Bundesliganoten Das ist die beste Elf der Saison

Tore sind nicht alles: Der beste Stürmer der Saison im SPIX heißt nicht Robert Lewandowski. Lesen Sie in der Analyse, warum das so ist - und warum die stärkste Defensive nicht den besten Abwehrspieler stellt.
Claudio Pizarro

Claudio Pizarro

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Wenn man die Leistungen von Torhütern auf statistischer Basis erfasst, dann sehen die Keeper von Abstiegskandidaten oft besser aus als die von Spitzenteams. Das liegt daran, dass hervorragende Defensiv-Teams wie zum Beispiel Bayern München gegnerische Angriffe meist gar nicht erst zulassen. Hoffenheim hingegen kassiert pro Spiel im Schnitt mehr als doppelt so viele Schüsse wie die Münchner. Das bietet den Torhütern dieser Vereine Gelegenheit, sich auszuzeichnen. So erklärt sich, dass von den besten sechs Keepern im SPIX dieser Saison fünf bei Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte spielen. Der beste von ihnen war Frankfurts Lukas Hradecky. Gerade in den drei aufeinanderfolgenden Siegen am Saisonende, die der Eintracht letztlich zumindest den Relegationsplatz retteten, wuchs der Finne über sich hinaus.

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Ein Innenverteidiger von Borussia Dortmund ganz vorne in der Elf der Saison? Haben die nicht doppelt so viele Gegentore kassiert wie der FC Bayern? Das stimmt. Es gibt mehrere Gründe, die dazu geführt haben, dass Mats Hummels in unserer Messung der beste Abwehrspieler des Jahres war. Zum einen sind 34 Gegentore in 34 Spielen ein guter Wert. Einzig die defensive Rekordsaison der Bayern lässt die Dortmunder Bilanz schlecht aussehen. Bei den Münchnern gab es aber zu viele Wechsel auf den Positionen in der Abwehr, sodass nicht viele Spieler 17 Partien als Innenverteidiger erreichten. Diese Mindestanzahl an benoteten Auftritten auf einer bestimmten Position ist jedoch nötig, um auf dieser für die SPIX-Elf der Saison berücksichtigt zu werden. David Alaba bestritt als einziger Bayern-Profi genug Spiele im Abwehrzentrum - und ist Zweiter hinter dem Dortmunder. Hummels spielt zudem allerdings auch eine wichtige Rolle im Spielaufbau des BVB. Das Ziel des SPIX ist es, Fußball als ganzheitlichen Mannschaftssport zu erfassen, in dem es nicht die einzige Aufgabe eines Abwehrspielers ist, Tore zu verhindern, und ein Stürmer nur an den erzielten Toren gemessen wird. Dazu später mehr.

Reine Defensivspieler gibt es unter Josep Guardiola nicht. Auch die Qualitäten von Rafinha sind auf der Außenbahn vorne und hinten zu finden. Kein Bundesligaspieler hatte in dieser Saison eine bessere Passerfolgsquote als der Brasilianer. BVB-Profi Lukasz Piszczek ist der zweitbeste Außenverteidiger der Saison im SPIX. Das überrascht schon eher, hatte der Pole doch seinen Stammplatz zunächst an Matthias Ginter verloren. Er eroberte ihn allerdings gerade noch rechtzeitig zurück, um die für die Saisonelf nötige Mindestanzahl von 17 benoteten Spielen zu erreichen.

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Julian Weigl war zweifellos der Senkrechtstarter der Bundesligasaison. Der Dortmunder hat seine Berufung in den vorläufigen EM-Kader von Joachim Löw nach einer hervorragenden Saison beim BVB verdient. Tatsächlich war er auch im SPIX der beste deutsche Sechser in der abgelaufenen Spielzeit. Doch zwei Profis, die Löw nicht nominieren durfte, schnitten noch etwas besser ab als Weigl: Xabi Alonso und Arturo Vidal. Schon nach der Hinserie stand Bayerns chilenischer Neuzugang ganz oben im SPIX-Ranking. Seine Dominanz hat er nach der Winterpause sogar noch ausgebaut. Der SPIX wird durch den statistischen Vergleich aller Spieler ermittelt, die auf der gleichen Position gespielt haben. Die Punkte errechnen sich also relativ, nicht absolut. Umso beeindruckender ist der Vorsprung, den Vidal auf den Zweitplatzierten Alonso aufweist. Er ist größer als der Abstand von Alonso auf den Siebtplatzierten des Rankings, Josuha Guilavogui. In jeder Hinsicht war Vidal der überragende defensive Mittelfeldspieler der Saison.

