Bundesliga-Noten Das ist die Topelf des zehnten Spieltags

Acht Tore in einem Spiel: RB Leipzig dominiert nach dem Kantersieg gegen Mainz die Elf der Woche. Auch Frankfurts Außenstürmer Filip Kostic und Dortmunds Torhüter Marwin Hitz konnten Bestnoten erzielen.

Timo Werner steuerte bei Leipzigs 8:0 gegen Mainz drei Tore und drei Vorlagen bei
FILIP SINGER / EPA-EFE/REX

Timo Werner steuerte bei Leipzigs 8:0 gegen Mainz drei Tore und drei Vorlagen bei

Von Tobias Escher


Leipzig vor einer Woche: Julian Nagelsmann redete seiner Mannschaft öffentlich ins Gewissen. Ruhig, aber bestimmt analysierte der Trainer von RB Leipzig die 1:2-Niederlage gegen den SC Freiburg. Er lasse seinen Spielern viele Freiheiten, so Nagelsmann. "Aber wenn die Spieler das in den falschen Hals bekommen, dass sie mehr spielerische Freiräume genießen, dann muss man das zurückdrehen."

Nagelsmanns Kritik hat gewirkt. Seine Spieler reagierten gemäß dem berühmten Zitat aus dem Film "Braveheart": "Sie mögen uns unser Leben nehmen, aber niemals nehmen sie uns unsere Freiheit!" Schon unter der Woche gelang ihnen im Pokal ein 6:1-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg. Am Wochenende folgte ein 8:0 gegen den FSV Mainz. 14:1 Tore in zwei Spielen: Nicht einmal Nagelsmann selbst hätte wohl zu träumen gewagt, dass seine Kritik derartige Wirkung entfaltet.

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Nach dem Acht-Tore-Triumph gegen Mainz dominiert Leipzig die Topelf des zehnten Spieltags. Vor allem Timo Werner ragt aktuell heraus. Er profitiert von den Freiheiten in Nagelsmanns System: Der Mittelstürmer darf sich häufig fallen lassen oder auf die Flügel ausweichen. Nagelsmann weiß: Werner ist besonders dann gefährlich, wenn er aus der Tiefe starten und Tempo aufnehmen kann. Läuft Werner erst einmal auf das Tor zu, ist er kaum aufzuhalten. Gegen Mainz steuerte der Nationalstürmer drei Tore und drei Vorlagen zum Kantersieg bei.

Auch Borussia Dortmund jubelte wieder nach zuletzt schweren Wochen. Beim 3:0-Erfolg gegen Wolfsburg zeigte der BVB eine seiner stärksten Saisonleistungen. Die Dortmunder erspielten sich zahlreiche Torgelegenheiten. Wolfsburg erwies sich keineswegs als leichter Gegner. Auch sie hatten Chancen, die jedoch Torhüter Marwin Hitz zu vereiteln wusste. Der Ersatzmann des verletzten Stammtorhüters Roman Bürki parierte drei Schüsse aus kürzester Distanz. Damit erzielte er am Wochenende die Bestnote unter allen Bundesliga-Torhütern.

Quer, zurück, immer wieder quer: Die TSG verwaltete die 3:0-Führung gegen Paderborn über weite Strecken, ohne nach vorne zu spielen. Innenverteidiger Kevin Vogt spielte 172 Pässe, alle davon kamen beim Mitspieler an. Damit stellte er einen Bundesligarekord auf. Benjamin Hübner spielte zwar weniger Pässe (139) und zeigte kein fehlerfreies Spiel. Seine Zuspiele waren jedoch etwas risikoreicher, zudem waren seine Defensivwerte stärker. Hübner steht damit in der Topelf und nicht Vogt. Lukas Klostermann, sonst als Rechtsverteidiger für Leipzig und die DFB-Elf im Einsatz, schaffte auf der ungewohnten Innenverteidigerposition ebenfalls den Sprung in die Topelf, einem Treffer gegen Mainz sei Dank.

Ebenso wie Klostermann konnte sich am Wochenende auch Marcel Halstenberg in die Torjägerliste eintragen. Er erreichte den zweithöchsten SPIX aller Außenverteidiger. Besser war nur Bremens Theodor Gebre Selassie. Er erzielte beim 2:2 gegen Freiburg nicht nur ein Tor, sondern überzeugte auch als Balleroberer: Sieben Pässe fing der Bremer ab, so viele wie kein anderer Bundesligaspieler an diesem Spieltag.

Hoffenheims Akteure spielten gegen Paderborn Pass um Pass. So auch Sechser Florian Grillitsch. Mit 91 Zuspielen konnte er nicht ganz mithalten mit Vogt und Hübner. Seine Pässe hatten aber mehr Wirkung: Grillitsch legte ein Tor sowie zwei weitere Großchancen auf. Das qualifiziert ihn für die Elf der Woche.

