Formkrise des Erstligisten Beim BVB hakt's

Gegen Bremen gab Borussia Dortmund nicht nur eine Führung ab, sondern auch eine zu schwache Vorstellung in fast allen Mannschaftsteilen. Ein Verein rätselt über seine Form. "Es fehlt etwas", sagt Trainer Favre.


In dieser bislang enttäuschenden Saison war das heimische Stadion für das Team von Borussia Dortmund der letzte Wohlfühlort. Hier war es gegen Augsburg furios in die Spielzeit gestartet, hatte nach der unerwarteten Niederlage bei Union die Fans mit einer Gala gegen Bayer Leverkusen versöhnt. Doch nach dem 2:2 gegen Werder Bremen war dieser Kredit wieder verspielt und die Mannschaft wurde mit Pfiffen verabschiedet. Die aktuelle Form des BVB wirft Fragen auf.

Warum konnte das Team aus den vergangenen fünf Spielen nur eines gewinnen? Warum hat der BVB von den Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte die meisten Gegentore kassiert? Lucien Favre antwortete ausführlich, allein: es fehlten sachdienliche Hinweise auf die Gründe.

Sie wissen es selbst nicht. "Sonst würden wir es abstellen", sagte Marco Reus, der eine Woche zuvor eine Debatte über die "Mentalität" der Mannschaft nicht führen wollte. "Es ist ja nicht so, dass wir bodenlos spielen", merkte Reus nach dem Unentschieden gegen Bremen zurecht an. Das macht es allerdings nur rätselhafter, wie der BVB nach einem Saisonstart mit zwei Siegen so abfallen konnte.

Die Dortmunder gewannen nicht, als sie gegen den FC Barcelona in der Champions League ein herausragendes Spiel machten. Sie gewannen nicht bei Eintracht Frankfurt, als sie in einem größtenteils überlegen geführten Spiel zweimal führten, und sie gewannen gegen ein immer noch aufgrund von Verletzungen improvisiertes Werder im eigenen Stadion nicht, obwohl sie einen Rückstand in eine Führung gewandelt hatten.

"Es fehlt etwas"

"Insgesamt war die Leistung okay, aber es fehlt etwas", sagte Favre, ohne die Mängel zu präzisieren.

Gegen Werder war es unter anderem die offensive Durchschlagskraft. Flügelspieler Jadon Sancho hat seine starke Form der Vorsaison noch nicht wieder gefunden, sein Gegenpart Thorgan Hazard ist bislang nicht die erhoffte Verstärkung. In der Spitze ersetzte Mario Götze den zuletzt schwächelnden Paco Alcácer, interpretierte diese Rolle aber bekanntermaßen anders.

"Wir müssen mehr Druck ausüben und den Gegner auch mal an die Wand nageln", forderte Spielmacher Reus. Mit dem Toreschießen hat das Team eigentlich kein Problem, unter Favre erzielte es in der Bundesliga vor heimischem Publikum in keinem Spiel weniger als zwei. Gegen die Bremer Behelfsabwehr wären aber durchaus mehr drin gewesen.

Paco Alcácer (links) und Julian Brandt kamen spät in die Partie, konnten den Sieg jedoch nicht mehr erzwingen
FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX

Paco Alcácer (links) und Julian Brandt kamen spät in die Partie, konnten den Sieg jedoch nicht mehr erzwingen

Schwerer wiegen in dieser Spielzeit die defensiven Probleme, die Fehler in der Abwehr wiederholen sich. Manuel Akanji stand schon eine Woche zuvor beim zwischenzeitlichen 1:1 in Frankfurt zu weit hinter den anderen Gliedern der Viererkette. So war das nun auch gegen Bremen und es war leicht für Milot Rashica, in eine komfortable Abschlussposition zu kommen, ohne im Abseits zu stehen, und das 1:0 zu erzielen.

Der Ausgleich zum 2:2 folgte auf einen von nur zwei Eckstößen, die Werder herausspielte. Es sei "einstudiert" gewesen, sagte Bremens Trainer Florian Kohfeldt, dass Nuri Sahin den Ball auf einen Kollegen am ersten Pfosten flanke, der ihn dann verlängere. Es ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass Dortmunds Analysten, allen voran ihr detailversessener Trainer, auf die Variante eingestellt waren. Warum der im defensiven Kopfball schwache Reus am ersten Pfosten in das Duell mit Josh Sargent geschickt wurde, ist ein Rätsel.

Schwächen gegen vermeintlich schwächere Teams

Gegen Barcelona und Leverkusen, die spielerisch wohl hochklassigsten Gegner der bisherigen Spielzeit, blieben die Dortmunder in den vergangenen Wochen ohne Gegentor. Gegen Union Berlin, Frankfurt und Bremen waren es hingegen jeweils mindestens zwei.

Am Mittwoch (18.55 Uhr, Liveticker SPIEGEL / TV: Sky) wartet wieder ein Team der vermeintlich schwächeren Kategorie. Dortmund spielt in der Champions League bei Slavia Prag, den Außenseiter in der Gruppe. Borussia muss schnell zu seiner Form finden, denn in der Gruppe F, in der zudem noch Inter Mailand wartet, könnten sich leichtfertige Punktverluste schnell rächen.

