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23. Mai 2017, 16:34 Uhr

Bundesliganoten

Thiagos Triumph - das ist die Top-Elf der Saison

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Thiago oder nix: Der Bayern-Star ist der beste defensive Mittelfeldspieler der Bundesliga - und auch der stärkste auf der offensiven Position. In der Top-Elf der Saison stehen gleich sechs Münchner - aber kein Dortmunder.

Quizfrage: Welche Mannschaft hat in der abgelaufenen Bundesligasaison mehr gegnerische Torschüsse zugelassen - der Hamburger SV oder die TSG Hoffenheim?

Genau, die TSG. Dass Champions-League-Qualifikant Hoffenheim trotzdem weniger Tore kassierte als Relegationsvermeider HSV, liegt auch an den Keepern. Denn während Hamburgs René Adler der zweitschwächste Torhüter im SPIX-Saisonranking ist, landet Hoffenheims Oliver Baumann ganz oben. Kein Torhüter mit mindestens zwölf bewerteten Einsätzen hielt besser als der 26-Jährige.

Der Saisonaufsteiger unter den Torhütern kommt aus Bremen. Felix Wiedwald hatte in der Hinrunde seinen Platz zwischenzeitlich an Jaroslav Drobny verloren. Ab dem 17. Spieltag spielte er permanent und schaffte es viermal auf einen der beiden ersten Plätze.

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Kein Bundesliga-Innenverteidiger ist besser gewesen als Mats Hummels. Schon wieder. Wie im Vorjahr, damals noch bei Borussia Dortmund, hat der 28-Jährige die Konkurrenz abgehängt. Der Schlüssel: Hummels' große Passstärke, die geringe Anzahl gegnerischer Torchancen, die der Münchner und seine Abwehrkollegen zuließen, und vielleicht auch das Fehlen seines wohl stärksten Rivalen, Jérôme Boateng, der nicht die erforderliche Anzahl bewerteter Einsätze erreichte.

Auf dem zweiten Platz des Rankings und damit knapp vor Konkurrenten aus München, Dortmund und Hamburg (!) steht ein Hoffenheimer: Benjamin Hübner, der einen Top-Wert in der Kategorie der abgefangenen Pässe erreicht. Der Absteiger der Saison heißt Aytac Sulu. In der Vorsaison glänzte Darmstadts Abwehrchef noch mit sieben Treffern und Platz 13 im SPIX-Ranking. Diesmal waren es nur noch zwei Tore, zudem kassierte die Defensive des Tabellenletzten zehn Treffer mehr als im Vorjahr.

David Alaba gehört nicht nur zu den besten, sondern auch zu den intelligentesten Fußballern der Bundesliga. Zum zweiten Mal steht der 24-Jährige in der SPON11 der Saison, diesmal aber auf einer anderen Position als noch in der vergangenen Spielzeit. Damals war Alaba der zweitbeste Innenverteidiger der Liga, nun ist er der beste Außenverteidiger, und man darf davon ausgehen, dass der Österreicher auch auf zwei bis drei anderen Position ganz vorn mitmischen würde. Zweiter im Ranking ist Bayerns Juan Bernat, der zwar längst nicht immer spielen durfte, beim Spielen aber meist überzeugte. Eine gute Platzierung erreichte auch Philipp Lahm in seiner letzten Saison.

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Der beste Sechser der Bundesliga heißt Thiago. Und es gibt nicht wenige Experten, die "Sechser" getrost gegen "Spieler" austauschen würden. Der 26-Jährige verkörpert durch die rare Mischung aus Balleroberungsqualitäten, Spielintelligenz und Technik absolute Weltklasse. Es gab nur wenige Bayern-Spiele, in denen er nicht sowohl die meisten Ballkontakte und erfolgreichen Pässe ins Angriffsdrittel als auch die meisten abgefangenen Pässe und aufgesammelten zweiten Bälle verbucht hat. Das Resultat sind acht (!) Top-Platzierungen in den Spieltagsrankings.

