Bundesliga-Noten Das ist die Topelf des achten Spieltags

Der 1. FC Köln dominiert die Elf der Woche. Robert Lewandowski stellt einen Rekord ein. Zwei Nationalspieler erzielen Bestnoten.

Robert Lewandowski bejubelt seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 gegen den FC Augsburg
Christof Stache / AFP

Robert Lewandowski bejubelt seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 gegen den FC Augsburg

Von Tobias Escher


Achim Beierlorzers Lieblingswort in den vergangenen Wochen lautete "Zeit". Diese benötige der im Sommer neu verpflichtete Trainer, um dem 1. FC Köln seine Spielidee zu vermitteln. Wieder und wieder brachte er seine Botschaft unter die Anhänger: Der Verein sei ein Aufsteiger, Wunderdinge seien nicht zu erwarten. Er verwies auf das schwere Auftaktprogramm, das Gegner wie Bayern München und Schalke 04 vorsah.

Und dennoch: Die nach dem Aufstieg euphorisierten Anhänger hatten sich die Rückkehr in die Bundesliga anders vorgestellt. Vier Punkte aus sieben Spielen, akute Abstiegsgefahr: Das Spiel gegen Paderborn hatte schon einen leichten Endspielcharakter.

Beierlorzer dürften am Sonntagnachmittag so viele Steine vom Herzen gefallen sein, dass sie in Köln glatt einen neuen Dom errichten könnten. Endlich spielten die Kölner so, wie er sich das vorgestellt hat: Im Mittelfeld störten sie den Mitaufsteiger aus Paderborn aggressiv, nach Ballgewinnen spielten sie direkt den Pass in die Tiefe. Köln hatte zwar nur etwas mehr als 40 Prozent Ballbesitz, gewann aber deutlich mehr Zweikämpfe - und schoss vor allem drei Tore.

Kölns deutlicher 3:0-Sieg spiegelt sich auch in unserer Elf der Woche wider. Gleich vier Kölner haben den Sprung in die Topelf geschafft. Mit Mainz und Düsseldorf warten nun zwei Gegner, die Köln in der Tabelle nahestehen. Beierlorzer wird alles dafür tun, dass seine Spieler auch in den kommenden Spielen so motiviert und aggressiv auftreten.

Eigentlich ist Frederik Rönnow nur die Nummer zwei in Frankfurt. Gegen Bayer Leverkusen hätte wohl auch die verletzte Nummer eins Trapp keine bessere Leistung abgeliefert. Zehn Mal musste Rönnow eingreifen, kein einziger Leverkusener Versuch landete im Frankfurter Kasten. Rönnow trug seinen Teil bei zum deutlichen 3:0-Sieg.

Die Innenverteidigung stellen an diesem Wochenende zwei blutjunge Aufsteiger. Sebastiaan Bornauw erreichte den höchstmöglichen SPIX von 100. Der Kölner erzielte nicht nur einen Treffer, sondern fing zudem auch drei gegnerische Pässe ab. Union Berlins Keven Schlotterbeck konnte beim 2:0-Erfolg gegen seinen Ex-Klub SC Freiburg zwar keinen Torerfolg vorweisen, dafür sind seine defensiven Statistiken noch einen Tick besser als jene von Bornauw: Drei Schüsse blockte er, zudem eroberte er fünf gegnerische Pässe.

Kingsley Ehizibues schwer auszusprechender Name stellt seine Mitspieler vor eine Herausforderung. Sie tauften ihn flugs um. "Easy" wird er in der Kölner Mannschaft nur genannt - und genauso ist auch seine Spielweise. Als Rechtsverteidiger zeigt er einen erfrischenden Offensivdrang, auch in der gegnerischen Hälfte wirft er sich in jeden Zweikampf. Neun Zweikämpfe führte er gegen Paderborn, mehr als jeder andere Bundesligaspieler am Wochenende. Sechs gewann er. Fortuna Düsseldorfs Niko Gießelmann überzeugte indes als Vorbereiter: Er legte gegen Mainz den Treffer zum entscheidenden 1:0 auf.