Filip Kostic befindet sich in der Form seines Lebens. Der Linksaußen ist fokaler Punkt der Frankfurter Offensive. Mit seinen Tempo-Dribblings legt er Chance um Chance auf für seine Kollegen. Bisher hat er trotz starker Noten die Topelf stets knapp verpasst. Ein Tor sowie eine Torvorbereitung beim 5:1-Erfolg gegen den FC Bayern bescheren ihm seine erste Nominierung der Saison. Auch Leipzigs Christopher Nkunku feiert sein Topelf-Debüt. Er bereitete zwei Tore vor und erzielte einen Treffer selbst.

Kerem Demirbay erlebt in Leverkusen keine leichte Zeit. In Hoffenheim war er in der vergangenen Saison Spielgestalter und Schlüsselspieler, fast jeder Angriff lief über ihn. Bei seinem neuen Klub Bayer muss er sich noch einarbeiten in das komplexe Ballbesitzsystem von Trainer Peter Bosz. Nachdem Demirbay zu Saisonbeginn sogar auf der Bank saß, spülte ihn die Verletzung von Charles Aránguiz zurück in die Startelf. Langsam, aber sicher findet er zu alter Form: Bei der 1:2-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach bereitete er vier Torchancen vor. Nur an seiner Passgenauigkeit muss er noch arbeiten, diese war mit 75 Prozent unter seinen Möglichkeiten.

Der Sturm der Topelf ist fest in Leipziger Händen - kein Wunder, wenn eine Mannschaft acht Tore schießt. Timo Werner ist mit seinen sechs Torbeteiligungen gesetzt. Sein Sturmpartner Yussuf Poulsen war zwar nur an zwei Treffern beteiligt (ein Tor, ein Assist). Dafür überzeugte er in einer klassischen Leipziger Disziplin: dem Pressing. Poulsen eroberte sieben zweite Bälle, zudem gewann er drei weitere Male den Ball. Die verbesserte Defensivleistung war ein Teilaspekt, warum die Antwort der Leipziger Spieler auf Nagelsmanns Kritik so fulminant ausfiel.

insgesamt 5 Beiträge
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aweil 04.11.2019
1. Könnt Ihr...
den Unsinn bitte lassen? Einem Frederik Rönnow absteigende Form zu bescheinigen, nur weil er am Samstag gegen nicht vorhandene Bayern einen weitgehend beschäftigungslosen Nachmittag erlebt hat, ist schon hanebüchen.
lutenent 04.11.2019
2. Ääähm,
wo ist denn ein Lainer oder Wendt abgeblieben? Die werden als Außenverteitiger nicht einmal mehr gelistet? Wendt hat schließlich als Abwehrspieler ein entscheidendes Tor geschossen.... Die Frage ist, wieviele Spieler noch fehlen.....?
Sabbelsurium 04.11.2019
3.
Zitat von lutenentwo ist denn ein Lainer oder Wendt abgeblieben? Die werden als Außenverteitiger nicht einmal mehr gelistet? Wendt hat schließlich als Abwehrspieler ein entscheidendes Tor geschossen.... Die Frage ist, wieviele Spieler noch fehlen.....?
Doch doch. Nach intensiver Suche ist es mir gelungen, Gladbachs Spieler zu entdecken. Ich glaub, sie sind alle vorhanden. Sie müssen sich nur Richtung Ende der Skala durchklicken. Verständlich, die Mannschaft hat schliesslich sang- und klanglos gewonnen. Und was so ein Lainer bringt, ist halt statistisch gesehen mies. Kann man ja Woche für Woche sehen. Ich weiss, beim SPIX geht es sich um was anderes. Ich würds in MURX umtaufen.
Herzbubi 04.11.2019
4. der Spieler des Tages
war mit Abstand: Abraham. Hinteregger war auch Weltklasse. Aber die meisten Medien sprechen nur über die Entlassung von Kovac. Es bedarf einer manschaftlichen Weltklasseleistung um die Bayern auch mit 10 Spielen, 5:1 abzuschiessen. Und fünf Torschützen belegen diese extreme Mannschaftsleistung. Kavac sein Stern hat in Frankfurt heller gheleuchtet als im Süden. Dort wird er auch heute noch geschätzt.
deepfield 05.11.2019
5. Lewandowski 66? Iwo.
Scho a bisserl arg niedrig gegriffen, Herr Redaktör, der ganzen mies konditionierten und derzeit gleichwohl angemessen kritischen Bajuwarenschelte abhold muß man feststellen dürfen: so schlecht war er a ned, der Lewa! Der Gute! =)
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