Die ersten Saisonspiele von Douglas Costa waren so stark, dass viele Fans ihn schon für einen der besten Bayern-Einkäufe der Geschichte hielten. In der Rückrunde verblasste dieser Eindruck etwas, was vor allem daran lag, dass seine Effektivität stark nachließ: War er bis Anfang November an 14 Toren beteiligt, so waren es im Rest der Saison nur noch vier Treffer. Nach dem 21. Spieltag bereitete Douglas Costa kein Tor mehr vor. Da wir hier aber die Elf der gesamten Saison küren und nicht die der Rückrunde, bleiben seine Werte die besten des Jahres. Auf Platz zwei folgt der einzige Gladbacher, der es in die Liste geschafft hat. Dass ausgerechnet Ibrahima Traoré den Tabellenvierten vertritt, mag etwas willkürlich erscheinen. Tatsächlich liegt es auch an unserer festgelegten Mindestanzahl an Spielen. Wären es 20 statt 17 Spiele gewesen, wäre statt Traoré, der nicht auf so viele Einsätze auf der entsprechenden Position kam, Karim Bellarabi von Bayer Leverkusen nachgerückt. Dafür wäre dann Raffael bei den Angreifern aufgetaucht. Bleibt also in der Borussen-Familie.

Wenn man die Spitzenposition von Thomas Müller im zentralen offensiven Mittelfeld anzweifeln wollte, kann man das glaubhaft eigentlich nur tun, indem man zwei Worte äußert: "Henrich" und "Mchitarjan". Der Dortmunder, der gerade die Saison seines Lebens hinter sich hat, war in der Tat der wohl beste Bundesligaspieler der abgelaufenen Spielzeit. Mchitarjan wird allerdings zum Verhängnis, dass er auf verschiedenen Positionen zum Einsatz kam und es auf keiner einzelnen auf die erforderlichen 17 benoteten Spiele brachte. "Wie unfair!", könnte man einwenden. Einerseits ja. Andererseits errechnet sich der SPIX eben strikt im positionsbezogenen Vergleich. So sind die Werte eines Außenbahnspielers anders als die eines Zehners. Alle Spiele Mchitarjans zusammenzuwerfen, wäre also höchst unsauber und würde die gesamte Wertung verzerren. Schließlich ist an seiner Stelle ja aber nicht Aaron Hunt unsere Nummer eins, sondern kein Geringerer als Müller. Und da hört die Diskussion dann auch schon wieder auf.

Pierre-Emerick Aubameyang ist nicht in der SPIX-Elf der Saison. Der Dortmunder Torjäger muss den Platz neben Torschützenkönig Robert Lewandowski an Claudio Pizarro abtreten. Dass Lewandowski mit seinen 30 Toren vom Bremer Routinier sogar noch hinter sich gelassen wurde, zeigt, dass Tore alleine nicht alles sind in der Bewertung von Angreifern im SPIX. Pizarros kombinative Qualitäten sowie vor allem die hohe Wichtigkeit seiner Treffer spielten eine große Rolle. Ohne Pizarros Tore hätte Werder um fast ein Viertel weniger Punkte und wäre glatt abgestiegen. Ohne Lewandowskis Tore wäre Bayern immer noch Vizemeister geworden.


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Und das ist die Elf der Saison 2015/2016 in der taktischen Aufstellung.

Sie wollen wissen, wie wir gerechnet haben? Wie die neuen SPON-Bundesliganoten entstehen? Und warum wir bewusst keine Schulnoten vergeben? Hier finden Sie alle Infos zum SPIX.

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