Bundesliganoten Leipzig geht die Luft aus - die Top-Elf des Spieltags

Was für eine Woche für Timo Werner: Kurz nach seiner ersten Einladung ins DFB-Team erlebte der Leipziger einen schwachen Tag gegen Bremen. Noch schlechter war am 25. Spieltag nur ein anderer RB-Angreifer.
Timo Werner (r.)

Timo Werner (r.)

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images

Überraschung auf der Torhüter-Position: Felix Wiedwald ist nicht der beste Keeper des 25. Spieltags. Was noch in der Hinrunde zynisch geklungen hätte, ist mittlerweile völlig ernst gemeint, denn Bremens Torwart ist, von vielen weitgehend unbemerkt, seit Wochen der beste Schlussmann der Liga. Beim 3:0 gegen Leipzig bekam der 27-Jährige schlicht zu wenig zu tun, um sich auszuzeichnen. Ganz im Gegensatz zu Oliver Baumann. Hoffenheims Torwart parierte beim 1:0 gegen Leverkusen sieben Schüsse, fünf davon wurden aus dem Strafraum heraus abgegeben. Das ist jeweils der Top-Wert des Spieltags.

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Der Fall John Anthony Brooks wirft eine philosophische Frage auf: Kann ein Innenverteidiger gut gespielt haben, wenn seine Mannschaft vier Tore kassiert hat? Brooks verlor mit Hertha BSC 2:4 in Köln, trotzdem weist ihn der SPIX als datenbesten Verteidiger aus. Wie kann das sein?

Ein Grundgedanke bei der Konzeption des SPIX lautet, dass das Modell den Spielkontext nie aus den Augen verlieren soll. Ein Verteidiger, der alle Zweikämpfe gewinnt, dessen Defensive aber etliche Torschüsse zulässt, wird keine gute Bewertung erhalten. Im Fall Brooks bedeutet das, dass der Berliner für jedes Gegentor und jede gewährte Torchance Abzüge erhält. Das waren allerdings weniger, als man annehmen könnte, tatsächlich ließ die Hertha nur vier Abschlüsse aus dem Strafraum zu. Das sind weniger als die siegreichen Kölner (6) und sogar weniger als der FC Bayern (7). Weil Brooks zudem starke individuelle Werte erreichte und ein Tor erzielte, landet er an der Spitze des Rankings.

Er soll ein Kandidat beim FC Bayern sein und bei Juventus. Im Sommer läuft der Vertrag von Sead Kolasinac bei Schalke 04 aus, und wenn es nach seinen Leistungen in der Bundesliga geht, ist der 23-Jährige bereit für den Schritt zu einem größeren Verein. Beim 1:0 gegen Mainz gewann Kolasinac die meisten zweiten Bälle (9) aller Außenverteidiger, er fing die zweitmeisten gegnerischen Pässe ab (7), brachte die meisten Bälle ins Angriffsdrittel (8) - und erzielte als einziger Spieler auf dieser Position ein Tor. Damit ließ er Stars wie David Alaba oder Philipp Lahm weit hinter sich.

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An diesem Spieltag glänzten gleich mehrere Sechser für ihren Klub. Kölns Matthias Lehmann bereitete gegen Hertha zwei Tore vor. Wolfsburgs Josuha Guilavogui erreichte beim 1:0 gegen Darmstadt herausragende Defensivwerte. Bremens Thomas Delaney überzeugte in fast allen Bereichen. Doch niemand kann es mit Bayerns Thiago aufnehmen. Was der Spanier seit einigen Wochen zeigt, ist schlicht Weltklasse. Das Besondere an dem 25-Jährigen ist, wie er offensive und defensive Qualitäten vereint. Gegen Mönchengladbach bereitete er ein Tor vor, er brachte den Ball 15-mal ins Offensivdrittel, gleichzeitig fing er elf gegnerische Pässe ab. Thiago schwebt über dem Rest der Liga.

Es geschieht nicht oft, dass Arjen Robben und Franck Ribéry in der Startelf des FC Bayern stehen - und beide ohne Torbeteiligung bleiben. Dabei fehlte beiden beim 1:0-Sieg gegen Gladbach nicht viel. Ribéry gab herausragende sechs Torschussvorlagen, hatte aber das Pech, dass seine Mitspieler keine davon verwerten konnten. Robben kam selbst fünfmal zum Abschluss, zu mehr als einem Lattenkreuztreffer reichte es aber nicht. Besser als das Bayern-Duo waren trotzdem nur zwei Flügelspieler: Konstantinos Stafylidis, der gegen Freiburg an sieben Abschlüssen direkt beteiligt war und das Augsburger Tor erzielte; und Wolfsburgs Vieirinha, der vier Schüsse auflegte und sehr gute Werte im Spiel gegen den Ball erreichte.

Vier Siege aus den vergangenen fünf Spielen, zuletzt der 3:0-Erfolg über Leipzig: Werder Bremen ist die Mannschaft der Stunde. Der Lauf ist eng verknüpft mit der Stärke bei Standards, in vier der fünf Partien traf das Team nach ruhenden Bällen. Standards, das ist das Stichwort für Zlatko Junuzovic. Der Österreicher bereitete gegen RB per Freistoßvariante das 2:0 von Florian Grillitsch vor, nachdem er vorher bereits persönlich das erste Bremer Tor erzielt hatte.

Er ist der Superheld von Köln: Anthony Modeste hat gegen Berlin seine Ligatreffer 20 bis 22 erzielt und in der Torjägerliste Bayerns Robert Lewandowski verdrängt. Während der Münchner gegen Gladbach leer ausging und im SPIX-Ranking im unteren Mittelfeld landet, ist der Kölner der beste Angreifer des Spieltags - und zwar mit riesigem Abstand. Auch auf Platz zwei steht ein FC-Stürmer. Yuya Osako erzielte einen Treffer selbst und bereitete einen weiteren vor.

Spannend ist der Blick ans untere Ende des Rankings. Denn dort taucht jemand auf, der gerade seine erste Nominierung für die Nationalmannschaft erhalten hat: Timo Werner war der zweitschwächste Angreifer des Spieltags. Gegen Bremen nahm er nur sporadisch am Geschehen teil (21 Ballaktionen), nicht einmal jeder zweite Pass fand einen Mitspieler. Schlechter als Werner war nur Davie Selke, ebenfalls von RB, der gegen Bremen nach rund einer Stunde eingewechselt wurde. Die Daten der beiden Angreifer zeigen, dass das gefürchtete Leipziger Pressing aktuell nicht so intensiv ist wie sonst. Insgesamt schaffte das Duo nur zwei Ballgewinne in 90 Minuten.

Und das ist die Elf des 25. Spieltags in der taktischen Aufstellung.

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