Bundesliganoten Gestatten, Kruse, der neue Neubarth - die Top-Elf des Spieltags

Unter König Otto schoss der letzte Bremer vier Tore, nun tritt Max Kruse in große Fußstapfen. Außerdem in der Top-Elf: zwei motivierte Darmstädter und der einzige Bayernspieler, der Real Madrid schon verdaut hat.
Max Kruse

Max Kruse

Foto: imago/ Eibner

Die Spieler des SV Darmstadt wissen, dass es in der kommenden Saison kein Gastspiel mehr beim Hamburger SV geben wird - wenn sich der HSV denn vor dem Bundesliga-Abstieg retten sollte. 98-Trainer Torsten Frings hat seiner Mannschaft aber eine Mentalität eingeimpft, die das Unvermeidbare so lange wie möglich hinauszögert. Mittendrin: Torhüter Michael Esser. Der ehemalige Bochumer machte beim 2:1-Sieg im Volksparkstadion sechs Hamburger Chancen zunichte, dabei wehrte er vier Schüsse aus dem Strafraum ab und wurde in der Nachspielzeit nur durch eine unhaltbare Bogenlampe seines Mitspielers Fabian Holland bezwungen.

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Es gibt viele Gründe, warum Darmstadt in dieser Saison chancenlos absteigen wird. Einer davon war die torlose Hinrunde des verletzt in die Spielzeit gestarteten Aytac Sulu. Erzielte der Kapitän im vergangenen Jahr insgesamt sieben Tore, traf Sulu nun beim Erfolg in Hamburg erst zum zweiten Mal. Dass Sulu darüber hinaus nur eine durchschnittliche Leistung zeigte und ihm vor allem der Treffer den Weg in die SPON11 ebnete, spricht gegen den Rest der Innenverteidiger in der Bundesliga. Am nächsten kommt Sulu noch der Dortmunder Sven Bender, der beim 3:2-Sieg in Mönchengladbach zwar zwei Gegentore hinnehmen musste, an beiden jedoch schuldlos war. Bender beschränkte sich nach langer Verletzungspause fast ausschließlich auf Abwehrarbeit und Spieleröffnung, das gelang ihm mit sechs abgefangenen Bällen und einer Passquote von 93 Prozent ganz gut.

Es war nicht der Spieltag der Außenverteidiger. Nur der Mainzer Daniel Brosinski knackte die 70-Prozent-Hürde und insgesamt gibt es nur drei Spieler im begehrten SPIX-Grün. Brosinski hatte großen Anteil am 2:2 in München, das dem FSV einen Bonuspunkt im Abstiegskampf einbrachte. Der Linksverteidiger verwandelte einen Foulelfmeter zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung und überzeugte ansonsten als Gegenspieler des ebenfalls nominierten Arjen Robben mit gutem Stellungsspiel und konsequenter Abwehrarbeit. Bezeichnenderweise erzielte der Niederländer sein Tor, als er Brosinkis Seite verließ. Viel offensiver agierte Frankfurts Timothy Chandler beim 3:1-Sieg gegen Augsburg. Der US-Amerikaner kam auf 98 Ballkontakte, spielte im Angriffsdrittel 20 erfolgreiche Pässe (Bestwert für alle Außenverteidiger an diesem Spieltag) und bereitete neben dem Ausgleich von Marco Fabián drei weitere Torschüsse vor.

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Er ist zurück. Drei Spieltage in Folge stand Thiago vom FC Bayern nicht in der SPON11, nun gibt sich der Spanier wieder die Ehre - wenn auch nicht mit absoluter Bestleistung. Weil Thomas Müller im zentralen offensiven Mittelfeld eingesetzt wurde, spielte Thiago mal wieder an der Seite von Arturo Vidal in der defensiveren Schaltzentrale. Dort hatte er 130 Ballkontakte, 91 seiner Pässe kamen an. Zudem stellte er mit 15 Balleroberungen nach Abwehrversuchen der Mainzer mal wieder einen Spieltags-Bestwert auf. Thiagos Tor in der 73. Minute rettete den Bayern einen Punkt.

Phasenweise wirkte das Spiel der Bayern so, als habe nur Arjen Robben den Schock des Knock-outs in der Verlängerung bei Real Madrid abschütteln können. Bezeichnenderweise war es nach Schlusspfiff auch der Niederländer, der den Blick sofort in Richtung Pokalhalbfinale gegen Borussia Dortmund am Mittwoch (20.30 High-Liveticker SPIEGEEL ONLINE) richtete. Für Robben ist die Saison noch nicht abgeschlossen. Gegen Mainz gewann er sieben seiner Dribblings und 33 seiner Pässe im Angriffsdrittel kamen an - beides mit Abstand Bestwert an diesem Spieltag. Außerdem bereitete Robben sechs Torschüsse vor und versuchte es selbst mit sechs Abschlüssen. Ganz so umtriebig war Raphael Guerreiro nicht, aber der Portugiese sicherte dem BVB mit seinem späten Kopfballtreffer drei wichtige Punkte im Kampf um Platz drei.

Eintracht Frankfurt stand kurz davor, nach zehn sieglosen Spielen doch noch in den Abstiegskampf zu rutschen. Doch seit drei Spielen ist wieder ein Aufwärtstrend zu beobachten, der sich beim 3:1-Sieg gegen Augsburg erstmals auch wieder in der Tabelle niederschlug - und Marco Fabián ist in Top-Form. Der Mexikaner drehte mit seinen beiden Toren den frühen Rückstand, insgesamt schoss er sieben Mal auf das Tor der Augsburger.

Bremer Fans strotzen derzeit nur so vor Selbstvertrauen: "Ein Rückstand in der 80. Minute", beschrieb ein Werder-Anhänger nach dem 4:2-Sieg in Ingolstadt seine Gemütslage, "bringt mich nicht mehr aus der Ruhe. Wir gewinnen ja trotzdem." Diesmal benötigte der neue Tabellensiebte allerdings die Glanzleistung eines einzelnen Spielers zum Sieg. Max Kruse erzielte alle vier Treffer, darunter ein Hattrick ab der 81. Minute. Der letzte Bremer Stürmer, dem das in der Bundesliga gelang, spielte noch unter Otto Rehhagel: Frank Neubarth. Der heute 54-Jährige schoss 1986 beim 7:3-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf vier Treffer. Kruse, der legitime Neubarth-Nachfolger, kann sogar wieder auf Einsätze in der Nationalmannschaft hoffen - Bundestrainer Joachim Löw denkt über eine Nominierung für den Confed Cup nach. Schade nur, dass sich Kruse nicht wie Neubarth gegen Ende seiner Karriere auf der mittlerweile abgeschafften Position des Liberos ausruhen darf. Ach ja, mit Pascal Groß schaffte es auch einer von Werders Gegner Ingolstadt in die SPON11, allerdings war der Abstand im Sturm selten größer.

Und das ist die Elf des 30. Spieltags in der taktischen Aufstellung.

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