Bundesliga-Prognose Liebe Bayern, reserviert schon mal den Balkon!

Schießt Geld etwa doch Tore? Die Bundesliga-Tabelle nach der Hinrunde legt den Verdacht nahe, lediglich Gladbach tanzt aus der Reihe. Zahlenforscher Andreas Heuer hat es ganz genau ausgerechnet: Der Deutsche Meister heißt zu 85 Prozent Bayern München.

Herbstmeister Bayern: Marktwert als verlässliche Größe für den Saisonausgang
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Herbstmeister Bayern: Marktwert als verlässliche Größe für den Saisonausgang


Markus Babbel hat sich auf die spielfreie Zeit gefreut: "Die Winterpause ist ideal zum Nachdenken", sagte der Aufstiegstrainer von Hertha BSC in der vergangenen Woche. Nach seinem Rausschmiss hat Babbel nun viel Zeit zur inneren Einkehr.

Die Winterpause ist aber auch aus statistischer Sicht ein guter Zeitpunkt, um sich den bisherigen Saisonverlauf genauer anzusehen und anhand der Auffälligkeiten einen Blick in die Zukunft zu wagen. Das Motto dieser Saisonhälfte lautete "Business as usual". Besonders eindrucksvoll sieht man das beim Vergleich mit den zu Beginn der Saison geschätzten Platzierungen. Außer den Leistungen der vergangenen Saison haben darauf insbesondere die Marktwerte Auswirkungen.

Auf den ersten sechs Plätzen stehen fünf der sechs wertvollsten Mannschaften. Einzige Ausnahme ist Borussia Mönchengladbach. Auch auf den fünf Plätzen am Tabellenende finden sich die Teams mit den geringsten Kaderwerten wieder. So sieht es bislang in der Bundesliga aus. Schließlich prognostiziert der Marktwert so gut wie keine andere Größe den Saisonausgang.

Die vergangenen Saison mit den Außenseitern Mainz, Hannover und Freiburg auf den Plätzen zwei, vier und sechs zur Winterpause war da eine große Ausnahme. Mit Zahlen zu belegen ist die Faustregel, dass eine Verdoppelung des Marktwerts im Mittel zu zehn Punkten mehr führt. Bei welchen anderen Teams wurde die Erwartungshaltung nicht erfüllt?

Auf der positiven Seite steht insbesondere Mönchengladbach. Das Team von Erfolgstrainer Lucien Favre liegt acht Plätze besser als erwartet. In der vergangenen Saison holte ein fast identischer Kader 36 Punkte, in dieser Hinrunde bereits 33. Besonders auffällig ist die exzellente Abwehrleistung mit lediglich elf im Vergleich zu 47 Gegentoren am Ende der vergangenen Saison. Noch aussagekräftiger ist die Anzahl der gegnerischen Torchancen: Diese betrug in der Hinrunde der Saison 2010/2011 noch 124 und sank in dieser Spielzeit auf 63.

Freude in München, Trauer in Freiburg

Die Negativ-Liste führen Hamburg und Wolfsburg mit jeweils sechs Plätzen unterhalb der Erwartung an. Alarmierender ist die Situation aber mit einem Blick auf die Zahlen. Gegen keine Mannschaften konnten die Gegner mehr Torchancen erarbeiten als gegen Hamburg (128) und Wolfsburg (111).

Was dürfen die Fans von der zweiten Saisonhälfte erwarten? Mit unserem Bundesliga-Modell (siehe Infokasten) haben wir die Wahrscheinlichkeiten für die möglichen Saisonausgänge bestimmt. Wie erwartet steht Bayern am Ende ganz oben. Bei der aktuellen Ausgangslage würden die Münchner in fünf von sechs Spielzeiten Deutscher Meister werden.

In der Tabelle folgen drei Mannschaften mit 33 beziehungsweise 34 Punkten. In der Vergangenheit hat sich außer dem Marktwert die Torchancendifferenz als äußerst aussagekräftige Größe für Vorhersagezwecke erwiesen. Hier liegt Dortmund (+47) vor Mönchengladbach (+35) und klar vor Schalke (+17). Das erklärt auch die für Dortmund deutlich günstigeren Vorhersagen (zum Beispiel die 88 Prozent Wahrscheinlichkeit für Platz eins bis drei im Vergleich zu 52 Prozent bei Schalke).

Im Niemandsland der Tabelle befinden sich Hannover, Stuttgart und Hoffenheim. Die Chancen auf einen Platz unter den ersten fünf sind sehr überschaubar, ebenso wie die Wahrscheinlichkeiten, noch ganz unten zu landen. Einen Blick in den Keller der Tabelle müssen noch neun Mannschaften riskieren. Abstiegsfavorit ist außer Freiburg insbesondere Augsburg, trotz der Siege in den vergangenen beiden Heimspielen.

