der FC Chelsea zuletzt 13-mal nacheinander in der Premier League siegte, habe ich einen Text geschrieben, der mit dem Satz endete: "Es wartet der 14. Sieg in Folge." Für Gegner Tottenham war es natürlich eine Steilvorlage, die Serie der Blues postwendend mit einem 2:0-Erfolg zu beenden. Vielleicht mache ich ein Geschäftsmodell daraus. Hashtag #ahrensfluch.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Ich konnte mich auf Vorbilder berufen. Unvergessen die Saisonprognose des hochgeschätzten Kollegen Christoph Biermann, der sich vor der Spielzeit 2010/2011 bei SPIEGEL ONLINE festlegte: "Kein Geld, keine Chance: Aufsteiger Kaiserslautern wird gleich wieder absteigen - und den zerstrittenen Klub aus Hannover mitnehmen." Hannover landete am Ende auf Platz vier und war damit so gut wie nie zuvor. Lautern verpasste die Europa-League-Plätze als Siebter nur ganz knapp.

Wenn selbst Biermann, mittlerweile Chefredakteur des ebenfalls hoch geschätzten Magazins "11 Freunde" und wahrscheinlich der einzige Journalist, der jemals auf einem DFB-Bundestag ein Grußwort sprechen durfte, in jeder Beziehung ein Leuchtturm der Branche, sich so irrt, dann darf ich das auch. Außerdem brauchte es ja jemanden, der sein würdiges Erbe antrat.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Also habe ich vor dieser Saison Eintracht Frankfurt zum sicheren Absteiger ernannt. Die Eintracht hat daraufhin Dortmund und Schalke geschlagen, hat dem FC Bayern ein Remis abgetrotzt und steht nach 16 Spieltagen sensationell gut auf Rang vier. Empörte Frankfurt-Anhänger haben daraufhin bereits eine Entschuldigung eingefordert.

Dem komme ich selbstverständlich gerne nach. Mehr noch, ich korrigiere meine Prognose und stelle hiermit klar: Eintracht Frankfurt wird den Höhenflug in der Rückrunde fortsetzen und sich souverän für den internationalen Wettbewerb qualifizieren.

Tja, das tut mir jetzt leid, liebe Frankfurter.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.