Bundesliga-Rechte Zittern um die Sportschau

Wochenlang haben TV-Sender und Medienkonzerne um die begehrten Bundesligarechte gepokert. Morgen wird die DFL das Ergebnis der Verhandlungen präsentieren. Sicher ist: die Preise steigen - eventuell auf Kosten der beliebten Sportschau. Die könnte dem Bezahlsender Premiere weichen. Doch auch der muss zittern.


Hamburg - Dabei hat die ARD im Milliarden-Poker um die TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga kurz vor der Entscheidung eigentlich gute Karten. Wenn am morgigen Mittwoch Christian Seifert als Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL) das Geheimnis lüftet, dann werden den 36 Proficlubs auf einer Vollversammlung in Frankfurt/Main die künftigen Medienpartner präsentiert. Insidern zufolge geht die Tendenz dahin, der Sportschau die Erstverwertung im Free-TV zu belassen.

Soll beim Poker um die Bundesligarechte gute Chancen haben: Die Sportschau
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Soll beim Poker um die Bundesligarechte gute Chancen haben: Die Sportschau

Die ARD, die bislang 60 Millionen Euro zahlte, hat ihr Angebot auf rund 80 Millionen aufgestockt. "Ein dreistelliger Millionenbetrag wäre politisch nicht darstellbar", sagte ein Insider. Mit der Beibehaltung der Sportschau (möglicher Beginn 18.30 statt bisher 18.10 Uhr) favorisiert die DFL das so genannte Modell C.Danach soll ein Spiel am Freitagabend ausgetragen werden, um das sich die ARD allerdings nicht beworben hat. "Wegen der Europapokalspiele bis Donnerstag können die Partien am Freitag keine Topspiele sein. Deshalb sind die Einschaltquoten für das Free-TV uninteressant", sagte ein Insider. Sechs Spiele sollen am Samstag und wie bisher zwei am Sonntag ausgetragen werden.Auch eine zweite Variante ist denkbar. Würden Premiere und das ZDF den Zuschlag erhalten, würden die Spielzusammenfassungen im "Aktuellen Sportstudio" zu später Stunde ausgestrahlt, bei mehr Exklusivität für Premiere. Die ARD-Variante würde die vor allem bei Fans beliebte "Sportschau" mit einer früheren Ausstrahlung der Zusammenfassungen retten. Außerdem geht in den Vereinen die Sorge um, dass die Sponsorengelder nicht mehr so üppig sprudeln, wenn Bundesliga-Fußball nur ab 22 Uhr im Free-TV zu sehen sein sollte.Bis Dienstag gab die DFL vor allem den Pay-TV-Anbietern mit einer Nachfrist die Chance, ihre Angebote noch einmal nachzubessern. Der Abo-Sender Premiere, der bislang 180 Millionen Euro zahlt, hatte andere Modelle bevorzugt, die eine größere Exklusivität gewährleisten sollen.Mit der Deutschen Telekom und den beiden Fernsehkabelkonzernen Kabel Deutschland (KDG) und Unity Media war Premiere aber ernsthafte Konkurrenz erwachsen. Der Bonner Telekommunikationskonzern gab offenbar Angebote für Live-Übertragungen im Internet mittels DSL-Leitung und auch für die Rechte im frei empfangbaren Fernsehen ab. Diese könnte die Telekom an Sublizenznehmer weiter veräußern.



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