Borussia Dortmund - Werder Bremen 2:2 (1:1)
0:1 Rashica (7.)
1:1 Götze (9.)
2:1 Reus (41.) 2:2 Friedl (56.)
BVB: Bürki - Piszczek, Weigl, Akanji, Hakimi - Dahoud (67. Brandt), Witsel - Sancho (80. Guerreiro), Reus, Hazard - Götze (72. Alcácer)
Werder: Pavlenka - Gebre Selassie, Groß, Friedl - Sahin - Lang, M. Eggestein, Klaassen, Bittencourt (82. J. Eggestein) - Sargent (88. Pizarro), Rashica (73. Goller)
Schiedsrichter:
Aytekin
Gelbe Karten: Weigl
Zuschauer: 81.365

insgesamt 107 Beiträge
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Seite 1
spon_2956127 29.09.2019
1. Es hakt
Einen Teil der Antworten, woran die Krise des BVB liegen könnte, nennt der Artikel ja selber: Formschwäche von Reus und Sancho; Akklimatisierungsprobleme von Hazard. Hinzu kommt, dass das Wunschbild einer eingespielten Elf aufgrund der zwischenzeitlichen Verletzungen insbesondere der Neuzugänge Hummels, Brandt, Schulz und Hazard tatsächlich bis jetzt noch Wunschdenken geblieben ist. Der dritte Grund sollte aber auch nicht verheimlicht werden: schlichtes Pech! Sowohl bei der Nutzung der eigenen Großchancen wie auch bei dem Zustandekommen mancher Gegentreffer (Eigentor Delaney). Angesichts der Vielzahl von herausgespielten Chancen ist das schon weniger eine Form- als vielmehr eine kleine Ergebniskrise, was der BVB momentan durchlebt.
Nonvaio01 29.09.2019
2. forderte Spielmacher Reus
und genau da ist das problem. Reus ist kein Spielmacher, war er noch nie und wird er auch nie, genauso wenig ist er Stuermer. Das problem beim BVB ist das man es versaeumt hat vernuenftig im Sommer einzukaufen. man hat ohne plan eingekauft einfach alles was in der BL eine gute saision gespielt hat. Die abwehr ist mittelmass, das Mittelfeld ist mittelmass und dann gibt es keinen der baelle veretilen kann. Die aussen sind pasabel, aber nichts womit man Titel gewinnen kann. man hat masse gekauft anstatt klasse. Im letzten jahr hatte der BVB extrem viel gluek in vielen spielen, das scheint einige geblendet zu haben.
Nonvaio01 29.09.2019
3. naja
Zitat von spon_2956127Einen Teil der Antworten, woran die Krise des BVB liegen könnte, nennt der Artikel ja selber: Formschwäche von Reus und Sancho; Akklimatisierungsprobleme von Hazard. Hinzu kommt, dass das Wunschbild einer eingespielten Elf aufgrund der zwischenzeitlichen Verletzungen insbesondere der Neuzugänge Hummels, Brandt, Schulz und Hazard tatsächlich bis jetzt noch Wunschdenken geblieben ist. Der dritte Grund sollte aber auch nicht verheimlicht werden: schlichtes Pech! Sowohl bei der Nutzung der eigenen Großchancen wie auch bei dem Zustandekommen mancher Gegentreffer (Eigentor Delaney). Angesichts der Vielzahl von herausgespielten Chancen ist das schon weniger eine Form- als vielmehr eine kleine Ergebniskrise, was der BVB momentan durchlebt.
der kleine Hazard ist einfach ueberbewertet, der ist nicht so gut wie man denkt wenn man den namen hoert. Der wird nicht besser...sorry. man kann auch von unvermoegen sprechen wenn man so oft das Tor nicht trifft. Reus ist total ueberfordert, was soll er noch alles machen? Tore schiessen, als 10er fungieren, auf den aussen rennen.....Reus ist auch nicht mehr der juengste.
pirx64 29.09.2019
4.
Naja, wenn man Jahre lang mit Plattitüden wie "Junges Team, muss sich erst finden/einspielen" und "Meisterschaft ist nicht ausgeschriebenes Ziel" und "CL-Platz ist das Ziel" von sich gibt, da muss man sich nicht wundern, wenn man den Schalter ala mia-san-mia umgelegt bekommt. P.S.: Wer hat den in den letzten beiden Jahren die Konkurrenten schwach gekauft?
odafo 29.09.2019
5. seh ich anders
Zitat von Nonvaio01und genau da ist das problem. Reus ist kein Spielmacher, war er noch nie und wird er auch nie, genauso wenig ist er Stuermer. Das problem beim BVB ist das man es versaeumt hat vernuenftig im Sommer einzukaufen. man hat ohne plan eingekauft einfach alles was in der BL eine gute saision gespielt hat. Die abwehr ist mittelmass, das Mittelfeld ist mittelmass und dann gibt es keinen der baelle veretilen kann. Die aussen sind pasabel, aber nichts womit man Titel gewinnen kann. man hat masse gekauft anstatt klasse. Im letzten jahr hatte der BVB extrem viel gluek in vielen spielen, das scheint einige geblendet zu haben.
Bis auf die unkontrollierten Einkäufe widerspreche ich doch erheblich. Wenn der BvB die Hintermannschaft gut ausstattet, neben Hummels 2 gute Innenverteidiger, dazu einen zentralen Mittelfeldmann (Hummels fungiert quasi als Libero), dann ist Dortmund ein klarer Titelfavorit. Frage ist, ob der Trainer zu Dortmund passt. Die nicht zu übersehenden Sprachschwierigkeiten(gestern das Interview war ja eine Farce) und die mangelde Zuspitzung seiner Worte ohne konkrete Massnahmen, dieses Rumgeeiere, macht schon nachdenklich. Bei so einem Kader die verschiedensten Nationen braucht man schon einen Trainer nach dem Geschmack von Pep G. "Zuckerbrot und Peitsche". Weicheier, die versuchen, auf die leise Art etwas zu bewegen, sind mE. fehl am Platz Meine Empfehlung: 2 neue erfahrene für die Verteidigung, neuer Trainer: meinetwegen auch Klopp zurück. Warum nicht.
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