Es ist etwas her, dass Jonas Hector unumstrittener Stammspieler in der Nationalmannschaft war. Zuletzt verlor er seinen Platz als Linksverteidiger an Marcel Halstenberg. Vielleicht kann Hector ja auf einer neuen Position angreifen? Kölns Trainer Beierlorzer stellt ihn derzeit im zentralen Mittelfeld auf. Hier überzeugte Hector gegen Paderborn vollends: Es gelang ihm 13 Mal, zweite Bälle zu erobern, mehr als jedem anderen Bundesligaspieler am Wochenende. Sein hoher SPIX im Bereich Balleroberung qualifiziert ihn für die Topelf.

Wer hätte vor zwei Jahren gedacht, dass Serge Gnabry eines Tages im Starensemble der Bayern herausragen würde? Der ehemals belächelte Gnabry hat sich längst etabliert. Als nach innen ziehender Rechtsaußen bringt er Zug zum Tor mit; eine Facette, die dem ballbesitzlastigen Bayern-Spiel abgeht. Beim 2:2-Unentschieden gegen den FC Augsburg bereitete Gnabry Bayerns ersten Treffer vor, den zweiten erzielte er selbst, ganz in der Manier von Arjen Robben. Borussia Dortmunds Thorgan Hazard erzielte keinen ganz so hohen SPIX wie Gnabry. Er bereitete beim 1:0-Sieg gegen Tabellenführer Borussia Mönchengladbach immerhin ein Tor und vier weitere Chancen vor.

Louis Schaub ist so etwas wie die personifizierte Kölner Saison. Bisher war es dem offensiven Mittelfeldspieler nicht gelungen, seine starken Leistungen in der zweiten Liga auch in der höchsten Klasse zu bestätigen. Gegen Paderborn glückte ihm - wie der gesamten Kölner Elf - der Durchbruch: Schaub spielte befreit auf, war sehr präsent bei Kontern und dribbelte seine Gegenspieler aus. Vier seiner sechs Dribblings waren erfolgreich, zudem gelang ihm sein erster Bundesliga-Treffer.

Ein Spieltag ohne Tor von Robert Lewandowski? Undenkbar in dieser Saison. Am achten Spieltag erzielte der Pole seinen zwölften Saisontreffer. Damit hat er einen Rekord von Pierre-Emerick Aubameyang eingestellt: Der frühere Dortmunder war in der Saison 2015/16 der einzige Spieler der Bundesligageschichte, der in den ersten acht Spielen immer traf. Bis Lewandowski kam. Ilhas Bebou kommt zwar bisher nur auf zwei Saisontore. Dafür war er maßgeblich beteiligt am 2:0-Erfolg seiner Hoffenheimer gegen Schalke: Den Führungstreffer leitete der zur Halbzeit eingewechselte Bebou ein, den Treffer zum 2:0 erzielte er selbst.



