KSC gegen HSV Schafft die Relegation ab!

Jubel, Trauer, Klassenerhalt in der letzten Minute: Das Drama des Spiels Karlsruhe gegen den HSV zeigt, welche irren Wendungen im Fußball möglich sind. Toll, finden Sie? Nein, pervers. Und höchste Zeit, die Relegation abzuschaffen.

Tanzende HSV-Spieler: zweite Chance
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Tanzende HSV-Spieler: zweite Chance

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Der Dino lebt, die Uhr tickt, was für ein Chaosspiel, das ist ja wirklich unglaublich, ha!, endlich der KSC vorn, Yaaaaboo, oh neiiin, Freistoß, JAAAAAAAAAAA!, was? Ausgleich, letzte Minute?, Wahnsinn, die waren doch schon tot, das kann doch alles nicht wahr sein, irre, GEIL!!!!!, so muss das, nurderHSV, unabsteigbar, mein Gott, das kann nur der Fußball, Gräfe die Sau, verpfiffen worden, "Bruno kriegt ein Denkmal!".

Es war ein wirklich dramatisches Relegationsrückspiel am Montag in Karlsruhe, als sich der Hamburger Sportverein dank eines späten Freistoßtreffers erst in die Verlängerung rettete und dort dann seine Existenz sicherte. Man kann sich gut vorstellen, wie es währenddessen und danach in deutschen Wohnzimmern aussah, Jubel, Trauer, Kopfschütteln, viel Bier, Kraftausdrücke, Fäuste und Flüche. Irre Geschichte, so alles in allem, das kann eben nur der Fußball, heißt es dann gern. Und von den vielen bewegten Fußballromantikern: Davon werd ich noch meinen Enkeln erzählen.

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HSV verhindert Abstieg: Buenos Díaz
Ganz ehrlich? Die vielen ungeborenen Enkel tun mir jetzt schon leid. Sie werden dereinst pathostriefende Erzählungen von Opas hören, die entweder tief getroffen waren an jenem Abend oder elektrisiert, aber in jedem Fall völlig befangen. Sie werden die Mär von der Großartigkeit der Relegation hören, wo sich das Schicksal Bahn bricht und große Bundesligaklubs von kleinen Zweitligisten gefordert werden, wo sich die Zukunft von Vereinen und Mitarbeitern in epischen Duellen entscheidet. Wo die "Kleinen" im Rückspiel Heimrecht haben, "das ist fair, Junge!".

So ein Quatsch.

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Was ist großartig daran, wenn ein Erstligist 28 Spieltage lang rumwurstelt, drei Trainer rauswirft, um sich dann mit dem vierten auf den drittletzten Platz zu retten, und dann in zwei Spielen eine ganze Saison retten darf? Was ist großartig daran, wenn ein Zweitligist 34 Spieltage lang eine Liga mitbestimmt, kurz davor ist, für jahrelange Aufbauarbeit belohnt zu werden, und dann in zwei Spielen eine ganze Saison verlieren kann? Das ist nicht großartig, das ist pervers.

Zwischen 1982 und 1991 gab es die Relegation schon einmal, 2009 wurde sie wieder eingeführt. Der damalige DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus nannte das "die Rückkehr eines Spannungsfaktors", aber natürlich war es vor allem ein Instrument zum Schutz der Erstligisten, von denen seither nur noch zwei direkt absteigen; der Spannungsfaktor lag im Wesentlichen in dem Thrill, noch später die neue Saison planen zu können.

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Sollte man die Relegation abschaffen?

In 17 Jahren setzte sich fünfmal der Zweitligist durch, seit 2009 schaffte es der Unterklassige zwei Mal. Einmal gegen einen wirtschaftlich schwachen Erstligisten (Cottbus), einmal nach einem Spiel, das heute einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat: Düsseldorf gegen Hertha BSC. Ansonsten triumphierte immer die größere wirtschaftliche Macht. Das Establishment.

Die Wahrheit ist: Wer eine Saison vergeigt, verdient den Abstieg. Wer eine Saison überzeugt, verdient den Aufstieg. Aber die Relegation verdreht die Wahrheit, sie ist eine zweite Chance für die da oben, und eine zweite Hürde für die da unten. Sie ist die Betonierung der bestehenden Ordnung, ein zusätzliches Schloss an der Tür zur Bundesliga. Das kann man so machen, aber man sollte dann nicht mit Spannung und Emotionen kommen.

Ich persönlich würde meinen Enkeln später gern von dem Spiel in Karlsruhe erzählen. Aber was ich gern sagen würde, ist das: Es war das letzte Relegationsspiel. Das Allerletzte.

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Bundesliga-Analyse: Wie sich der HSV retten konnte
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Saima Altunkaya
Christian Gödecke ist Sportchef von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Christian_Goedecke@spiegel.de

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insgesamt 310 Beiträge
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Lexington67 02.06.2015
1.
Totaler Blödsinn... Der erste und der zweite der zweiten Liga steigen auf, der letzte und der vorletzte der Bundesliga steigen ab. Wenn jetzt die Relegation dazu kommt ist der drittletzte, eben der der es "gerade noch geschafft hat" in der Situation sich nochmal beweisen zu müssen, der dritte, der es knapp verpasst hat, erhält noch eine Chance. Wäre der HSV auf dem letzten Tabellenplatz gelandet, wären sie zurecht abgestiegen. Waren sie aber nicht, nicht mal vorletzter, also hätten sie ohne Relegation die Klasse direkt erhalten.
djoser 02.06.2015
2.
"Die Wahrheit ist: Wer eine Saison vergeigt, verdient den Abstieg. Wer eine Saison überzeugt, verdient den Aufstieg. " Sie verwechseln "Wahrheit" mit "Meinung". Was Sie hier äußern ist lediglich Ihre Meinung und diese ist genauso "wahr", wie die Ansicht, dass ein Zweitligist, der so deutlich schlechter ist, wie die Gurkentruppe des HSV, in der ersten Liga nichts zu suchen hat.
werners53 02.06.2015
3. was will er denn?
Bürgerbeteiligung, Diskussion und Abstimmung? 80 Millionen Schiedsrichter entscheiden, wer es verdient gegen Bayern München verlieren zu dürfen? Oder soll etwa die FIFA entscheiden, wer absteigt?
anblake 02.06.2015
4. Pervers?
Wenn eine Relegation zwischen dem Dritten der 2. Liga und dem Drittletzten der 1. Liga bereits pervers ist, was sind dann die Aufstiegsspiele der Staffelsieger (und teils Zweiten) in der 4. Liga?
fritzyoski 02.06.2015
5. Toll, finden Sie? Nein, pervers.
Am besten alle Vereine in die Bundesliga damit sich keiner benachteidigt fuehlt. In den meisten Sportarten gibt es Endspiele und nur einen Gewinner. Genau deshalb bezahlen die Fans Geld und gehen ins Stadium. Wenn Karlsruhe so gut waere und der HSV nur "rumwurstelt" dann haette sich der KSC doch ohne Probleme durchsetzen muessen, oder? Liegt an der relative schwchen Konkurenz und der 2ten Liga und der relativ starken Konkurenz in der ersten Liga. Deshalb steigen die meisten Aufsteiger auch gleich wieder ab.
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