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Klassenerhalt: Gladbach schafft das Wunder

Foto: Bongarts/Getty Images

Bundesliga-Relegation Reus rettet Mönchengladbach

Großer Jubel bei Borussia Mönchengladbach: Der Club spielt auch in der kommenden Saison in der Bundesliga. Lange lag das Team im Relegationsrückspiel beim VfL Bochum zurück, dann traf Nationalspieler Marco Reus und bewahrte seine Mannschaft vor dem Abstieg.

Hamburg - Fünf Tage hatten die Anhänger von Borussia Mönchengladbach gezittert. Nicht um die Wade der Nation, aber immerhin um den Oberschenkel der Stadt. Marco Reus hatte beim 1:0-Sieg im Relegations-Hinspiel am Donnerstag eine Verletzung erlitten. So schlimm war sie dann aber doch nicht. Im Rückspiel stand er in der Startformation - und rettete Borussia Mönchengladbach beim VfL Bochum mit seinem Treffer in der 72. Minute zum 1:1 (0:1)-Endstand.

Ebenso wertvoll war auch der eingewechselte Igor de Camargo. Im Hinspiel hatte er den Siegtreffer erzielt, im Rückspiel Reus' Tor vorbereitet. Somit blieb auch der von Havard Nordtveit (24. Minute) zur Bochumer Führung ins eigenen Netz gelenkte Ball folgenlos. "Wir haben ein kleines Wunder vollbracht", sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl. Trainer Lucien Favre freute sich: "Das ist fantastisch", so der 53-Jährige. "Die Mannschaft hat Charakter gezeigt. Wir haben immer daran geglaubt, was wir können."

Vom neunten bis zum 33. Spieltag stand der Club auf einem Abstiegsplatz. Unter Favre, der Mitte Februar Michael Frontzeck abgelöst hatte, holte die Mannschaft 20 von 36 möglichen Punkten und setzte sich nun auch in der Relegation durch. Bochum verpasste den sechsten direkten Wiederaufstieg. VfL-Coach Friedhelm Funkel sagte, dass seine Mannschaft über 180 Minuten ein gleichwertiger Gegner gewesen sei. "Wir haben uns Anerkennung verdient", so Funkel. "Die etwas glücklichere Mannschaft ist letztlich in der Bundesliga geblieben. Dazu Herzlichen Glückwunsch."

Gladbach harmlos in Halbzeit eins

Der 57-Jährige tauschte im Vergleich zum Hinspiel zweimal aus. Die offensiven Mittelfeldspieler Zlatko Dedic und Mimoun Azaouagh kamen für den angeschlagenen Ümit Korkmaz und den gesperrten Björn Kopplin (fünfte Gelbe Karte) in die Startformation. Paul Freier rückte für Kopplin auf die rechte Abwehrseite. Mönchengladbachs Coach Lucien Favre vertraute den gleichen elf Profis wie im Hinspiel.

Und zunächst musste der Schweizer eine Schrecksekunde überstehen. Nach einer Ecke von Freier kam VfL-Innenverteidiger Marcel Maltritz im Strafraum zum Kopfball - traf jedoch nur die Latte (3.). Marc-André ter Stegen im Tor der Borussia wäre machtlos gewesen. Nach der munteren Anfangsphase verflachte die Partie. Beide Teams wollten nicht zu viel riskieren, warteten lieber auf einen Fehler des Gegners, als selbst die Initiative zu ergreifen.

Der VfL tat allerdings mehr für das Spiel. Nachdem Azaouagh in der 19. Minute einen Freistoß aus aussichtsreicher Position noch deutlich über das Tor geschossen hatte, gingen die Gastgeber fünf Minuten später in Führung. An der linken Strafraumseite setzte sich Mirkan Aydin stark gegen zwei Verteidiger durch und passte auf Christoph Dabrowski. Der Bochumer Kapitän wollte quer auf Dedic legen, Gladbachs Nordtveit bekam den Ball an den Fuß und von dort aus landete er im Tor. Das Ergebnis aus dem Hinspiel war egalisiert.

Doppelpass ins Glück

Der Treffer beflügelte den VfL, der die Gäste fortan immer wieder unter Druck setzte. Mönchengladbach entwickelte im Gegenzug kaum Gefahr vor dem Bochumer Tor, hatte keine Ideen, um die VfL-Defensive zu knacken. Bezeichnenderweise war es eine Standard-Situation, die zur größten und ersten Chance der Borussia führte. Angreifer Mohamadou Idrissou köpfte den Ball nach einer Ecke von Juan Arango aber ebenfalls nur an die Querstange (40.).

Nach der Pause versuchten die Gäste an die letzten Minuten der ersten Hälfte anzuknüpfen. Wirkliche Gefahr konnten sie jedoch nicht erzeugen. Die Partie lebte in dieser Phase vor allem von der Spannung. Vieles kam zufällig zustande, wie ein vermeintlicher Treffer von Reus, der jedoch im Abseits stand (55.). Oder wie ein Kopfball von Idrissou (58.), der knapp über das Bochumer Tor ging.

Es dauerte bis zur 70. Minute, ehe es wieder eine Torchance gab. Eine abgefälschte Flanke von Arango holte VfL-Keeper Andreas Luthe gerade so aus dem Winkel. Kurze Zeit später köpfte Martin Stranzl an den Pfosten. Und die Borussia blieb am Drücker: Nach einem Doppelpass mit dem nur vier Minuten zuvor eingewechselten de Camargo, tauchte Reus im Bochumer Strafraum auf und ließ Luthe mit einem platzierten Linksschuss keine Chance (72.).

Bochum reagierte auf den Ausgleich, brachte Mahir Saglik für Dedic - und hatte schon in der 76. Minute die Chance auf die erneute Führung. Ter Stegen hatte sich bei einem Freistoß aus dem Halbfeld von Faton Toski verschätzt, lenkte den Ball aber noch mit den Fingerspitzen über das Tor. Doch die Gastgeber verloren zunehmend die Nerven, wirkten frustriert. So sahen Aydin und Dabrowski die Gelbe Karte. Mit einem Wunder von Bochum wurde es nichts mehr.

VfL Bochum - Borussia Mönchengladbach 1:1 (1:0)
1:0 Nordtveidt (24., Eigentor)
1:1 Reus (72.)
Bochum: Luthe - Freier, Yahia, Maltritz, Ostrzolek - Dabrowski - Johansson, Toski - Azaouagh (63. Federico), Aydin, Dedic (75. Saglik)
Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dante, Daems - Neustädter, Nordtveit - Reus (85. Matmour), Arango - Hanke (90.+3 Brouwers), Idrissou (68. de Camargo)
Schiedsrichter: Gagelmann
Zuschauer: 28.650 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Ostrzolek, Aydin, Dabrowski - Dante