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Palle91 21.10.2019
1. Mittelstädt
Maximilian Mittelstädt wird langsam zum SPON-Liebling. Herausragende Statistiken, besonders in der Balleroberung. Die letzten beiden Spieltage Nr. 1 bei den Außenverteidigern und auch dieses Mal wieder ganz vorne dabei. Würde man so auf den ersten Blick gar nicht vermuten. Guter Junge!
Immanuel K. 21.10.2019
2. Trapp ist ein...
...guter Torhüter, leider hat er sich aber nicht weiterentwickelt - war auch auch deshalb in Paris nicht die Nummer eins... Rönnow begann mit Startschwierigkeiten bei der Eintracht, brachte aber dann (als die Ausleihe von Trapp von Paris schon beschlossene Sache war), in den letzten Spielen, Superleistungen...Ich erwarte in den nächsten Wochen von ihm noch ähnliche Leistungen...
gerald.wissler 21.10.2019
3. Immer wieder die Frage, wie kommt Ihr auf Eure Bewertungen ?
Wenn man Euren Bewertungen glauben darf, waren beim Spiel von Eintracht Frankfurt gegen Bayer Leverkusen Torhüter Rönnow überragend und Kostic und Pacienca noch ganz gut. Der Rest der Frankfurter zeigte eine Durchschnittsleistung, außer die drei Innenverteidiger Hasebe, Hinteregger und Abraham, die waren richtig schlecht. Bei Kicker, Bild, etc. dagegen wird die Leistung der Eintrachtspieler deutlich besser bewertet, und das paßt auch zum subjektiven eindruck des Spiels. Welche Mannschaft hat an diesem Spieltag besser gespielt ? Diese Diskrepanz zwischen eurer Wertung und tatsächlichem Spiel fällt immer wieder negativ auf.
leon.mainz 21.10.2019
4. Sehr überrascht...
...über die Bewertung von Martin Hinteregger. Der Junge hat über 90 Minuten ein mehr als erwähnenswertes Spiel abgeliefert, vor allem sein Einsatz gegen Kai Havertz und dessen komplette Neutralisierung sollte definitiv ihm mehr als nur eine 28/100 ermöglichen. Auch beim Rest der Bewertungen der SGE Spieler kommt bei mir der Eindruch auf man habe das Spiel am Freitag gar nicht in voller Länge gesehen, sondern nur eine Zusammenfassung angeschaut.
rooster 21.10.2019
5. Ein System hat keine Expertise ...
als Frankfurt-Fan finde ich es schon mal interessant, dass 3 von 4 Kommentaren sich bisher auf die Eintracht beziehen. Die Kritik ist einerseits vollkommen berechtigt - das Spiel war trotz meist besseren Statistiken seitens Leverkusen (Abschlüsse, Ballbesitz ...) ein verdienter Sieg Frankfurts - so ziemlich jeder Kommentator hob die geschlossen gute Mannschaftsleistung hervor. Was auch eindrucksvoll hier noch mal unterlegt wird: https://www.transfermarkt.de/elf-des-spieltages-doppelpacker-paciencia-und-vier-weitere-eintracht-profis-dabei/view/news/347373. ABER: Der Spix ist eben ein vollkommen automatisiertes System, das nach Algorithmen arbeitet, die keinerlei Fußball-Sachverstand haben. Es wird hier eben nicht nach Taktik und Qualität gewichtet. Wenn Leverkusen den Ball am Mittelkreis 25 Mal querschiebt, hat man halt ne tolle Passquote - aber da ist die eine perfekte Grätsche von Hinteregger im Strafraum eben deutlich mehr Wert. Oder ein Steilpass von DaCosta - nach dem man eingefleischte Fans im Stadion leise von "Uwe Bein" tuscheln hört. Auch kennt jeder, der mal Fußball gespielt hat das manchmal unerklärliche Gefühl, dass einem alles zu gelingen scheint - dass eine Gruppendynamik einsetzt, die allen Zuschauern vollkommen klar vor Augen führt, wer ein Spiel bestimmt und wer hinterher läuft. Hier sei nur mal an das 7:1 2014 gegen Brasilien erinnert. All das kann ein Computersystem nicht bewerten. Aber jeder, der im Stadion saß, hat gesehen, welche Mannschaft die bessere war. Ein Mitchell Weiser - ein gestandener Bundesligaspieler - der nach 30 Minuten von seinem Trainer vom Platz genommen wird, weil er gegen Filip Kostic aussah, als würde im Garten mein 5-jähriger gegen mich kicken, wird ein Lied davon singen können. Und dabei will ich die Leverkusener Leistung ja nicht mal schlecht reden. Das Spiel hätte in der 2. Halbzeit auch noch kippen können. Es sind schon herausragende Kicker in deren Reihen. Der Spix ist eine interessante Ergänzung zu Beurteilungen von professionellen Sportredakteuren und auch gerade durch den Live-Aspekt interessant. Mehr aber auch nicht.
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