Bundesliga-Noten Das ist die Topelf des 14. Spieltags

Es war der Spieltag der Außenverteidiger: Gleich vier von ihnen erzielten Bestnoten. Die meisten Spieler stellt Borussia Dortmund an diesem Wochenende - Favres neuem taktischen System sei Dank.
Von Tobias Escher
Beim 5:0 der Dortmunder gegen Düsseldorf gelangen Marco Reus (links) und Jadon Sancho jeweils zwei Treffer

Beim 5:0 der Dortmunder gegen Düsseldorf gelangen Marco Reus (links) und Jadon Sancho jeweils zwei Treffer

Foto: Friedemann Vogel/EPA-EFE/REX

Außenverteidiger sind die neuen Balleroberer. Dieser Eindruck drängt sich auf, blickt man Woche für Woche auf die Statistiken der Bundesliga. Unser Notensystem SPIX wertet die Daten der Bundesliga aus und vergleicht die Leistungen der Spieler mit den Werten der vergangenen zwei Jahre.

Was ist der SPIX?

SPIEGEL ONLINE hat ein Instrument entwickelt, um die Leistung von Fußballern auch jenseits von persönlichen Eindrücken zu bewerten: den SPIX. Er basiert allein auf Spieldaten. In die Berechnung fließen die individuelle Leistung sowie die seiner Mannschaft ein. Das Besondere: Der SPIX erfasst Daten nicht einfach nur, er beurteilt ihre Relevanz und Qualität direkt mit. Details zum Modell finden Sie hier:

Dabei zeigt sich: So viele Bälle wie an diesem Wochenende haben die Außenverteidiger noch nie erobert. Leverkusens Wendell, Paderborns Jamilu Collins, Leipzigs Marcel Halstenberg: Sie alle haben die bisherige SPIX-Bestmarke in der Kategorie "Balleroberung" überboten. Doch dieser Spieltag ist kein Einzelfall: Außenverteidiger nehmen in dieser Saison eine gewichtige Rolle ein im Spiel gegen den Ball. Sie erobern mittlerweile mehr Bälle als zentrale Mittelfeldspieler, die eigentlich als klassische Balleroberer gelten.

Die taktische Rolle der Außenverteidiger hat sich gewandelt: Immer öfter müssen sich die Außenverteidiger in die Offensive einschalten. Auch im Pressing kommt ihnen eine aggressivere Rolle zuteil. Manche Außenverteidiger rücken bis auf eine Höhe mit den Stürmern, um den Gegner unter Druck zu setzen. Sie sind diejenigen, die vorrücken, Pässe abfangen und zweite Bälle aufsammeln.

Das zeigt sich auch in unserem Notensystem: Woche für Woche erzielen Außenverteidiger Bestnoten. An diesem Spieltag erzielten gleich sieben Außenverteidiger einen SPIX, der höher als 90 lag. Für nähere Informationen können Sie durch die Listen der jeweiligen Position scrollen.

Bei den vielen Topleistungen von Außenverteidigern ragten Marcel Halstenberg und Jamelu Collins minimal heraus: Beide gewannen drei ihrer fünf Zweikämpfe. Leipzigs Halstenberg fing zwei gegnerische Pässe ab und eroberte zehn zweite Bälle, Paderborns Collins fing beim 1:0-Erfolg gegen Bremen vier Pässe ab und eroberte acht zweite Bälle. Mit diesen starken Werten im Bereich der Balleroberung ließen sie Wendell und Gladbachs Doppeltorschützen Ramy Bensebaini minimal hinter sich.

Es mag der Spieltag der Außenverteidiger gewesen sein. Lukasz Piszczek jedoch lief am Wochenende nicht auf seiner Paradeposition auf. Der gelernte Rechtsverteidiger agierte als Innenverteidiger in Dortmunds neu formierter Dreierkette. Diese Rolle beflügelte ihn: 95% seiner Pässe kamen an, er bereitete sogar einen Treffer vor. Leipzigs Dayot Upamecano profitierte wiederum von der starken Teamleistung. Beim 3:1-Sieg von RB Leipzig gegen Hoffenheim gab er sogar zwei Torschüsse ab.

Während die Außenverteidiger an diesem Spieltag überzeugten, erreichte bei den defensiven Mittelfeldspielern kein Spieler einen SPIX, der höher als 90 lag. Julian Baumgartlinger erzielte mit 87 den höchsten SPIX-Wert. Er ragte bei Leverkusens 2:1-Erfolg gegen Schalke in keiner Statistik heraus, hatte aber in allen Bereichen solide Werte. An diesem Spieltag genügt dies für eine Nominierung für die Topelf.

Ein Torjäger und ein Vorbereiter: So sieht die Konstellation auf den offensiven Außenpositionen aus. Leipzigs Marcel Sabitzer gelang gegen Hoffenheim ein Treffer. Leverkusens Leon Bailey fiel vergangene Woche bereits mit zwei Toren gegen die Bayern auf. Gegen Schalke tat er sich als Vorbereiter hervor: Der Jamaikaner bereitete den Treffer zum 1:0 vor.

Julian Brandt findet sich in Dortmund immer besser zurecht. Nach Lucien Favres Umstellung auf ein 5-2-3-System darf Brandt im zentralen Mittelfeld auflaufen. Beim 5:0-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf war der Nationalspieler zwar an keinem Treffer direkt beteiligt, dafür liefen zahlreiche Angriffe über ihn. Seine statistischen Werte sind stark: Brandt zeigte fünf erfolgreiche Dribblings, zudem gewann er alle vier Zweikämpfe, die er bestritt.

Dass Marco Reus und Jadon Sancho mit jeweils zwei Treffern den Sprung in die Topelf schaffen, ist keine Überraschung. Die Position, auf der sie gespielt haben, hingegen schon: Reus und Sancho agierten nicht wie gewohnt im Mittelfeld, sondern im Sturm. Favres neues 5-2-3-System sieht zwei bewegliche Stürmer vor. Gegen Düsseldorf ging das Kalkül auf: Reus und Sancho vereinten Dribbelstärke mit Torgefahr.

Notenbester Torhüter des Spieltags war Hoffenheims Oliver Baumann. Das verwundert angesichts der Tatsache, dass Baumann im Spiel gegen RB Leipzigdrei Tore zuließ. Mit seinen Paraden verhinderte er jedoch Schlimmeres: Insgesamt zehn Schüsse konnte er abwehren, vier davon waren Chancen der höchsten Kategorie. So gelang Baumann trotz drei Gegentoren der Sprung in die Topelf.