Bundesliga-Prognose

Platz Verein Punkte W’keit für Platz 1 W’keit für Plätze 1-3 W’keit für Plätze 1-5 W’keit für Plätze 16-18 Erwarteter Platz zu Saisonbeginn
1 München 37 85 99 100 0 1
2 Dortmund 34 12 88 99 0 2
3 Schalke 34 2 52 91 0 4
4 M‘gladbach 33 1 33 83 0 12
5 Bremen 29 0 19 67 0 5
6 Leverkusen 26 0 7 41 0 3
7 Hannover 23 0 0 3 4 11
8 Stuttgart 22 0 1 5 2 8
9 Hoffenheim 22 0 1 9 0 9
10 Köln 21 0 0 0 28 10
11 Hertha BSC 20 0 0 0 17 15
12 Wolfsburg 20 0 0 0 6 6
13 Hamburg 19 0 0 0 26 7
14 Mainz 18 0 0 0 25 13
15 Nürnberg 18 0 0 0 22 17
16 K‘lautern 16 0 0 0 35 16
17 Augsburg 15 0 0 0 69 18
18 Freiburg 13 0 0 0 64 14

Die Wahrscheinlichkeiten sind in Prozent angegeben. Die Marktwerte wurden www.transfermarkt.de, die von dem Sportjournal "kicker" veröffentlichten Torchancen www.kicker.de und www.wahretabelle.de entnommen.

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Seite 1
ZiehblankButzemann 21.12.2011
1. Wie heißt es doch so schön!
"Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!". In dem Fall aber muss ich als Nichtfälscher auch zugeben, daß oh Wunder die Bayern wahrscheinlich wieder mal Meister werden. Wenn allerdings ihr Bomber Mario Gomez ausfallen sollte, dann könnte es auch für die Bayern noch mal richtig eng werden. Hoffe es bleibt spannend bis zum Schluss!
taubenvergifter 21.12.2011
2. ...
Zitat von ZiehblankButzemann"Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!". In dem Fall aber muss ich als Nichtfälscher auch zugeben, daß oh Wunder die Bayern wahrscheinlich wieder mal Meister werden. Wenn allerdings ihr Bomber Mario Gomez ausfallen sollte, dann könnte es auch für die Bayern noch mal richtig eng werden. Hoffe es bleibt spannend bis zum Schluss!
Langweiliger als in der letzten Saison wird der Meisterschaftskampf wohl kaum werden - obwohl damals die Bayern nicht Meister wurden. Ein Ausfall Gomez´ wäre aber kaum ausreichend, die Bayern zum Stolpern zu bringen. Olic ist wieder fit, zudem ist da ja noch der Zweitligatorschützenkönig und dank Robbens Rückkehr wäre auch ein Müller für ganz vorn frei geworden. Zur Not würde Heynckes sicher auch den Mittelstürmer Van Buyten in Erwägung ziehen - der kann das besser (effizienter) als manch Gelernter. Problematischer für die Bayern könnte sein, dass der BVB sich mal wieder frühzeitig aus dem internationalen Wettbewerb verabschiedet hat und nun nur noch die nationalen Wettbewerbe unsicher machen darf.
Greg84 21.12.2011
3. ...
Zitat von sysopSchießt Geld etwa doch Tore? Die Bundesliga-Tabelle nach der Hinrunde legt den Verdacht nahe, lediglich Gladbach tanzt aus der Reihe. Zahlenforscher Andreas Heuer hat es ganz genau ausgerechnet: Der Deutsche Meister heißt zu 85 Prozent Bayern München. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,804837,00.html
Hatten wir nicht erst vor ein paar Tagen einen Artikel zur Prognose der Saison bzw. der Endplatzierungen? So viel kann sich seitdem nicht geändert haben. Auch als Bayernfan ist es mir viel zu früh von einer Entscheidung zu sprechen. Positiv ist sicher, dass die Bayern in den letzten Jahren fast immer eine bessere Rückrunde spielen aber die aktuellen drei Punkte sind nicht viel. Genauso sehe ich Augsburg auch nicht mehr als festen Absteiger, die haben sich immer mehr gesteigert.
pigonthewing 21.12.2011
4. Mißverständlich
Mindestens Dortmund ist ebenfalls ein "Kein Geld trotzdem Tore" Kandidat. Natürlich, wenn man den aktuellen Marktwert der Mannschaft nimmt könnte man zu dem Schluß kommen, aber das offenbart nur die Beugsamkeit der Statistik, denn immerhin ist ein Großteil der Dortmunder Spieler kein Topstar gewesen, als er zu Dortmund kam, sondern erst dort zu einem solchen gereift. Beispiel Kagawa: Gekommen für 350.000€, aktueller Marktwert 13.000.000€. Beispiel Schmelzer: 2007 aus der Jugend beim BVB ein Marktwert von 50.000€, jetzt bei 7.500.000€. Götze kam aus der Jugend, derzeitiger Marktwert 30.000.000€ Subotic kam mit einen Marktwert von 2,5 Mio nach Dortmund, derzeitiger Wert liegt bei 18.000.000€. Borussia Dortmund hat wie Gladbach keine 20.000.000€ Transfers getätigt wie Bayern, und auch nicht inflationär eingekauft wie Schalke.
taubenvergifter 21.12.2011
5. ...
Schon interessant, wie hartnäckig das alte Rehhagel-Zitat fehlinterpretiert wird. Rehhagel meinte mit "Geld schießt keine Tore" nämlich nicht, dass Geld keine Garantie für Erfolg sei. Er meinte exakt, dass Geld nix bringt, wenn man es nicht investiert. Er meinte ergo, dass man das Geld in Spieler investieren muss um Erfolg zu haben. Also genau das Gegenteil dessen, was heute gern hineininterpretiert wird. Übrigens: Diese "falsche" Journalistenfloskel wird nur vom "Cup der Verlierer", der F.Beckenbauer gern untergeschoben wird, geschlagen. Seinerzeit sprach der Kaiser aber lediglich vom "Cup der enttäuschten".
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