Bundesliga-Noten Das ist die Top-Elf des siebten Spieltags

Borussia Mönchengladbach hat nicht nur die Tabellenspitze erobert, zwei Gladbacher haben es auch in die Top-Elf geschafft. Außerdem vertreten: drei Berliner Durchstarter.
Von Tobias Escher
Patrick Herrmann bejubelt seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 3:0. Bei Borussia Mönchengladbachs 5:1-Sieg gegen den FC Augsburg war er mit zwei Toren und einer Vorlage der überragende Spieler.

Patrick Herrmann bejubelt seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 3:0. Bei Borussia Mönchengladbachs 5:1-Sieg gegen den FC Augsburg war er mit zwei Toren und einer Vorlage der überragende Spieler.

Foto: Dean Mouhtaropoulos / Bongarts / Getty Images

Patrick Herrmann hat in Mönchengladbach schon die Champions-League-Hymne gehört, er hat gegen den Abstieg gekämpft und in der Relegation gespielt. Und er stand sogar bereits einmal mit der Borussia an der Tabellenspitze. Vor über acht Jahren war das, am dritten Spieltag der Saison 2011/12. Und jetzt das.

Seit dem Wochenende darf sich Gladbach wieder Tabellenführer nennen - vor Bayern München, vor RB Leipzig, vor Borussia Dortmund. Herrmann, seit elf Jahren bei der Borussia, trug einen gewichtigen Teil dazu bei. In den vergangenen Jahren rangierte er stets an der Grenze zwischen Startformation und Bank. Auch in dieser Saison musste er zunächst auf der Bank Platz nehmen. In Marco Roses Rautensystem gab es keine passende Rolle für den dynamischen Außenstürmer.

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Nun hat Rose auf ein 4-3-3-System umgestellt. Herrmann bekam seine Chance als rechter Außenstürmer - und nutzte sie. In Augsburg war er mit zwei Treffern und einer Torbeteiligung der herausragende Akteur. Damit eroberte sich Herrmann erstmalig in dieser Saison einen Platz in der Elf der Woche.

Auch Herrmanns Teamkollege Alassane Pléa gelang an diesem Spieltag der Sprung in die Elf der Woche. Wie so mancher Gladbacher Spieler hat auch er Anlaufzeit benötigt, ehe er sich im System von Trainer Rose zurechtfand. Mittlerweile kommen seine Stärken zum Tragen: Pléa ist dynamisch und dribbelstark, kann abschließen sowie vorbereiten. Mit einem Treffer und zwei Vorlagen gelang auch ihm der Sprung in die Top-Elf.

RB Leipzig hätte am Wochenende ebenfalls die Tabellenspitze erobern können. Gegen Bayer Leverkusen kam der Klub allerdings nicht über ein 1:1 hinaus, zahlreicher großer Möglichkeiten vor der Pause zum Trotz. In der zweiten Halbzeit musste sich das Team bei Torhüter Péter Gulácsi bedanken, dass es überhaupt einen Punkt holte. Fünf Paraden der schwersten Kategorie gelangen Gulácsi. Er war damit der herausragende Keeper des Spieltags.

Trotz der überraschenden 1:2-Niederlage gegen Hoffenheim stellen die Bayern die Innenverteidigung der Top-Elf. Jérôme Boateng und Niklas Süle ergänzten sich: Süle überzeugte vor allem als Passgeber, 85 seiner 89 Zuspiele kamen an. Boateng weist hohe defensive Werte auf. Er gewann vier seiner fünf Zweikämpfe und fing vier Pässe ab. Das sind jeweils Top-Werte an diesem Spieltag.

Maximilian Mittelstädt hat einen Lauf. Herthas Linksverteidiger stand bereits vergangene Woche in der Top-Elf. Auch bei Herthas 3:1-Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf überzeugte er als Balljäger: Mittelstädt gewann vier seiner fünf Zweikämpfe, fing zwei gegnerische Pässe ab und eroberte sieben zweite Bälle. Der Mainzer Daniel Brosinski fühlte sich in Paderborn besonders in den Strafräumen wohl: Hinten klärte er insgesamt neun Bälle, vorne traf er per Elfmeter zum entscheidenden 2:1.

Sebastian Rode spielte bei Eintracht Frankfurts 2:2 gegen Werder Bremen eine unorthodoxe taktische Rolle: Als Sechser ließ er sich immer wieder neben den zentralen Verteidiger Makoto Hasebe fallen. Dadurch konnten die äußeren Innenverteidiger der Frankfurter Dreierkette weit vorrücken. Rode half also quasi als Innenverteidiger aus, damit die anderen Innenverteidiger zu Außenstürmern werden konnte. Er brillierte in dieser Rolle als Spielgestalter aus der Tiefe. Für die Top-Elf qualifizierte ihn sein Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich. Sein Volley-Schuss hat gute Chancen, zum Tor des Monats gekürt zu werden.

Zwei Tore, ein Assist: In einer starken Borussia-Elf war Patrick Herrmann der überragende Mann. An seiner Seite hat Marius Wolf den Sprung in die Top-Elf geschafft. Berlins Rechtsaußen zeigte sich mutig: Insgesamt neunmal ging er ins Dribbling, fünfmal konnte er an seinem Gegenspieler vorbeiziehen. Zudem bereitete er den wichtigen Ausgleichstreffer zum 1:1 vor.

Vladimir Daridas Karriere ähnelt jener von Herrmann. Seit gefühlt einer halben Ewigkeit - 2013 kam er nach Freiburg - kickt er in der Bundesliga. Bei Berlin war er lange Zeit unumstrittener Stammspieler. In den vergangenen Monaten pendelte er zwischen Startelf und Bank, was auch an zahlreichen Verletzungen lag. Zuletzt bewies er, wie wichtig er für die Balance seiner Mannschaft ist. Darida überzeugt defensiv mit seinem Raumgefühl. Gegen Düsseldorf trat er auch offensiv in Erscheinung. Er erzielte einen Treffer, bereitete einen vor und war an vier weiteren Torschüssen direkt beteiligt.

Gegen Augsburg stellte Alassane Pléa nach nicht einmal zwei Minuten seine Klasse unter Beweis: Mit einem Sprint entblößte er die gesamte gegnerische Abwehr und leitete das 1:0 ein. Am Ende hatte er einen Treffer sowie zwei Vorlagen vorzuweisen. Frankfurts André Silva kann mit diesen Zahlen nicht ganz mithalten. Er erzielte gegen Werder nur ein Tor. Das aber genügte an diesem Spieltag, um in die Top-Elf zu gelangen.

Anmerkung: Tobias Escher ist Geschäftsführer der Escher & Co. GbR, welche die journalistische Plattform Spielverlagerung.de leitet. René Maric, Co-Trainer von Borussia Mönchengladbach, ist an dieser Firma beteiligt. Tobias Escher schreibt als freier Autor unter anderem für den SPIEGEL und das Magazin 11Freunde.

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