Auch weit vorn gelandet sind Münchens Xabi Alonso und Arturo Vidal sowie Bald-Nationalspieler Diego Demme und Naby Keïta von RB Leipzig.

Es ist fast acht Jahre her, da kam Arjen Robben als Joker in einem Spiel gegen Wolfsburg zu seinem ersten Einsatz für den FC Bayern - und schoss direkt zwei Tore. Damals erweckte er den Eindruck, zu gut zu sein für die Defensiven der Bundesligisten. Wie wahr. Noch immer rennt Robben vorbei an Abwehrreihen, von rechts außen nach innen, Schuss, Tor. 13 Treffer und neun Vorlagen gelangen Robben in dieser Saison, hochgerechnet auf seine Spielzeit ist er an einem Tor pro Partie beteiligt.

Von dieser Quote kann der zweite Außenbahnspieler der Top-Elf nur träumen, Vincenzo Grifo brachte es auf eine halbe Torbeteiligung je 90 Minuten. Es hätten aber deutlich mehr sein können, wenn Grifos Mitspieler beim SC Freiburg nicht Florian Niederlechner oder Nils Petersen geheißen hätten, sondern Robert Lewandowski. Denn die 2,6 Torschussvorlagen, die Grifo im Schnitt produzierte, sind sogar mehr, als Robben geschafft hat.

Der beste Zehner der Bundesliga heißt Thiago. Nein, Sie haben sich nicht verlesen, der Spanier steht tatsächlich zweimal in der SPON11 der Saison. Wie das geht? Thiago absolvierte sowohl im defensiven als auch im offensiven Mittelfeld die erforderliche Anzahl an bewerteten Spielen. Und weil er eben nicht nur ein herausragender Spielaufbauer und Balleroberer ist, sondern auch Chancen kreiert, steht Bayerns neuer Boss noch vor Assistkönig Emil Forsberg von Leipzig oder Hoffenheims Kerem Demirbay.

Interessant ist auch ein Blick auf Rang drei, denn dort steht Thomas Müller. Müller? Hat der Münchner nicht seine schwächste Saison seit Jahren gespielt? Einerseits schon, davon zeugen mickrige fünf Tore. Wenn Müller aber nicht auf dem Flügel, sondern hinter Stürmer Lewandowski spielen durfte, war er oft wie ausgewechselt. Ab dem 13. Spieltag war das meist der Fall. Seither schaffte er 16 seiner 19 Torbeteiligungen.

Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang ist mit 31 Treffern Torschützenkönig geworden. Kölns Anthony Modeste landete mit 25 Toren auf Platz drei. Beide stehen nicht in der SPON11. Mehr noch, sie haben eine Berufung sogar klar verfehlt. Wie kann das sein?

Beispiel Aubameyang: Der 27-Jährige kann, wenn man seine Tore ausklammert, in vielen Bereichen nicht mit der Konkurrenz mithalten. Er bereitete im Schnitt nur knapp halb so viele Torchancen vor wie besser platzierte Stürmer, und auch in Sachen Defensivarbeit blieb Aubameyang hinter vielen Angreifern zurück. Das mag egal sein, solange er trifft. Doch zum einen war der Gabuner, anders als etwa Robert Lewandowski und Max Kruse, seiner Mannschaft in Partien ohne persönlichen Torerfolg keine große Hilfe. Ein Schicksal, das viele reine Mittelstürmer teilen. Und zum anderen sind Tore nicht gleich Tore.

Der SPIX bewertet solche Ausgleichs- und Führungstreffer höher als solche, die den Spielausgang nicht mehr entscheidend beeinflussen. Ein Tor zum 1:0 bringt mehr als eines zum 5:0. Hier büßt Aubameyang Punkte ein.

Und das ist die Elf der Saison in der taktischen Aufstellung.

Sie wollen wissen, wie wir gerechnet haben? Wie die SPON-Bundesliganoten entstehen? Und warum wir bewusst keine Schulnoten vergeben? Hier finden Sie alle Infos zum SPIX.

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