Bundesliga-Noten Das ist die Topelf des 11. Spieltags

Nach dem Erfolg im Spitzenspiel dominiert der FC Bayern die Elf der Woche - besonders stark präsentierte sich Alphonso Davies. Auch zwei Spieler von RB Leipzig stehen in der Topelf.

Bayern Münchens Alphonso Davies zieht im Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund an Paco Alcácer vorbei. Davies erzielte am 11. Spieltag die Bestnote.
Sebastian Widmann / Bongarts / Getty Images

Bayern Münchens Alphonso Davies zieht im Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund an Paco Alcácer vorbei. Davies erzielte am 11. Spieltag die Bestnote.

Von Tobias Escher


Ein 4:0-Sieg zieht im ersten Reflex nach sich, die Offensive einer Mannschaft zu loben. Nichts anderes geschah nach Bayerns dominantem Erfolg im Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund. Doppeltorschütze Robert Lewandowski und der wiedererstarkte Thomas Müller standen anschließend im Fokus.

Wirft man einen Blick auf die Statistiken, zeigt sich: Bayerns Sieg lag vor allem an einer starken Defensivleistung. Unser Notensystem SPIX fasst die relevanten Statistiken zusammen und vergleicht anhand der Werte die Leistungen aller Bundesligaprofis. Bayerns Spieler ragten vor allem in zwei Werten heraus: Der "defensiven Teamstärke" sowie der "Balleroberung". Beides sind Kategorien, die in dieser Saison eigentlich nicht zu den bayerischen Stärke gehörten.

Trainer Hansi Flick ließ in der vergangenen Woche offenbar das Verhalten im Pressing trainieren. Die Bayern setzten den BVB permanent unter Druck, jagten den Gegner, eroberten den Ball schnell wieder zurück. Joshua Kimmich sagte nach dem Spiel: "Wir haben klar festgelegt, wer wen anläuft und wie wir anlaufen - mit Aggressivität und einem gewissen Risiko."

Dieses Risiko zahlte sich aus. Erstmals seit dem September blieben die Bayern in einem Bundesligaspiel ohne Gegentor. Entsprechend stellen sie einen Großteil der Verteidiger in unserer Topelf.

David Abrahams Rempler gegen Christian Streich überschattete das Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem SC Freiburg. Es lief jedoch auch ein Fußballspiel - und zwar eines, in dem sich die Frankfurter gar nicht so schlecht anstellten. Obwohl sie nach einer Gelb-Roten Karte gegen Gelson Fernandes eine Halbzeit in Unterzahl agieren mussten, hatten sie die bessere Chancen. Dass Freiburg am Ende 1:0 gewann, lag an einem späten Tor von Nils Petersen - und an Mark Flekken. Mit insgesamt sechs Paraden war Freiburgs Keeper der stärkste Torhüter des Wochenendes.

Die Innenverteidigung der Bayern stellte sich aufgrund von Sperren (Jérôme Boateng) und Verletzungen (Lucas Hernández, Niklas Süle) praktisch von selbst auf. Obwohl Javi Martínez und David Alaba erst zum dritten Mal das Innenverteidiger-Duo des FC Bayern bildeten, harmonierten sie überraschend gut: Alaba ragte als Passspieler heraus, Martínez als Albräumer. 92% von Alabas Pässen kamen an, er leitete sogar eine Chance ein. Martínez gewann beide Zweikämpfe, die er geführt hat, und fing zwei Pässe ab. Sie hatten einen hohen Anteil daran, dass die Bayern nur zwei Dortmunder Schüsse zuließen.

Ein bleibendes Vermächtnis von Ex-Bayern-Trainer Niko Kovac dürfte sein, Alphonso Davies zum Außenverteidiger umgeschult zu haben. Davies erzielte als Linksverteidiger am Wochenende einen SPIX-Wert von 100. Das bedeutet: Kein Außenverteidiger wies in den vergangenen zwei Saisons bessere statistische Werte auf. Mit fünf gewonnenen Zweikämpfen, zwei abgefangenen Pässen sowie zwölf gewonnenen zweiten Bällen überzeugte er vor allem als Balleroberer. Gladbachs Rami Bensebaini wiederum hat das Kunststück geschafft, trotz einer Gelb-Roten Karte in der Top-Elf zu stehen - einem Tor und fünf abgefangenen Pässen sei Dank.

In seinen ersten Wochen als Leipziger Trainer war Julian Nagelsmann auf der verzweifelten Suche nach einem defensiven Mittefeldspieler. Mit der Rückkehr des lange Zeit verletzten Kevin Kampl hat sich dieses Problem gelöst. Beim 4:2-Erfolg gegen Hertha BSC waren Kampls Werte sowohl defensiv als auf offensiv überdurchschnittlich. Ihm gelang sogar ein Treffer - und damit auch der Sprung in die Topelf.

Kingsley Coman tat am Wochenende, was ein Kingsley Coman so tut. Der Flügeldribbler ließ viermal seinen Gegenspieler aussteigen, genauso viele Abschlüsse bereitete er vor. Beeindruckend waren seine defensiven Werte: Drei seiner vier Tacklings waren erfolgreich, zudem fing er einen gegnerischen Pass ab. Bremens Leonardo Bittencourt erzielte einen noch höheren SPIX-Wert in der Balleroberung (98), zudem gelang ihm beim 1:3 gegen Mönchengladbach Werders einziger Treffer. Dafür musste er ganz schön leiden: Insgesamt achtmal foulten ihn die Gladbacher.

Thomas Müllers schwierige Beziehung zu Ex-Trainer Kovac ist kein Geheimnis. Müller saß in dieser Saison häufig auf der Bank, nur selten durfte er auf seiner geliebten Zehner-Position auflaufen. Kovac's Nachfolger Flick stellt ihn wieder im offensiven Mittelfeld auf. Prompt fand Müller zu alter Stärke zurück: Als Zehner dirigierte er seine Kollegen, schaltete sich überall ins Spiel ein, bereitete zwei Tore vor. Erstmals in dieser Saison steht er in der Topelf.

Rouwen Hennings ist die Lebensversicherung von Fortuna Düsseldorf. Nach seinem Dreierpack beim 3:3 gegen Schalke steht Hennings bei neun Saisontoren. Seine Teamkollegen haben zusammen sechs Tore erzielt. Hennings Torausbeute ist umso erstaunlicher, als dass der 32-Jährige in seiner gesamten Karriere bislang nur acht Bundesligatore erzielen konnte.

Dass Timo Werner trifft, dürfte hingegen kaum jemanden erstaunen. Gegen Hertha erzielte der Leipziger zwei Tore und bereitete einen weiteren Treffer vor. Der Nationalstürmer kommt damit auf dreizehn Torbeteiligung in seinen vergangenen vier Pflichtspieleinsätzen. Bei den anstehenden Länderspielen gegen Weißrussland und Nordirland kann Werner unter Beweis stellen, dass er auch im DFB-Trikot trifft.



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Mr Bounz 11.11.2019
1. interessanter Einstieg in den Artikel
Ich habe es nur von der anderen Seite betrachtet. Wenn der BVB 4 Tore kassiert meckert alles über die Abwehr, aber ich dachte was sollen die machen wenn der Ball immer gleich wieder zurück kommt.
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