Leipziger Sieg in Freiburg Die Meisterschaftsbewerbung

Mit dem dominanten 3:0-Erfolg über den SC Freiburg hat RB Leipzig seine Titelambitionen untermauert. Kevin Kampl und Christopher Nkunku spielten herausragend. Sie verkörpern den Reifeprozess der Leipziger.
Von Jakob Schönhagen, Freiburg
Christopher Nkunku hatte in Freiburg mehrfach Grund zum Jubeln

Christopher Nkunku hatte in Freiburg mehrfach Grund zum Jubeln

Foto: Tom Weller / dpa

Als der ehemalige RB-Sportdirektor Ralf Rangnick den Spieler Kevin Kampl 2017 von Leverkusen nach Leipzig holte, begründete er dies mit dessen »anarchischer Art, Fußball zu spielen«. Beim 3:0 der Leipziger in Freiburg und der Kurzzeit-Tabellenführung zeigte der Anarcho von einst, was ihn und sein Team zuletzt so stark gemacht hat. Der slowenische Nationalspieler paarte seine Freigeistigkeit mit Aggressivität und Effektivität. Und ragte so aus einer starken Leipziger Mannschaft heraus. »Er hat ein super Spiel gemacht«, lobte Trainer Julian Nagelsmann nach der Partie.

Mit seinem schnörkellosen Auftritt steht Kampl sinnbildlich für den Reifeprozess der Leipziger. Selbst ohne die fehlenden Stammkräfte Marcel Halstenberg, Marcel Sabitzer, Angeliño und Willi Orban dominierte RB die zuletzt so erfolgreichen Freiburger. Die Art und Weise, wie RB den Sieg erspielte, untermauert die Titelambitionen. »Wenn sie so auftreten, ist Leipzig ein ernsthafter Konkurrent für Bayern München«, sagte SC-Trainer Christian Streich im Anschluss.

Gegen Freiburg war Kampl Führungskraft und Ordnungspunkt im Spiel der Gäste. Mit seinem bissigen Pressing sicherte er die Leipziger Offensivläufe gegen die auf Konter lauernden Freiburger ab. Mit seinen lautstarken Anweisungen ordnete er das Mittelfeld. Immer wenn der Sport-Club hoffte, sich durch einen Vorstoß Luft zu verschaffen, machte ihnen Kampl einen Strich durch die Rechnung und stoppte die Angriffe – mal mit einem taktischen Foul, mal mit einem wohldosierten, robusten Tackling.

Es war eine beeindruckende Vorstellung eines Spielers, der in den vergangenen Jahren eine ebensolche Entwicklung genommen hat. Der in Solingen geborene Defensivmann ist seit seinen drei Auslandsjahren bei RB Salzburg zu einem Top-Bundesligaspieler gereift – trotz zahlreicher Blessuren und Zwangspausen. Auch vergangene Saison fiel der mit 30 Jahren älteste Leipziger Feldspieler lange mit einer Sprunggelenksverletzung aus. Kampl geriet in den Verdacht des ewigen Talents, das seinen Möglichkeiten nicht gerecht werde.

Kampls Entwicklung geht Hand in Hand mit dem seines Klubs: »Früher wären wir vielleicht zu früh auf ein Tor gegangen und in Rückstand geraten«, sagte Nagelsmann nach der Begegnung. Gegen den Sport-Club aber ließen sich die körperlich deutlich überlegenen Leipziger nicht aus der Ruhe bringen. Sie warteten auf Fehler der Freiburger. Und Fehler machten die Breisgauer im Schwarzwald-Stadion dann auch.

Kevin Kampl als ordnende Kraft im Mittelfeld

Kevin Kampl als ordnende Kraft im Mittelfeld

Foto: Tom Weller / dpa

Als SC-Torwart Florian Müller in der 41. Minute das Spiel flach durch die Mitte in Richtung Baptista Santamaria eröffnete, schlug Kampl erstmals zu. Im Rücken des Freiburger Mittelfeldmanns schlich er sich heran und zwang diesen zum Ballverlust. Der Ball sprang zu Yussuf Poulsen, der nur noch querlegen musste auf Christopher Nkunku. Der Franzose traf ins leere Tor.

Womit der zweite Schlüsselspieler des Erfolgs gefunden war. In Nkunku hatte Kampl einen kongenialen Partner. Der französische Junioren-Nationalspieler kam 2019 als großes Versprechen zu RB, blieb aber zu oft – auch taktisch – hinter den Erwartungen zurück. Ganz anders am Samstag: Kam der 23-jährige Offensivmann im letzten Drittel an das Spielgerät, sorgte er stets für Gefahr. Schnell und wendig, sicher am Ball und immer mit direktem Weg oder vertikalem Pass zum Tor: Nkunku traf zum 1:0, bereitete das 2:0 nach einer weiteren Balleroberung von Kampl direkt vor und beeinflusste maßgeblich die Situation, die zum 3:0 führte.

Kampl und Nkunku standen so stellvertretend für eine eindrucksvolle Teamleistung beim Angstgegner: Nur eines seiner fünf Bundesliga-Gastspiele im Schwarzwald-Stadion hatte RB gewinnen können. Doch bei ihrem sechsten Bundesligasieg in Serie zeigten sie, wie stark sie aktuell sind. Geduldig, kaltschnäuzig, athletisch überlegen und klar geordnet – Leipzig spielte knapp 200 Pässe mehr als der Gegner, ließ keine zwingende Torchance zu und verwandelte seinerseits alle drei hochkarätigen Möglichkeiten.

Am Mittwoch geht es für RB ins wohl schon entschiedene Achtelfinalduell in der Champions League gegen den FC Liverpool, dann warten in der Bundesliga Eintracht Frankfurt und Arminia Bielefeld, bevor es am 3. April in Leipzig zum Gipfeltreffen mit dem FC Bayern München kommt. Zwei Punkte liegt der Herausforderer nach dem 24. Spieltag hinter dem Titelträger. Imponierende Auftritte wie der in Freiburg sind das deutliche Bewerbungsschreiben dafür, dass der Meister am 22. Mai um 17.20 Uhr nicht zum neunten Mal in Folge FC Bayern, sondern erstmals RB Leipzig heißt.

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