Bundesliga-Rechte Zittern um die Sportschau

2. Teil: Premiere will alles oder nichts


Premiere hätte es dagegen am liebsten, wenn die ersten Bilder im Free-TV erst nach 22.00 Uhr im Aktuellen Sportstudio des ZDF zu sehen sein würden. In diesem Fall wäre der Pay-TV-Sender, der auch die Champions-League-Rechte für Abo- und Free-TV ab 2006 erworben hatte, zu einer deutlichen Aufstockung seiner Zuwendungen bereit. Angeblich hat Premiere mehr als 250 Millionen Euro pro Jahr angeboten.Premiere zielt darauf ab, mit einer höheren Exklusivität seinen Kundenstamm von derzeit 3,4 Millionen Haushalten deutlich auszubauen. Bei der letzten Auktion der DFL war Premiere noch der einzige Bieter für die Pay-TV-Rechte, die sich der Sender für 180 Millionen Euro pro Jahr sichern konnte. Der Vertrag läuft aber im Sommer kommenden Jahres aus.Matthew Walker, Analyst bei Lehman Brothers, geht davon aus, dass Premiere diesmal zwischen 300 Millionen und 400 Millionen Euro pro Jahr bieten muss, um die anderen Bieter aus dem Rennen zu schlagen. Sicher ist, dass der Bezahlfernsehsender nicht riskieren kann, die Pay-TV-Rechte an der Bundesliga in Gänze zu verlieren. Dies könnte den Wert des Unternehmens um 50 bis 100 Prozent reduzieren, warnt Walker.Bisher zahlt Premiere für die Fußball-Übertragungsrechte deutlich weniger als europäische Mitbewerber. So lässt sich in Großbritannien die British Sky Broadcasting Group ein vergleichbares Rechtepaket an der englischen Premier League rund 343 Millionen Pfund (507 Millionen Euro) kosten. In Frankreich hatte der zu Vivendi Universal gehörende Sender Canal Plus ein Bietergefecht durch Zahlung von 600 Millionen Euro pro Saison für sich entscheiden können. Der Premiere-Chef Kofler hatte stets betont, nur mehr für die Pay-TV-Rechte zahlen zu wollen, wenn er auch mehr Exklusivität bekommt. Und Kofler will die Rechte an der Bundesliga auch niemandem abkaufen, der ihn zuvor ausgestochen hat und dann mit Profit weiterverkaufen will. Diese Aussagen seien nach wie vor gültig, sagte ein Unternehmenssprecher.Um dieses Szenario zu verhindern, war die ARD in die Offensive gegangen, hatte Clubs und Sponsoren mittels einer "Werberoadshow" besucht. Der Werbewert der Sportschau für die jeweiligen Werbepartner der Vereine sei auf Grund der hohen Reichweite zwischen 80 bis 120 Millionen Euro anzusiedeln. Diese Zahl wird wiederum von Premiere angezweifelt. Die DFL scheint aber der Argumentation der ARD zu folgen und will sich offenbar nicht - wie schon bei Kirch-Media - exklusiv an einen Partner binden.



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